ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:32 Uhr

Sommerjecken auf kleiner Fahrt

Mit einem kleinen Karnevalsumzug im Sommer überraschte Liptens Karnevals-Präsident Bernd Löber die Gäste aus Lörzweiler.
Mit einem kleinen Karnevalsumzug im Sommer überraschte Liptens Karnevals-Präsident Bernd Löber die Gäste aus Lörzweiler. FOTO: U. Hegewald/uhd1
Lipten/Lörzweiler. Was machen Karnevalisten zwischen Aschermittwoch und dem 11.11.? Programme einstudieren, Büttenreden verfassen, Kulissen basteln oder Kontakte pflegen. Wie die Karnevalsvereine aus Lipten (Lausitz) und Lörzweiler (Rheinhessen), die auf 25 Jahre Partnerschaft zurückblicken. Uwe Hegewald / uhd1

Was Regierungschefs praktizieren, das können wir schon lange, sagte sich eine fünfköpfige Karnevals-Delegation aus Lörzweiler (Rheinland-Pfalz) und begleitete ihren Vorsitzenden Sascha Wuche zum Antrittsbesuch in die Lausitz. In der zurückliegenden Session ist der 46-Jährige im Rahmen der Jubiläumskampagne ins Amt berufen worden. Seit 66 Jahren gilt der Lörzweiler Carneval Club (LCC) als Hüter des Frohsinns in der rund 2300 Einwohner zählenden Ortsgemeinde am Königstuhl.

"Am Königstuhl, das ist gewiss - ein jeder Narr ein König ist", heißt es in einer Parole, und so haben Lörzweiler Karnevalisten ihrer Symbolfigur "Karl-Heine" prompt eine Krone aufgesetzt. "Mit dem Namen wollten wir an Heinrich (Heine) Gauer und Karl-Heinz Steeg erinnern, die maßgeblich an der Gründung unseres Vereins im Jahr 1949 beteiligt waren", erklärt der Vize-Vorsitzende Jogi Kerzel (50).

Erinnern können sich Zeitzeugen auch an das Jahr 1990, als plötzlich Post aus dem Osten im LCC-Briefkasten lag. Im Schreiben warb der Karnevalclub Lipten (KCL) um eine mögliche Partnerschaft mit den Rheinhessen. "Wir haben damals in einem Autoatlas geblättert, 20 Kommunen angeschrieben und darum gebeten, den Brief an ortsansässige Karnevalvereine weiterzuleiten", erzählt KCL-Präsident Bernd Löber. Von insgesamt sieben Rückmeldungen kamen Alsheim, Nierstein, Lörzweiler und Rösrath in die engere Wahl. Das Rennen machte schließlich Lörzweiler - vielleicht auch wegen des markanten Anfangsbuchstabens "L" der so prächtig zu Lipten und Lörzweiler passt. Bemerkenswert: Das "L" gilt als elfhäufigster Buchstabe in deutschen Texten - eine kleine karnevalistische Parallele sollte es dann schon sein.

"Gegenseitige Besuche gab es immer. Wir sind inzwischen zum sechsten Mal hier", erzählen Elisabeth und Michael Christ. "Höhepunkt war eine 1998 durchgeführte Busreise mit rund 50 Leuten nach Lipten", so Christ, der als LCC-Ehrenmitglied und Bürgermeister (FWG) in allen fünf Lörzweiler Jahreszeiten mitregiert. Die Gastfreundschaft, Geselligkeit und das gemeinsame Karneval-Hobby führt das Gemeindeoberhaupt als Gründe an, warum die Rheinhessen regelmäßig die knapp 600 Reisekilometer auf sich nehmen.

Dass Liptens Kontaktperson Nummer 1, Bernd Löber, zuvor an einem abwechslungsreichen Aufenthaltsprogramm schmiedet, wissen die Reisenden aus der Weinanbauregion. So hatte der 65-Jährige dieses Mal unter anderem einen kleinen Karnevalsumzug organisiert. Mit ihm am Steuer, ging es mit Karnevalisten aus Lipten und Lörzweiler durchs Dorf bis zur Museumsscheune von Manfred Bronk in Muckwar. Der Umzugswagen: Ein roter MTS 50 Traktor, Baujahr 1971 in Minsk, nebst einachsigem Hänger, von dem aus das kleine närrische Volk winkte. Tags zuvor ging es per Kahn durch den Spreewald. "Ein schönes Stück Natur", befand LCC-Präsident Sascha Wuche, der die Lagunenlandschaft zuvor nur von Bildern oder aus Fernsehsendungen kannte.

Als amüsant wurde die kecke wie unterhaltsame Art des Fährmanns Frank Hensel empfunden. Dessen Visitenkarte wurde nach Lörzweiler mitgenommen. Wird irgendwann in einem kommenden LCC-Programm mal ein redegewandter Kahnfährmann benötigt, könnte dann ein Brief von West nach Ost gehen.