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Spreewälder Gutshäuser – verkaufen oder nicht?

Das der Stadt Golßen gehörende Schloss steht leer, soll aber saniert und für soziale Zwecke ausgebaut und anschließend verpachtet werden. Ab 1947 war es das erste Ambulatorium in der gesamten damaligen sowjetischen Besatzungszone.
Das der Stadt Golßen gehörende Schloss steht leer, soll aber saniert und für soziale Zwecke ausgebaut und anschließend verpachtet werden. Ab 1947 war es das erste Ambulatorium in der gesamten damaligen sowjetischen Besatzungszone. FOTO: Landkreis Dahme-Spreewald
Calau/Luckau/Golßen. In Calau wird laut darüber nachgedacht, das Gutshaus Groß Meh ßow zu verkaufen. Bei den Abgeordneten ist das umstritten, obwohl das Denkmal dringend saniert werden müsste. Auch Guts häuser um Luckau und im Amt Unterspreewald haben schon bessere Zeiten als die heutige erlebt. Hannelore Kuschy

Gutshäuser können das schöne, aber auch das hässliche Gesicht eines Dorfes sein. Unter erheblichem Sanierungsstau leidet das Denkmal im Calauer Ortsteil Groß Mehßow. Unter dem Dach des dortigen Landvereins aber zieht wenigstens immer wieder Leben in das alte Gemäuer - Einwohner treffen sich, ein Friseur mietet sich tageweise ein, und die Ortsvorsteherin hat dort ihr Büro.

Über eine Veräußerung des Gutshauses denkt gerade die Calauer Stadtverwaltung nach. Immerhin, so argumentiert Bauamtsleiterin Margitta Görs, habe die Stadt in wenigen Jahren rund 30 000 Euro in das Haus gesteckt. Auf Dauer aber führe die laufende Flickschusterei zu keinem vernünftigen Ergebnis. Was also tun? Der Verkauf wäre für die Verwaltung eine Option. Denn Schätzungen gehen davon aus, dass für eine dringend notwendige Sanierung 750 000 bis eine Million Euro notwenig wären, die die Stadt angesichts der schwierigen Haushaltslage nicht aufbringen könne. Soziale Träger hätten auf Anfrage kein Interesse am Gutshaus bekundet.

Bei den Abgeordneten im Bau- wie im Hauptausschuss ist das Ansinnen heftig umstritten. Gerd Kasprick (CDU) und Michael Petras (Linke) lehnen einen Verkauf ab mit der Begründung, dass die Stadt nicht alle Möglichkeiten ausgeleuchtet habe. Schritt für Schritt solle das Haus erhalten werden. "Aber wo soll das Geld dafür herkommen?", wirft Bürgermeister Werner Suchner (parteilos) die Frage auf. Auch für André Bareinz ist ein Verkauf das "Allerletzte". Nach Ansicht von Norwin Märkisch (CDU) hingegen solle das mit einem Verkauf mal probiert werden.

Verkauft aber sei schnell, befürchtet Ortsvorsteherin und Stadtverordnete Roswitha Reiche (Ländliche Wähler). Sie werde sich gegen solche Bemühungen wehren, gebe es doch im Ort keine weitere Gelegenheit für Einwohner, sich zu treffen. "Das Feuerwehrhaus in Klein Mehßow zu nutzen, wäre unfair. Für die Ortsteile muss man sich eben auch mal was einfallen lassen. Denken wir nur auch an die Buckower, die schon jahrelang kämpfen", so ihre Gedanken.

Angesichts solcher Debatten betont Michaela Schudek vom Fachbereich Bau des Amtes Unterspreewald, wie wichtig ein Amt ist für die Selbstbestimmung der Gemeinden. Aber auch diese haben ohne den nötigen finanziellen Rückhalt kaum Chancen, Gutshäuser zu halten und zu sanieren.

Golßens Abgeordnete haben sich vor gut einem Jahr dafür entschieden, das Schloss in kommunaler Hand zu belassen und es vor dem Verfall zu retten. Erbbaupacht oder Verkauf waren für sie keine Optionen. Wohnungen, teils barrierefrei, sollen entstehen, verbunden mit einem Angebot für betreutes Wohnen durch einen Pächter. Das Bundesverwaltungsgericht hat in diesem Jahr die Entscheidung des Cottbuser Verwaltungsgerichtes von 2013 bestätigt und die Klage auf Restitutionsanspruch der Erben des ehemaligen Schloss-Eigentümers Friedrich Fürst zu Solms-Baruth abgewiesen. Die Gutshäuser in Altgolßen und Kasel Golzig, sagt Amtsdirektor Jens-Hermann Kleine (CDU), seien an privat gegangen. Altgolßen beherberge eine soziale Einrichtung.

Seinen zweiten Betreiber hat seit geraumer Zeit das Schloss Fürstlich Drehna. Wie Lutz Schando vom Sachgebiet Gebäude- und Immobilienmanagement in der Luckauer Stadtverwaltung erklärt, habe die Stadt das Areal 1990 übernommen, um es zu erhalten. Später sei es an die Brandenburgische Schlössergesellschaft übergegangen, die noch heute Eigentümer sei. Übernommen hatte die Stadt zur Wende auch das Herrenhaus Egsdorf, das später an die Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft ging. Seit diesem Jahr gehört es einem Berliner. Eigentümerin des Herrenhauses Kümmritz, so Lutz Schando, sei noch immer die Stadt Luckau und vergleicht die Situation mit Groß Mehßow. Auch in Kümmritz gebe es im Falle eines Verkaufs keinen anderen Raum, wo sich Einwohner treffen könnten. An eine holländische Lebensgemeinschaft ist das Guts haus in Zieckau gegangen, an dem allerdings noch nicht viel gemacht worden sei. Im Ort aber gebe es noch die alte Schule als Dorfgemeinschaftshaus. "Und solange es in einem Dorf noch einen anderen Treffpunkt für die Einwohner gibt, fällt ein Verkauf nicht so schwer", fasst Lutz Schando zusammen.