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| 07:39 Uhr

Lebenswerte Spreewaldstadt
Senioren haben nur wenig zu meckern

Beim Tag der offenen Tür im Spreewaldhaus der WiS genossen Senioren den Blick von der Dachterrasse des Elfgeschossers auf die Neustadt.
Beim Tag der offenen Tür im Spreewaldhaus der WiS genossen Senioren den Blick von der Dachterrasse des Elfgeschossers auf die Neustadt. FOTO: WIS Wohnungsbaugesellschaft im S / Mareen Kopsch
Lübbenau. Ältere Lübbenauer leben gern in ihrer Heimatstadt, erkennen aber auch einige Missstände – das zeigt die Diskussion nach einer Umfrage der Lübbenauer CDU. Von Daniel Preikschat

Die CDU-Landtagsabgeordnete Roswitha Schier eröffnete die Diskussion im Medizinischen Zentrum Lübbenau (MZL) mit einem Hinweis auf ihre persönliche Betroffenheit. Sie sei jetzt 56 Jahre alt, so die Lübbenauerin, und möchte in der Spreewaldstadt gern noch mindestens 30 Jahre leben.

Ähnliche Ziele dürften auch die etwa 25 zumeist älteren Besucher des MZL verfolgen, die gespannt waren auf das Ergebnis einer nicht repräsentativen Umfrage der Lübbenauer CDU unter Senioren mit dem vielversprechenden Namen „Fit für die Zukunft“. Wobei Roswitha Schier, der die CDU-Fraktionsvorsitzende Christina Balke sekundierte, eine wenig erfreuliche Nachricht gleich zu Beginn mitzuteilen hatte: Obwohl 8300 Fragebögen über die Hauspost verteilt wurden, kamen nur 69 Antworten zurück.

Aus dieser eher mageren Resonanz ließ sich dennoch Erkenntnisgewinn ziehen. Dass die meisten Senioren noch Auto fahren und in ihrer Wohnung bleiben möchten, dürfte noch nicht so überraschen. Interessanter war, was die älteren Lübbenauer gern an Infrastruktur vorfinden möchten. Ärztliche Versorgung und Verkehrssicherheit haben die höchste Priorität.

Laut der Umfrage wird das Geld-
institut vor Ort als noch wichtiger eingeschätzt als die Stadtlinie und der Bahnhof. Weiter zeigt das Umfrageergebnis: Bezüglich des Wohnumfelds wird größter Wert auf sichere Wege gelegt. Kaum weniger wichtig sind den Rentnern zu Fuß erreichbare Einkaufsmöglichkeiten. Auch Grünflächen werden wertgeschätzt. Nicht unbedingt zu erwarten waren Angaben zu altersgerecht sanierten Wohnungen. Die Mehrheit der Wohnungsmieter kreuzte das Feld „ist nicht altersgerecht saniert“ an. Bei den Eigenheimbesitzern verhielt es sich gerade umgekehrt.

In der anschließenden Diskussion gingen vor allem Bürgermeister Helmut Wenzel (parteilos) und WiS-Geschäftsführer Michael Jakobs auf kritische Hinweise ein. Jakobs bestätigte, dass die meisten älteren Mieter selbstbestimmt in der eigenen Wohnung leben wollen. Dabei nutzen sie gern zusätzliche Service-Angebote wie Essen, Pflege, Hausnotruf und medizinische Betreuung. Wobei die WiS gut mit der AWO kooperiere. Zusammen reagiere man auf die bestehende Nachfrage und realisiere voraussichtlich 2021 in der Schumannstraße das nächste gemeinsame Projekt unter der Überschrift „Wohnen an den Gärten“ mit 58 Wohnungen.

Bürgermeister Helmut Wenzel (parteilos) war vor allem gefragt in Sachen Verkehrssicherheit, die aus Sicht der Senioren nicht überall in ausreichendem Maße gegeben ist. Man habe sich in der Neustadt mit den Wohnungsunternehmen zunächst der Gebäudesanierung angenommen, nun erst folgten – eine nach der anderen – die Straßen. Die Nebenanlagen der Robert-Koch-Straße, räumte Wenzel ein, seien „in jämmerlichem Zustand“. 2019 sei aber der Ausbau geplant.

Ausgebaut werden bereits die Straßen am Roten Platz. Schon jetzt vermissen Senioren aber die Fußgängerampeln an der viel befahrenen Kreuzung. Sie machen einem neuen Kreisverkehr Platz, der offenbar nicht mehr das Schutzbedürfnis der älteren Anwohner befriedigt. Hier wies der Bürgermeister auf Mittelinseln hin, die für die anliegenden Straßen geplant sind und das Überqueren erleichtern. Angesprochen auf fehlende Parkplätze in der Neustadt entgegnete der Bürgermeister, deren Zahl reiche aus, wenn man die Garagen mit einrechnet. In der Giebelstraße seien erst kürzlich weitere Parkplätze übergeben worden, in der Schillerstraße passiere das noch. Wenn Autofahrer nicht mal Wäscheplätze verschonen, wie von einer älteren Dame geschildert, könne die Stadt das leider kaum verhindern. Man könne nur an die Rücksicht der Autofahrer appellieren.

Karin Linke, Geschäftsführerin des Medizinischen Zentrums Lübbenau (MZL) und damit Gastgeberin, schätzte die medizinische Versorgung in Lübbenau als gut ein. Gerade im Vergleich mit anderen Regionen. Dass Lübbenau-Rückkehrer Probleme haben, ärztlich versorgt zu werden, wie angemerkt wurde, sei ihr „nicht bekannt“. Die Frage eines anwesenden Patienten nach dem Verbleib von Dr. Siegfried Stadelmayer, der offenbar nicht mehr im MZL praktiziere, beantwortete Bürgermeister Wenzel: Dies sei „eine unternehmerische Entscheidung“.

Alles in allem aber sind die Senioren voll des Lobes, was die Entwicklung der Stadt Lübbenau angeht. Das zeigt die Umfrage, das zeigten aber auch die Diskussionsbeiträge im MZL. „Aufgeblüht“ sei die Stadt, sagte eine Senioren, die seit 17 Jahren verwitwet ist, wie sie sagte, und sich trotzdem angesichts der vielen Mitmachangebote für Senioren nicht allein fühlt. 71 Prozent der weiblichen und 65 Prozent der männlichen Umfrageteilnehmer teilen diese Einschätzung. Gut die Hälfte der Befragten gab an, sich in Lübbenau wohl zu fühlen; nur drei Prozent verneinten das. Der Rest beantwortete die Frage gar nicht erst.

Roswitha Schier (Mitte) und Christina Balke (2.v.l.) präsentierten die Umfrageergebnisse. Karin Linke (r.), Helmut Wenzel (2.v.r.) und Michael Jakobs (l.) stellten sich den kritischen Nachfragen.
Roswitha Schier (Mitte) und Christina Balke (2.v.l.) präsentierten die Umfrageergebnisse. Karin Linke (r.), Helmut Wenzel (2.v.r.) und Michael Jakobs (l.) stellten sich den kritischen Nachfragen. FOTO: LR / Daniel Preikschat
Gesundheitsversorgung wie sie zum Beispiel im MZL in Lübbenau angeboten wird, ist für Senioren sehr wichtig.
Gesundheitsversorgung wie sie zum Beispiel im MZL in Lübbenau angeboten wird, ist für Senioren sehr wichtig. FOTO: Preikschat