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| 02:32 Uhr

So viel Zeit wie möglich für Patienten

Karin Schwertfeger kann nicht mehr laufen. Die 77-jährige Vetschauerin ist deshalb auf Hilfe angewiesen. Schwester Katja spritzt sie und lindert damit ihre Schmerzen. Und der vor zwei Jahren zugelaufene Kater Puschel passt gut auf sein Frauchen auf.
Karin Schwertfeger kann nicht mehr laufen. Die 77-jährige Vetschauerin ist deshalb auf Hilfe angewiesen. Schwester Katja spritzt sie und lindert damit ihre Schmerzen. Und der vor zwei Jahren zugelaufene Kater Puschel passt gut auf sein Frauchen auf. FOTO: Hannelore Kuschy
Vetschau. Emma ist ein aufgewecktes liebes Mädchen. Die Fünfjährige hat Diabetes Typ 1. Mehrmals am Tag bekommt sie deshalb in ihrer Vetschauer Kita "Sonnenkäfer" Besuch von der mobilen Hauskrankenpflege Jahn. Sie ist eine von mehreren Pflegediensten in Vetschau, Lübbenau und Calau und besteht in diesem Monat fünf Jahre. Die Zahl ihrer Pflegekräfte hat sich mehr als versiebenfacht. Hannelore Kuschy

Schon heute sind etwa ein Drittel aller Vetschauer und fast jeder vierte Calauer älter als 65 Jahre. Aber es muss nicht immer das Alter sein, das einen Mensch hilfebedürftig macht. Die kleine Emma zum Beispiel ist mit ihren fünf Jahren die jüngste Patientin der Freien Mobilen Hauskrankenpflege von Andreas Jahn in Vetschau. Seit etwa drei Jahren lebt das Mädchen wie etwa 400 000 weitere Patienten in Deutschland mit Diabetes Typ 1. "Ihr Körper ist nicht in der Lage, selbst das wichtige Insulin zu bilden", erklärt Doris Nowka. Sie ist es heute, die das Mädchen in der Kita "Sonnenkäfer" besucht, um den Blutzuckergehalt zu messen und das Essen für die Kleine zu wiegen. Dann werden die Broteinheiten berechnet und je nach Bedarf wird die Insulinpumpe eingestellt, die Emma an ihrem Rücken trägt. Von dieser Pumpe aus wird dem Körper Insulin zugeführt. Zwei mal, Mittag und zur Kaffeezeit, müssen Schwestern der Hauskrankenpflege Emma betreuen. "Und sie wird auch lernen, auf ihren Körper zu achten, Unregelmäßigkeiten zu deuten", sagt Schwester Doris.

Sie ist eine von 38 Pflegekräften der Hauskrankenpflege Jahn aus Vetschau, die zwischen Wüstenhain, Boblitz, Naundorf und Babow 180 Patienten betreut. "Vor genau fünf Jahren habe ich mich selbstständig gemacht. Mit fünf Leuten haben wir angefangen", erzählt Andreas Jahn. Einige hatten seinen Schritt belächelt, andere ihm Respekt gezollt. Nie aber hätte damals jemand für möglich gehalten, dass sein Unternehmen so schnell wachsen würde. "Der Bedarf ist ganz einfach gestiegen", so seine Erklärung. Altersgebrechlichkeit, Demenz und ja, auch solche Diagnosen wie bei der kleinen Emma würden den Pflegebedarf allgemein steigen lassen.

Seine Großmutter in Raddusch sei es gewesen, die Andreas Jahn auf den Pfad der Hauskrankenpflege geführt hat. Der heute 56-Jährige hatte zunächst seinen Baufacharbeiter mit Abitur gemacht, sogar eine Meisterausbildung absolviert. Gemeinsam mit seinem Bruder kümmerte er sich um die Oma, die mit Stufe 3 sehr pflegebedürftig war. Mit 40 Jahren, nachdem sie gestorben war, hat er sich noch einmal auf die Schulbank gesetzt und sich zum examinierten Altenpfleger ausbilden lassen. Heute, beim kleinen Empfang, wird er neben Ärzten, Schwestern. Apothekern, dem Steuerberater, seiner Bank, dem Verband der Pflegekassen, dem Sanitätshaus und vielen anderen vor allem seinen Mitarbeitern danken, "die einen super Job bei den Patienten machen". "Für sie versuchen wir uns so viel Zeit wie möglich zu nehmen", sagt er.

Das bestätigt Karin Schwertfeger. Die 77-Jährige ist seit 1980 auf den Rollstuhl angewiesen. Gegen die Schmerzen bekomme sie Spritzen, beim Anziehen morgens werde ihr geholfen. Und auch vor dem Schlafengehen würde eine Schwester noch einmal nach ihr und natürlich Kater Puschel schauen.