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| 10:44 Uhr

Sportfreunde Calauer Sumotori träumt von Olympia

Rochusthal. Der 17-jährige Kevin Wende aus dem Calauer Ortsteil Rochusthal gehört zur Weltspitze der Nachwuchs-Sumotori. Der Gymnasiast hat einen großen Traum. Kevin Wende hofft, dass seine Sportart olympisch wird und er 2012 bei den Spielen für Deutschland antreten kann. Zunächst aber muss sich der 17-Jährige um neue Trainingspartner kümmern. Denn der Bundesnachwuchsstützpunkt Sumo beim SV Calau ist aufgelöst worden. Von Andreas Staindl

Kevin Wende (17) betritt den Ring, geht ganz tief in die Hocke, fixiert seinen Gegner. Plötzlich greift er an, packt ihn am Gürtel und schleudert ihn aus dem Ring. Sieg! Nur wenige Sekunden dauert ein Sumokampf. "Höchste Anforderungen an Körper und Geist", sagt Kevin. "Man muss oft blitzschnell umplanen, seine Strategie ändern." Dem 17-Jährigen aus dem Calauer Ortsteil Rochusthal gelingt das offenbar. Er ist einer der weltbesten Nachwuchs-Sumotori. Bei den 6. Junior Sumo World Championships im Juni dieses Jahres im japanischen Tokio hat Kevin Wende jeweils den siebenten Platz im Einzel und mit der Mannschaft belegt. Zwei Wochen zuvor war er bei der Europameisterschaft in Ungarn Fünfter geworden. Zufrieden war er mit beiden Platzierungen nicht: "Ich will immer gewinnen, möglichst der Beste sein."Kampfsport seit der dritten Klasse Kevin ist sehr ehrgeizig. Bereits in der dritten Klasse begann er mit Kampfsport. "Im Hort wurde Judo angeboten und ich hab’ halt mitgemacht." Kevin bestritt Wettkämpfe, qualifizierte sich bis zum grünen Gurt, sammelte Medaillen auf regionaler Ebene. Im Alter von zwölf Jahren gingen ihm die Gegner aus. "Ich aber wollte kämpfen, nicht stundenlang für einen einzigen Kampf an der Matte hocken." Da kam ihm Sumo "gerade recht. Die Sportart erschien mir sehr reizvoll, also wechselte ich". Bereut hat es Kevin Wende nicht: "Beim Sumo kann ich mit dem ganzen Körper arbeiten, habe viel mehr Möglichkeiten, einen Kampf zu gestalten." Jens Kühne und er waren die ersten Sumotori in Calau, später kam auch sein Bruder Steven (21) hinzu. Jens Jahn hatte das Training übernommen und wurde dabei von Dietmar Herbes aus Großräschen unterstützt. Für Kevin Wende offenbar ein Segen – die ersten Siege ließen nicht lange auf sich warten. "Meine Freunde im Verein haben großen Anteil an meinen Erfolgen", sagt er. Nach wenigen Wochen Vorbereitung stand der junge Rochusthaler zum ersten Mal bei einem Wettkampf im Sumoring. "Endlich hatte ich wieder richtige Gegner, auch wenn die verdammt stark waren", erzählt er und strahlt. Etwa fünf Jahre ist das jetzt her. Inzwischen gehört der Zwölftklässler des Calauer Gymnasiums zu den besten Nachwuchs-Sumotori in Deutschland und international zur erweiterten Spitze. Sumo wurde erstmals 712 erwähnt, stammt aus Japan und ist die ursprüngliche Form des Ringkampfes. Ins Deutsche übersetzt, heißt "sumo zu sumafu" sich wehren. Gekämpft wird international auf einer harten Sandfläche, oft Lehm, die mit Strohseilen abgesteckt ist. Ziel ist es, den Gegner mit einer der 82 Siegtechniken zu überlisten und aus dem Ring, dem Dohyo, zu drängen. Verlierer ist auch, wer mit einem anderen Körperteil als der Fußsohle den Boden berührt. "Der Start ist entscheidend", erklärt Kevin Wende. "Ein Kampf dauert ja meist nur drei oder vier Sekunden." Anfangs drängte er seine Gegner einfach mit Kraft aus dem Ring. Inzwischen aber geht er gern auf den Mawashi, den Gürtel der Sumoringer. "So habe ich einen Bruchteil mehr Zeit für meine Strategie."Mawashi das einzige Kleidungsstück Der Mawashi ist das einzige Kleidungsstück, das Sumokämpfer tragen. Er ist neun Meter lang, 60 Zentimeter breit und wiegt bis zu fünf Kilogramm. Der Gürtel wird mehrmals um die Hüfte gewickelt, durch die Beine geführt und hinten mit einem großen Knoten befestigt. Profi-Sumotori der oberen Ränge tragen farbige Mawashi aus Seide. Die Gürtel von Amateuren wie Kevin Wende sind weiß und aus Baumwolle. Seit der Weltmeisterschaft in Japan klebt Lehm an seinem Mawashi – eine bleibende Erinnerung. "Solch harte Böden sind wir bei uns gar nicht gewohnt. Darauf zu kämpfen ist nichts für Weicheier", sagt er und seine Augen blitzen. Eine Woche lang hatte er zuvor mit japanischen Sumotori im Mutterland des Sumo trainiert. Nationalsport In Japan ist Sumo Nationalsport. Profikämpfer wiegen oft mehr als 150 Kilogramm, manche gar über 200 Kilogramm, sind trotz ihrer Masse aber sehr beweglich. Kevin Wende bringt um die 80 Kilogramm auf die Waage – fast alles Muskelmasse. Um sein Gewicht zu halten, achtet er auf gesunde Ernährung, verspeist viel Hühnchen und Gemüse. Bisher hat er dreimal pro Woche mit anderen Sumotori trainiert. Zusätzlich läuft er mit seinem Hund durch den Wald, stemmt Gewichte, fährt mit dem Rad die fünf Kilometer bis zur Schule. Der hohe Aufwand hat sich gelohnt, sein erstes internationales Jahr war erfolgreich. Im Vorjahr war Kevin Wende außerdem deutscher Vizemeister geworden, in diesem Jahr führt er die nationale Rangliste an. Besonders stolz macht ihn, dass er in der "open Kategorie" an der Spitze steht. "Das ist schließlich die Königsklasse, wo Kämpfer deutlich schwerer sind als ich." Kevin Wende hatte gute Chancen auf die deutsche Meisterschaft in diesem Jahr, doch ein Verkehrsunfall verhinderte seinen Start. Die Wunden sind inzwischen verheilt, da gibt es neue Probleme. "Der Bundesnachwuchsstützpunkt Sumo beim SV Calau ist aufgelöst", sagt Kevin. "Unser Trainer ist beruflich zu sehr eingespannt." Derzeit hängt der junge Rochusthaler in der Luft: "Zum Sumo-Training brauche ich Partner." Doch er gibt nicht auf, hat einen großen Traum vor Augen: "Bei Olympia dabei sein und dort vielleicht eine Medaille gewinnen – das wär’s." Bei den olympischen Spielen 2008 in Peking ist Sumo Demonstrationssportart, 2012 vielleicht olympisch. Kevin Wende wird dann 24 Jahre alt sein. Gut möglich, dass der Sumo-Olympiasieger dann aus dem winzigen Rochusthal kommt.