Nach einem Vierteljahrhundert ist er jetzt gemeinsam mit anderen Handwerksmeistern im Beisein von Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm und Handwerkskammerpräsident Peter Dreißig in Cottbus von der Handwerkskammer für das berufliche Engagement geehrt worden.
Kraftfahrzeugmechanikermeister Andreas Hentschker stand ganz vorn auf der Liste der 77 Jubilare aus 29 Gewerken - die Pool-Position für den Altdöberner, der so seinem Idol, dem ehemaligen Motorradrennfahrer Anton „Toni“ Mang, nacheiferte.
Am 22. Februar 1980 bekam Andreas Hentschker den Meisterbrief überreicht, im selben Jahr, als Toni Mang in der 250-er Klasse seinen ersten Weltmeistertitel einfuhr. „Endlose fünf Jahre habe ich mich um eine Gewerbegenehmigung bemüht. Erst nach einer personellen Umbesetzung beim Rat des Kreises/Verkehrswesen wurde der Weg frei für eine Trabant-Service-Werkstatt“ , erzählt er.
Angefangen hatte alles viele Jahre zuvor. „Als junger Bengel habe ich damals Kaninchen gezüchtet und verkauft, vom Geld eine dieser unverwüstlichen SR 2 gekauft“ , erinnert sich der 50-Jährige und schmunzelt. Am „Schrauben und Frisieren“ der Maschine fand der Junge gefallen. Fortan stand PS neben Pferdestärke auch für personelle Schaffenslust.
Mit der Unternehmensgründung am 6. Januar 1986 galt es dann Haus- und Werkstattbau, Material- und Ersatzteilbeschaffung, Firma und Familie unter einen Hut zu bekommen. „Ohne die Unterstützung in der Familie wäre das alles undenkbar gewesen. Die Eltern waren jederzeit zur Stelle und meine Ehefrau Gabriele erledigte die anfallenden Arbeiten in Büro und Haushalt“ , würdigt der Kfz-Mechanikermeister den familiären Beistand in all den Jahren.
Der politischen Wende folgte die unternehmerische Wende und die betriebliche Neuorientierung im (Auto-)Hause Hentschker. „Fast über Nacht sind die Geschäftskunden weggeblieben“ , erinnert sich der Altdöberner, „da beschloss ich, das Firmengrundstück zu einem Renault-Vertrags- und Verkaufsstützpunkt auszubauen.“ Wieder hieß es: Schulbank drücken, Wissen festigen und Bauarbeiten am 200-Quadratmeter-Verkaufspavillon koordinieren. Auf Fahrten zu den Motorrad-Grand-Prix ins slowakische Brünn hat er vorerst verzichtet.
Dafür gab es erneut familiäre Unterstützung: „Meine beiden Söhne Steve (26) und Tom (17) sind inzwischen nachgerückt und helfen, wo sie können“ , sagt Andreas Hentschker und schwärmt: „Der 'Große' ist ebenfalls von der Kraftfahrzeugtechnik fasziniert, er koordiniert die Werkstattarbeit und wird den Betrieb einmal übernehmen.“
Dabei vergessen Vater und Sohn nicht, dass sie mit Alexander Schiller einen gut ausgebildeten Servicetechniker an ihrer Seite haben. „Auch ihm ist es zu verdanken, dass sich der Betrieb immer weiter entwickelt und wir von Anfang an schwarze Zahlen schreiben“ , so Andreas Hentschker, dessen Meisterbrief seit 2002 die Gesellschaft des Meisterbriefes vom Sohn Steve genießt. Der Junior war es auch, der beim Senior die alte Motorradleidenschaft wachrief. Die gipfelte zum 50. Geburtstag im Kauf eines PS-starken Feuerstuhls - der wohl einzige Lustkauf des Kfz-Mechanikermeisters, der seine Lehre zum Motorradschlosser bei Zweirad-Conrad in Calau absolvierte. Die Reise an die legendäre Grand-Prix Rennstrecke nach Brünn folgte auf dem Fuße. Dorthin, wo Anfang der 80er-Jahre das Westdeutsche Motorradidol Toni Mang zehntausende Ostdeutsche Motorradfanatiker begeisterte. „Im Winterhalbjahr bleibt die Maschine aber im Stall“ , erzählt Andreas Hentschker. Dann widmet er sich der Restaurierung seiner alten DKW, vorausgesetzt es ist einmal vor 19 Uhr Büro- und Werkstattschluss. Was der Altdöberner bisher noch nicht wusste: Es war auch ein Kraftrad der Marke DKW, mit dem einst Toni Mang (Sportler des Jahres 1981) im Alter von elf Jahren erste Motorraderfahrungen machte.