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Sensationell: die Mobile Welt in Calau

Tatraplan ist eine Luxuslimousine aus der damaligen Tschechoslowakei. Sie ist zwischen 1948 und 1953 gebaut worden und kostete ungefähr 44 000 Reichsmark, später wahrscheinlich ebenso viele DDR-Mark. Rainer Schmatloch weiß, dass nur knapp 100 dieser Pkw importiert wurden. Seines Wissens hat Walter Felsenstein, der 1947 die Komische Oper in Berlin gründete, solch ein Auto gefahren.
Tatraplan ist eine Luxuslimousine aus der damaligen Tschechoslowakei. Sie ist zwischen 1948 und 1953 gebaut worden und kostete ungefähr 44 000 Reichsmark, später wahrscheinlich ebenso viele DDR-Mark. Rainer Schmatloch weiß, dass nur knapp 100 dieser Pkw importiert wurden. Seines Wissens hat Walter Felsenstein, der 1947 die Komische Oper in Berlin gründete, solch ein Auto gefahren. FOTO: H. Kuschy
Calau. DDR-Geschichte auf Rädern – das hat die Calauer "Mobile Welt des Ostens" zu bieten. Im Februar beginnt Rainer Schmatloch wieder mit Führungen durch dieses Labyrinth der Sensationen. Auch wenn es mit einer Erweiterung noch nicht geklappt hat – das Interesse ist ungebrochen. Hannelore Kuschy

Von Jahr zu Jahr wächst die Zahl der Besucher im Calauer Oldtimermuseum, das seinesgleichen sucht. "Vom Überschuss aus dem Jahr 2014 haben wir uns einen Aufsteller an unserer Zufahrt geleistet", sagt Museumsleiter Rainer Schmatloch. Mit der Erweiterung, wie noch im vergangenen Jahr geplant, habe es leider nicht geklappt. Deshalb müssten Fahrzeuge, die bei Vereinsmitgliedern noch in Scheunen stehen, weiter ein unbeachtetes Dasein fristen - zum Beispiel "der erste Wartburg 353 mit einem 45-PS-Motor und noch West-Lack von 1966", erzählt der 78-Jährige, von Haus aus ein Kfz-Mensch. Auch im Museum selbst stehe wegen des beschränkten Platzes weiter eine Sensation eng bei der nächsten. Und manch eine wird erst auf den zweiten Blick oder durch ihre Geschichte eine unglaubliche. Das Lieblingsstück des Calauers ist ein Diesel-Fahrradhilfsmotor. Jawohl. Im Jahr 1952 wurde der erste von insgesamt nur 1200 Stück gebaut, weil seinerzeit kein Benzin zu haben war. "Aber man musste ganz viel treten für den ersten Funken", sagt er.

Dass eine Führung durch diese Welt nicht länger als zwei Stunden dauert, wundert wohl jeden, der einmal hineingeschnuppert hat. "Wir wollen alles zeigen, was nach dem Zweiten Weltkrieg und bis zur Wende im Osten auf den Straßen gefahren ist, auch das, was man nicht alle Tage zu sehen bekam", formuliert Schmatloch den Anspruch des Vereins.

Zu diesen Fahrzeugen gehören unbedingt Walter Ulbrichts Krankenwagen, der wie viele andere Autos vor der Verschrottung gerettet wurde, und ein Cabrio aus Stalins Zeiten. Das war auf dem Roten Platz in Moskau zu sehen, wenn Militärparaden eröffnet wurden. Beeindruckend auch die tschechische Staatslimousine, von denen es nach dem Wissen Rainer Schmatlochs weltweit nur zwei gibt. Das gepanzerte Gefährt wiegt 4,5 Tonnen.

Nicht ostalgische Schwärmereien, vielmehr diese einmalige Sammlung sei es nach seiner Ansicht, die Besucher nicht nur aus ganz Deutschland hierher führt.

Nachdem Rainer Schmatloch etwas pausieren musste, beginnen im Februar wieder die regelmäßigen Führungen - jeden ersten Montag im Monat um 14 Uhr. Der Eintritt kostet vier Euro. Weitere Führungen sind nach Anmeldung im Museum ohne Aufpreis möglich (03541 871555).

Kommentar: Viel für Calau aufgefahren