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| 17:00 Uhr

Ehrenamt im Landkreis Oberspreewald-Lausitz
Ihr gehen die Ideen niemals aus

Auch in diesem Jahr begleitete Marina Nasdall (l.) den Neupetershainer Carneval Club (NCC) beim „Zug der fröhlichen Leute“ durch Cottbus. Ein Erinnerungsfoto mit Spremberger Turm im Hintergrund gehört dabei zum Standardprogramm.
Auch in diesem Jahr begleitete Marina Nasdall (l.) den Neupetershainer Carneval Club (NCC) beim „Zug der fröhlichen Leute“ durch Cottbus. Ein Erinnerungsfoto mit Spremberger Turm im Hintergrund gehört dabei zum Standardprogramm. FOTO: Uwe Hegewald
Neupetershain. Ohne Ehrenamt wäre das Leben in der Region nicht so bunt wie es ist. Für ihr Wirken werden deshalb jedes Jahr einige verdienstvolle Bürger aus dem Landkreis OSL ausgezeichnet. Doch wer sind diese engagierten Leute? Die RUNDSCHAU geht auf Personensuche. Heute: Marina Nasdall aus Neupetershain. Von Uwe Hegewald

Die Hände in den Schoß legen und mit Gleichgültigkeit verfolgen, was vor der eigenen Haustür passiert, sind so gar nicht die Dinge von Martina Nasdall. Dabei hätte die quirlige, couragierte Einwohnerin von Neupetershain (Amt Altdöbern) allen Grund, um Feierabend und Freizeit bewusst zu genießen.

Die bewohnte Doppelhaushälfte ist in einem Top-Zustand, der bereits pensionierte Ehemann Detlef nimmt ihr viel Haus-und Gartenarbeit ab und die Kinder mit Familie sind bestens versorgt. „Sohn Christian hat in Cottbus Maschinenbau studiert, wohnt und arbeitet jetzt in Wolfsburg. Tochter Carolin hat es beruflich bis nach Stuttgart verschlagen“, erzählt Marina Nasdall. Mit der Entfernung und den dadurch seltenen, aber regelmäßigen Begegnungen haben sich die Nasdalls inzwischen arrangiert. „Wir machen das Beste draus.“ Es scheint, als habe Marina Nasdall diesen Satz für sich gepachtet.

Seit 1984 ist sie als Gemeindevertreterin in Neupetershain tätig. Zuvor im Dörfchen Ressen (Gemeinde Neu-Seeland), anschließend für die Wählergruppe „Ja“ in Neupetershain. Dort leitet sie seit 2005 den Ausschuss für Kultur, Sport, Bildung und Soziales, um das Beste für „ihre“ Gemeinde rauszuholen. „Es gibt eine enge Zusammenarbeit zwischen Gemeindevertretung, den ortsansässigen Vereinen und der Kita Pusteblume. Fünf Veranstaltungen stemmen wir gemeinsam“, so die Neupetershainer „Kultursenatorin“.

Die Frauentags-Feier mit bis zu 70 teilnehmenden Frauen und das jährliche Sport- und Familienfest des SV Corona im Juni, führt sie an, sowie das Halloweenfest, die Seniorenweihnachtsfeier und den Neupetershainer Weihnachtsmarkt. Als Veranstaltungs-Regisseurin sieht sich Marina Nasdall nicht. „Da gibt es so viele Leute die sich bei den Veranstaltungen einbringen. Nur gemeinsam können wir etwas bewirken, Projekte anschieben oder umsetzen“, betont sie.

Stellvertretend für viele nennt sie die zuverlässigen Kuchenbäckerinnen, Techniker, Sponsoren oder Einzelpersonen, wie Peter Petrick, der für seine Visionen bekannt sei. „Manchmal stöhnen wir, um diese dann doch umzusetzen“, würdigt Marina Nasdall den lokalen Ideengeber. Das Miteinander vergleicht die Ingenieur-Ökonomin am Beispiel ihrer früheren Arbeitsstelle in der Braunkohle: „Jeder Mitarbeiter erfüllte wichtige Funktionen, damit die einzelnen Zahnräder erfolgversprechend ineinandergreifen – vom kleinsten Gleisarbeiter bis zum Tagebaudirektor.“

Dass ihr die Ideen irgendwann ausgehen, müssen die Neupetershainer nicht befürchten. Wann immer es die Zeit erlaubt, schwingen sich Marina Nasdall und ihre beste Freundin aufs Fahrrad, um in Nachbarkommunen Wochenend-Veranstaltungen zu besuchen. Ausflüge dienen unter anderem dem Einholen von Anregungen, sollen aber auch als Wertschätzung für die Organisatoren wahrgenommen werden. „Die Leute stecken viel Zeit, Kraft und Geld in ihre Veranstaltungen. Über Gäste freuen die sich genauso wie wir“, begründet Marina Nasdall.

So richtig mit der Kulturarbeit angefangen hat es 2005, bei den gemeinsamen Festtagen von Welzow, Neupetershain und Proschim. Für eine kurzfristig abgesprungene Mitorganisatorin musste adäquater Ersatz gefunden werden und schon klopfte es an der Tür von Familie Nasdall. Die Klopfenden wussten vom bisherigen ehrenamtlichen Engagement der Marina Nasdall, die in ihrem früheren Heimatdorf Ressen den Jugendclub leitete, Jugendveranstaltungen und das Zampern mitorganisierte. In der Lehrzeit brachte sie sich als Betreuerin in den Betriebsferienlagern in Neu Mukran oder Wolzig ein, oder begleite Schulklassen ihrer Kinder auf Klassenfahrten, die bis nach Sankt Petersburg führten.

Mitmenschen, die Marina Nasdall länger kennen, teilen die Meinung, dass sie ihr ehrenamtliches Tun vererbt bekommen habe. „Meine Mutter Christa Bauer war über viele Jahre im Gemeindekirchenrat und zwischenzeitlich als Küsterin tätig. Papa Günter engagierte sich in der Gemeindevertretung und bei der Freiwilligen Feuerwehr“, erklärt sie die Ursachen ihrer gesellschaftlichen Aktivitäten. Wenn man damit aufwachse, will es oftmals der Lauf der Dinge, es den Eltern gleichzutun.

Für Marina Nasdall unvergessen bleibt der 24. Oktober 2008, als sie eine Einladung zum Tag des Ehrenamtes der Amtsverwaltung Altdöbern erhielt. Während sie für die Gemeinde Neupetershain den begehrten Bürgerpreis entgegennehmen durfte, wurden ihre Eltern Christa und Günter am selben Abend für die Gemeinde Neu-Seeland ebenfalls mit einem Bürgerpreis geehrt. Eine Steilvorlage für die Laudatoren, konnten sie doch in ihrer Festrede den bekannten Ausspruch einflechten, wonach der Apfel nie weit vom Stamm falle.