Bogenschießen ist ein faszinierender Sport. Erst recht, wenn man ihn in freier Natur ausübt. Die Sommertour-Teilnehmer zumindest waren begeistert. "Bogenschießen ist eine sehr schöne Freizeitbeschäftigung", sagt Petra Kloy. "Man braucht viel Ruhe und inneres Gleichgewicht, um erfolgreich zu sein."

Die Hartmannsdorferin (Stadt Lübben) feierte gestern ihre Premiere mit Pfeil und Bogen. Sie traf erstaunlich gut. Michael Franke hatte den Gästen zuvor die Grundregeln des Bogenschießens erklärt, darauf hingewiesen, worauf es ankommt, dass der Pfeil auch sein Ziel erreicht. "Hand-Augen-Koordination" heißt die Zauberformel. Nicht einäugig zielen, sondern das Ziel mit beiden Augen per Tunnelblick anvisieren und dem Bauchgefühl vertrauen. Bogenschießen ist Intuition - quasi das Erahnen, wo der Pfeil hinfliegt. Michael Franke macht es vor. Er schnappt sich den Bogen, steckt den Pfeil ein, spannt die Sehne. Kurz das Ziel anvisiert, dann der Tunnelblick. Patsch!

Der Pfeil ist rasend schnell zum Ziel gezischt. Und mitten rein ins Schwarze. Die Gäste sind begeistert: "Donnerwetter."

Eine richtig fette Vorlage für sie. Die Kinder durften zuerst, dann waren die Erwachsenen dran. So richtig verpatzt hat es niemand. Also weg vom Einschießen und rauf auf den Waldparcours. Den hat Michael Franke in einem etwa zehn Hektar großen Waldstück nahe der Ortschaft Groß Wasserburg angelegt - einer Pachtfläche der Landesforst Brandenburg. Bogenschießen im Bergspreewald - das wird während der Sommertour gestern schnell klar - ist Bewegung an frischer Luft, Natur pur und sportlicher Spaß für alle Generationen. "Es ist sehr familienfreundlich", sagt Petra Kloy. "Während des Schießens entsteht eine Gruppendynamik. Es hat eine Art Wettbewerbscharakter. Und es schult soziale Kompetenzen."

Die Teilnehmer müssen sehr diszipliniert sein, Rücksicht aufeinander nehmen. Und sie lernen etwas über die Tierwelt. Eines der fiktiven Ziele ist eine Bache mit Frischlingen. "Ein Jäger wird nie eine Bache zuerst schießen, weil die Frischlinge dann keine Mutter mehr hätten", erklärt Michael Franke. Die Bache und Frischlinge in seinem Wald sind aus Zwei-Komponenten-Schaum - so wie auch die anderen Tiere auf dem Waldparcours. 29 Tiere an 20 Stationen gibt es insgesamt. Ein Auerhahn ist auch dabei. Er steht auf einer kleinen Anhöhe. Nico Staudler legt mit dem Bogen an, spannt ihn - und trifft. Der 13-Jährige hat offenbar den Bogen raus. "Ein sehr interessanter Sport", sagt der junge Lübbener. "Man ruht irgendwie in sich. Der Höhepunkt ist, wenn man ins Ziel trifft."

Nico hat gestern oft getroffen, und sich offenbar mit dem Virus Bogenschießen infiziert. "Ich kann mir vorstellen, öfters zum Bogenbiwak zu fahren und mit Pfeil und Bogen zu schießen."

Michael Franke hätte wohl nichts dagegen. Er betreibt das Bogenbiwak jetzt in der fünften Saison: "Die Nachfrage steigt. Immer mehr Leute sind vom Bogenschießen fasziniert. Mein ältester Gast war über 80 - und total begeistert."

Bogenschießen auf dem Waldparcours in Groß Wasserburg kann man allein, in Familie, mit Freunden oder Arbeitskollegen beispielsweise. Pfeile und Bogen werden vor Ort gestellt. Es gibt auch Schnupper- und Grundkurse. Am 4. Oktober dieses Jahres findet das 4. Bergspreewald-3D-Waldturnier in Groß Wasserburg statt. Vielleicht ist dann auch ein Teilnehmer der RUNDSCHAU-Sommertour dabei. Talentierte Bogenschützen zumindest waren dabei.