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Sozial Bedürftige verlieren wichtige Anlaufstelle

Aushang statt Sprechstunde im Ärztehaus. Altdöberner werden auf die Caritas-Sozialstation in Großräschen verwiesen.
Aushang statt Sprechstunde im Ärztehaus. Altdöberner werden auf die Caritas-Sozialstation in Großräschen verwiesen. FOTO: Uwe Hegewald/uhd1
Altdöbern. Immer mittwochs hatte Karin Wollny in Altdöbern Sprechstunde. Damit ist es nun vorbei. An einer Ersatzlösung wird gearbeitet. dpr

Ralf Raunick macht keinen Hehl aus seinen ehemaligen Alkoholproblemen. Sie führten dazu, dass der Baufacharbeiter aus Altdöbern sein Leben vorübergehend nicht mehr im Griff hatte, wichtige Angelegenheiten nicht mehr selbst regeln konnte. Wenn es ihm heute wieder besser geht, sagt er, sei das auch Karin Wollny zu verdanken.

Geringfügig beschäftigt hat die Frau mit der sozialen Ader im Ärztehaus in Altdöbern Menschen wie Ralf Raunick unterstützt. Die meisten Besucher ihrer Sprechstunde immer mittwochs im Ärztehaus beziehen Alg II, sind oft außerdem erkrankt oder verschuldet. Karin Wollny half ihnen Anträge zu stellen für Rente, Mietzuschuss oder andere staatliche Unterstützungsleistungen. Auch an Schuldner- oder Drogenberatung konnte die Altdöbernerin viele dieser bedürftigen Menschen verwiesen, erfolgreich mit ihnen eine Wohnung suchen oder einen Job.

Seit dem 8. Februar ist das vorbei. Amtsdirektor Detlef Höhl habe ihr das kurz zuvor mitgeteilt, so die 66-Jährige. Es gebe keinen sozialen Träger mehr für diese Maßnahme. Das sei sehr bedauerlich, da ja keine so großen Kosten anfallen würden, sagt Karin Wollny.

Detlef Höhl sagt ganz klar: "Frau Wollny hat gute Dienste geleistet." Sie sei über die Maßen engagiert, habe das Vertrauen der sozial benachteiligten Menschen gewonnen. Ihre Sprechstunde jedoch hätten das Amt und die Wohnungsbaugesellschaft im Spreewald (WiS) finanziert, obwohl sie dafür gar nicht zuständig seien. Gemeinsam mit der AWO suche man nach anderen Möglichkeiten. Denkbar wäre auch, einen Bundesfreiwilligendienstleistenden (Bufdi) mit der Aufgabe zu betrauen. Da Karin Wollny bereits Bufdi gewesen ist, komme sie leider nicht infrage. AWO-Geschäftsführer Wolfgang Luplow denkt eher an einen ausgebildeten Sozialarbeiter, der in Altdöbern einen Tag in der Woche eingesetzt werden sollte. Der Bedarf sei fraglos vorhanden. An der Finanzierung werde noch gearbeitet. Hier will die AWO auch auf Stadt- und Kreistagabgeordnete zugehen.