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| 16:04 Uhr

Besonderer Gottesdienst
Spreetaufe in Lehde

Charlotte aus Lübben ist 20 Monate alt. Sie hat am Samstag von Pfarrerin Ulrike Garve die Taufe empfangen.
Charlotte aus Lübben ist 20 Monate alt. Sie hat am Samstag von Pfarrerin Ulrike Garve die Taufe empfangen. FOTO: Dorn
Lehde. Premiere für die Pfarrerin Ulrike Garve.

Eine bunte Gesellschaft fand sich am Samstagmorgen am Brodg-Fließ in Lehde ein. Vier Menschen haben sich im Wasser der Spree taufen lassen. Für die Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde, Ulrike Garve, war das eine Premiere.

„Du musst dir noch überlegen, ob du komplett untertauchen möchtest oder ob ich nur deine Stirn mit Wasser benetzen soll“, sagt Pfarrerin Ulrike Garve zu Niclas Schenker. Wenige Minuten vor Beginn des Taufgottesdienstes an der Spree werden die letzten Absprachen getroffen. Der 22-Jährige im sportlichen Outfit entscheidet sich nach kurzem Nachdenken für das Untertauchen. Niclas Schenker aus Lübbenau ist einer der vier Täuflinge.

Am Ufer des Wasserlaufes ist ein Altar aufgebaut. Blumen und Kerzen schmücken ihn. Bänke reihen sich davor. Die Temperaturen sind angenehm warm. Ein leichter Wind lässt das weiße Altartuch flattern. Abgesehen vom Zwitschern der Vögel ist es auffällig still. Die Atmosphäre an diesem Samstagmorgen ist eine besondere. Das spüren auch die Menschen, die nach und nach zum Gottesdienst an diesem außergewöhnlichen Ort eintreffen. Eine fröhliche Stimmung macht sich breit.

Vier Familien feiern die Taufe. Bewusst haben sie sich für eine Freilufttaufe in der Spree entschieden. Verbundenheit mit der Heimat spielt dabei eine große Rolle. „Wir wohnen und arbeiten in Bayern, aber wir stammen aus dem Spreewald, und unsere Familien leben hier. Wir hoffen, dass mit der Taufe in der Spree ein bisschen Heimatgefühl überschwappt“, sagt Björn Konzack schmunzelnd. Sein Sohn, der zweieinhalbjährige Eric, und sein jüngerer Cousin Bennet werden von Pfarrerin Ulrike Garve gleich die Taufe empfangen. Die Vierte im Bunde ist die knapp zweijährige Charlotte. Die Eltern Sebastian Liedtke und Juliane Neumann kannten die Spreetaufe vom Hörensagen. Die Form finden sie toll. Auch ihre Familien sind eng mit dem Spreewald verbunden.

„Danke für diesen guten Morgen“ singt die etwa 60-köpfige Gottesdienstgemeinde zu Beginn dem Wind entgegen. Vorbeiziehende Paddler freuen sich über diese unerwartete Szenerie am Rande. „Die Taufe ist ein Zeichen der Verbundenheit der Christen weltweit. Mit ihr nimmt Gott eine Beziehung zu den Menschen auf“, sagt Ulrike Garve in der Predigt. Die Eltern der drei jungen Täuflinge wünschen sich das für ihre Kinder und haben die Entscheidung zur Taufe für sie getroffen.

Niclas Schenker entscheidet sich bewusst als Erwachsener. „Aus meiner Lebenssituation heraus habe ich begonnen, mich mit dem christlichen Glauben auseinanderzusetzen. Schließlich wollte ich mich taufen lassen“. Bei der Kirchengemeinde Lübbenau absolvierte er ein mehrwöchiges Praktikum. Nun möchte er sogar ein theologisches Studium aufnehmen. Er ist zuerst an der Reihe. Dreimal taucht er während des Taufvorganges komplett unter. Dann folgen die drei Kinder. Eric ist mutig und wagt sich bis zu den Oberschenkeln in das Wasser. Für Bennet und Charlotte tun dies die Eltern. Alle Kinder juchzen, als das Spreewasser über ihre Stirn rinnt. Den jungen Täuflingen sind Paten an die Seite gestellt. Ihre Aufgabe ist es, die Kinder auf ihrem Weg mit dem Glauben zu begleiten. Ein Zeichen ist die Taufkerze, die sie für den Täufling im Gottesdienst entzünden wollen. Doch der Wind lässt es an diesem Morgen nicht zu. „Tun Sie das bei der anschließenden Feier“, schlägt Ulrike Garve vor.

Die Spreetaufe hat Tradition im Spreewald. Die evangelischen Kirchengemeinden im Pfarrsprengel Lübbenau und Umland bieten einmal im Jahr diese Möglichkeit an. Das Taufen im Wasser geht auf die Ursprünge des Christentums zurück. Die ersten Christen wurden im Jordan getauft. Der Jordan ist der Grenzfluss zwischen Israel und Jordanien.