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Senftenberger Radsport drückt aufs Tempo

Einige der hoffnungsvollen Senftenberger Radsporttalente mit ihrem Trainer Heinz Trasper (hinten rechts) beim Kilometermachen.
Einige der hoffnungsvollen Senftenberger Radsporttalente mit ihrem Trainer Heinz Trasper (hinten rechts) beim Kilometermachen. FOTO: Rasche
Senftenberg. Der Radsport in dem Gebiet zwischen Großräschen, Senftenberg, Lauchhammer und Ortrand hat schon bessere Zeiten erlebt. Schon lange ist kein Sportler den Spuren von Hartnick, Heßlich und Audehm zur Sportschule gefolgt. Das soll sich jetzt ändern. Manfred Feller

In dem wieder sanft aufkommenden Senftenberger Radrennsport treten einige hoffnungsvolle Talente in die Pedale. Zweitjüngster in der 28-köpfigen Sektion beim SV Senftenberg ist der erst fünfjährige Albert Kollatzsch. In Sachsen (Dresden), woher seine Eltern zurück nach Senftenberg gezogen sind, hat der Steppke schon mal ein Achtungszeichen gesetzt. Bei der Fahrradspartakiade Erzgebirge mit sechs Mountainbikerennen (MTB) belegte er unter 40, teilweise älteren Startern, den 3. Platz. Die Radsportbegeisterung teilt er mit seinem Vater.

Trainer Heinz Trasper jun. ist überzeugt, dass es Albert mindestens so weit bringen kann, wie die anderen Trainingskollegen. Paul Vietzke (10) aus Senftenberg ist seit vier Jahren dabei und in diesem Jahr Dritter bei den Landesmeisterschaften im Zeitfahren geworden. Die fünf Kilometer hat er in einem 32er-Schnitt zurückgelegt. Sein großes Vorbild ist wie bei vielen der heimischen Talente der dreifache britische Tour-de-France-Gewinner Christopher Froome. Aber auch von dem Zeitfahrspezialisten Tony Martin und dem Sprinter Marcel Kittel gucken sich die Jungs und die inzwischen drei SV-Mädels einiges ab.

"Mädchen ab sechs Jahre sind besonders willkommen", lädt Heinz Trasper Jung und Alt zum Mitfahren ein. Die zwölfjährige Jessica Robel aus Peickwitz macht es vor. Ihr Opa habe ihr vor Jahren den Tipp gegeben. "Ich bin die erste Rennfahrerin in der Familie. Und ich halte mit den Jungs mit", sagt die Siebtklässlerin stolz. Zur Sportschule möchte sie aber nicht. Das hieße: weg von zu Hause, der Familie und den Freunden. Obwohl ihre Erfolge dafür sprechen könnten: Platz 1 bei den Landesmeisterschaften 2014 im Mountainbikefahren und 2015 Platz 2. Sie hat schon einige Pokale und Medaillen gewonnen, sagt sie.

Wer von den derzeit sechs zehn- bis zwölfjährigen Leistungssportlern beim SV Senftenberg, darunter ein Mädchen, den selbst gehegten Wunsch nach einem Sprung auf die Sportschule schafft, vermag Trainer Heinz Trasper nicht zu sagen. Ihn würde es aber freuen, wenn es jemand aus dieser Gegend nach Jahrzehnten wieder packt. "Leistungsradsport wurde hier seit 1978 bei der BSG Aktivist Brieske/Senftenberg und später beim SV Senftenberg bis Mitte der 90er-Jahre betrieben", erinnert sich der 43-Jährige. "Im vorigen Jahr haben die Kinder und Jugendlichen, die die größte Gruppe in unserer Sektion stellen, selbst den Wunsch nach Leistungssport geäußert. Wir hatten in der Vergangenheit schon viele Talente für die Sportschule, aber die Eltern wollten nicht." Hauptgründe seien die Trennung von ihrem Kind und der nicht dopingfreie Radsport gewesen.

Vielleicht ist der elfjährige Jonas Reibsch aus Großkoschen ein Kandidat für mehr. Immerhin ist der Spanier Alberto Contador sein Vorbild. Und Landesmeister im Zeitfahren 2015 wird man schließlich auch nicht so nebenbei. Der Radsport sei schon das Richtige, meint er. "Fußball ist es nicht. Da bin ich völlig untalentiert", gibt Jonas zu. Sein Vater, selbst begeisterter Radler, habe ihm den Radsport empfohlen. Doch die sportlichen Leistungen allein reichen nicht aus, um an der Sportschule in Cottbus aufgenommen zu werden. Auch schulisch muss es stimmen. Darauf würden die Trainer achten, versichert Heinz Trasper.

Doch zunächst heißt es: Strecke machen! Die jungen Senftenberger Radsportler, die stets in Begleitung von Erwachsenen unterwegs sind, wählen für ihr Training die autofreien und damit idealen asphaltierten Wege um die Seen. Bei den jungen Leistungssportlern kommen je nach Trainingsplan schon mal bis zu 80 Kilometer am Stück zusammen. Die Anfänger bringen zunächst ihr Tourenrad mit. Rennräder stellt später bei Bedarf der Verein.

Ein besonderes Erlebnis hatte der Senftenberger Nachwuchs in diesem Jahr auf der Forster Radrennbahn. Einige sind mit 40 bis 50 km/h über die Piste gejagt. "Das hat den Kindern richtig Spaß gemacht", weiß Heinz Trasper.

Ernst machen möchte Fabian Voigt aus Senftenberg. Der Elfjährige träumt davon, einmal bei den großen Rennen der Profis mitfahren zu dürfen. Sein größter Erfolg: Platz 3 bei des MTB-Landesmeisterschaften 2015.

Zum Thema:
Im Sommerhalbjahr trainieren die Anfänger mittwochs und freitags. Nach den Oktoberferien geht es jeweils am Mittwoch auf die Mountainbikes. Am Freitag ab 16.30 Uhr werden Kraft und Ausdauer in der Senftenberger Turnhalle Reyersbachstraße trainiert.In dem Verein mitfahren können Radsportfreunde jeden Alters. Kontakt zu Heinz Trasper - Telefon: 0171 2652053, E-Mail: htrasper@t-online.de