| 02:42 Uhr

Spreewälder erhalten ihre Natur

Eine Reihe von landschaftspflegerischen Projekten konnte die Bürgerstiftung Kulturlandschaft Spreewald anschieben. So wurden Paten für Bäume auf der Streuobstwiese in Stradow gefunden und Aktien für die Pflege unter anderem der Lehder Wasserschlagwiese verkauft.
Eine Reihe von landschaftspflegerischen Projekten konnte die Bürgerstiftung Kulturlandschaft Spreewald anschieben. So wurden Paten für Bäume auf der Streuobstwiese in Stradow gefunden und Aktien für die Pflege unter anderem der Lehder Wasserschlagwiese verkauft. FOTO: hk
Lübbenau. Für das Geschenk an den Spreewaldstiftung-Vorstand haben alle Lübbenauer Stadtverordneten zusammengelegt. 1050 Euro, so Bürgermeister Helmut Wenzel (parteilos), kamen zusammen durch den Verzicht von einen Teil der jährlichen Aufwandsentschädigung. Daniel Preikschat

Geld, das nun in Spreewälder Wiesenaktien, 21 an der Zahl für je 50 Euro, investiert wird. Gesichert ist damit die Pflege von weiteren 21 000 Quadratmetern Kulturlandschaft im Spreewald.

Helmut Wenzel war am Dienstag Gastgeber im Großen Sitzungssaal des Lübbenauer Rathauses und durfte die Begrüßungsrede vor rund 100 geladenen Gästen halten. Allesamt Unterstützer und Freunde der Bürgerstiftung Kulturlandschaft Spreewald, die am 16. Mai 2007 an den Start ging. Fraglos prominentester Gast war dabei Matthias Platzeck. Dem 63-jährigen ehemaligen brandenburgischen Ministerpräsidenten war es sichtlich ein Vergnügen, die Stiftung über den grünen Spreewaldklee zu loben. Sie halte sich vorbildhaft an das, was einst der von Platzeck hochgeschätzte ehemalige US-Präsident John F. Kennedy gesagt hat: "Frage nicht, was dein Land für dich tun kann, sondern, was du für dein Land tun kannst." Die Stiftung habe viele Spreewälder, die ihre Landschaft lieben, dazu bewegt, auch Verantwortung für sie zu übernehmen. "Eine segensreiche Entwicklung" sei das gewesen, so Matthias Platzeck.

Holger Bartsch, Vorsitzender der Stiftung, und sein Stellvertreter Michael Petschick blickten auf die zehn Jahre zurück. 19 Gründungsstifter, darunter Kommunen, Agrarbetriebe, Vereine, Verbände und Privatpersonen konnten sie 2007 gewinnen. Das ursprüngliche Konzept indes, Projektideen zu ersinnen und Anträge zu stellen, um so an Fördermittel zu kommen, wollte nicht aufgehen. Zudem gab es immer weniger Zinsen für das Stiftungskapital. Gezwungenermaßen, so Holger Bartsch habe man umdenken müssen.

Selbst Projekte initiieren und mit Hilfe von Spendern finanzieren - das sei in den Folgejahren zur Devise geworden. Die Stiftung konnte viele Naturfreunde dafür gewinnen, in Meerrettich und Honig zu investieren, in Streuobstwiesen und Feuchtwiesen, in Bäume und in traditionelle Landnutzung samt Heuschoberbau. Die Wiesenaktie wurde "zum Renner", so Bartsch.

Unter anderem Kahnfährleute nutzten diese Gelegenheit, sich an der Pflege der kleinteiligen und von Verbuschung bedrohten Flächen zu beteiligen, die ihre Gäste so gern betrachten. Flankierend musste geworben und Öffentlichkeitsarbeit betrieben werden, um Menschen zu erreichen. Eine Mitarbeiterin und ein eigenes Büro, im Lübbenauer Rathaus zur Verfügung gestellt, erleichterten die Arbeit.

Holger Bartsch überließ es am Festtag seinem jüngeren Stellvertreter Michael Petschick, in die Zukunft zu blicken. Wo steht die Stiftung in zwanzig Jahren? Das Stiftungskapital, sagte Petschick, sollte dann schon mindestens verdoppelt worden sein. Um Mitstreiter müsse unermüdlich weiter geworben, das Geld wie bisher geschickt eingesetzt werden. Wichtig sei aber auch, "sich treu zu bleiben", sagte Petschick. Vollkommen neue Wege zu gehen, lasse schon die Satzung nicht zu und passe auch nicht zu der Bürgerstiftung, die sich einen so guten Ruf erworben hat.

Zum Thema:
Durch die Mitstreiter der Bürgerstiftung können heute rund 25 Hektar Landschaftsflächen im Spreewald gepflegt werden. Zwischen 2012 und 2016 nahm die Stiftung im Jahr durchschnittlich etwa 35 000 Euro an Spenden ein. In den Jahren 2015 und 2016 konnten jeweils ca. 12 500 Euro in die Pflege investiert werden. Der Umsatz belief sich in diesen Jahren auf jeweils 55 000 Euro. Das Stiftungsvermögen beträgt derzeit 214 000 Euro. Der Zinsertrag von 2011 bis 2016 liegt nur bei 2674 Euro - Tendenz sinkend.