Schmerzensschreie und Jammerlaute hinter verschlossenen Türen - häufiger denn je sind das die Gründe für die Feuerwehr in Lübbenau auszurücken. Wie Udo Grätz, Leiter der Stützpunktfeuerwehr kürzlich bei der Jahreshauptversammlung ausführte, mussten die Kameraden allein in der Stadt selbst 24 Mal in Wohnungen eindringen, um Rettungssanitäter hereinlassen zu können. Denn die verunglückten Senioren waren selbst dazu nicht mehr in der Lage. "Wir kommen meist durch das Badezimmerfenster", so Grätz. Ist es nur angekippt, wird das Scharnier durchgeschnitten. Wurde das Fenster fest verschlossen, muss es eingeschlagen werden. Immer noch weniger Schaden entstehe dabei als beim Aufbrechen der Tür.

Meist treffen die Feuerwehrleute in den Wohnungen ältere Menschen an, die gestürzt sind und sich verletzt haben. Fast immer seien es aufmerksame Nachbarn, die hören, dass nebenan etwas passiert ist und die dann Hilfe rufen, so die Erfahrung des Wehrführers. Manchmal sei es auch umgekehrt: Polizei und Feuerwehr werden gerufen, weil der Nachbar verdächtig still und gar nicht mehr zu sehen ist. In drei Fällen allerdings kam jede Hilfe zu spät, darunter war auch ein Selbstmord.

2014, so Grätz, habe es nur halb so viele dieser Einsätze gegeben. Schon in den Jahren davor war ein Anstieg zu verzeichnen. Für den Lübbenauer kein Wunder. Auch in Lübbenau steige das Durchschnittsalter der Einwohner. Viele jüngere Menschen sind fortgezogen, immer mehr Senioren wohnen allein. Bei Wehrleitertagungen werde deutlich, dass auch andere Städte dieses Problem haben, so der Lübbenauer.

Immerhin fast jeder fünfte Einsatz hat die Feuerwehr Lübbenau im vergangenen Jahr in Seniorenwohnungen geführt, dabei je ein Mal auch nach Boblitz und Bischdorf. 143 Einsätze waren es 2015 insgesamt, etwa so viele wie in den Vorjahren. Erfreulicherweise gab es keine größeren Brände zu löschen, sagt Grätz. Auch das sei ein Trend, allerdings ein erfreulicher. Die größten Gebäude, die Feuer fingen, waren Lauben gewesen. Auch zu Autounfällen wurde die Feuerwehr wieder gerufen. In einem Fall war ebenfalls ein Toter zu beklagen. Ein Geisterfahrer fuhr im Januar auf der Flucht vor der Polizei auf der A 15 frontal gegen einen Lkw.

Am häufigsten unterstützt wurde die Lübbenauer Feuerwehr 2015 von der gleichfalls personell und technisch gut ausgestatteten Wehr in Boblitz. Sieben Mal wurden die Zerkwitzer, sechs Mal die Kittlitzer hinzugezogen.

Kommentar: Nachbars Hilfe immer wichtiger