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Seit 50 Jahren geht es im Park geordnet zu

Der im Altdöberner Landschaftspark eingebettete Salzteich bietet ein idyllisches Panorama. Weniger idyllisch muss es vor fast 50 Jahren zugegangen sein, als die staatliche Teichwirtschaft das Gewässer mit über 1400 Enten besetzte.
Der im Altdöberner Landschaftspark eingebettete Salzteich bietet ein idyllisches Panorama. Weniger idyllisch muss es vor fast 50 Jahren zugegangen sein, als die staatliche Teichwirtschaft das Gewässer mit über 1400 Enten besetzte. FOTO: Uwe Hegewald
Altdöbern.. Auch das kommende Jahr bietet in Altdöbern eine Reihe historischer Daten, die in Bezug auf die Gegenwart interessant sind. „Wer in der Zukunft lesen will, muss in der Vergangenheit blättern“, sagte der französische Schriftsteller André Malraux (1901-1976). Uwe Hegewald

Dass die Altdöberner und ihre Nachbarn in der Vergangenheit blättern können, ist in erster Linie dem Wirken von Chronisten und Historikern zu verdanken. Ortspfarrer Michael Textor zählte da zu den Pionieren der bewahrenden Zunft. Der Beginn seiner Führung eines Kirchenbuches jährt sich am kommenden Neujahrstag zum 400. Mal.
Wenn es um das Aufspüren und Protokollieren von Altdöberner Geschichte geht, muss auch der Name Kurt Natusch (1932-1996) genannt werden. In seinem 1994 erschienenen Buch "Altdöbern - eine Chronik in Daten" hat der anerkannte Ortschronist wichtige Begebenheiten notiert und mit präzisen Details vermerkt. So auch den Auftakt der Führung eines Kirchenbuches am Dienstag, 1. Januar 1608, und die Information, dass dieses Werk im Jahr 1753 ein Opfer der Flammen wurde. Dabei hält die Datensammlung von Kurt Natusch für das Jahr 2008 eine Reihe weiterer Jubiläen bereit.
Einige Einwohner werden sich noch erinnern, wie die Gemeinde am 1. Mai vor 50 Jahren die Parkordnung in Kraft setzte und wie am 28. und 29. Juni das erste Parkfest gefeiert wurde. Einen Monat später stand der historische Park abermals im Blickpunkt der Öffentlichkeit, als die staatliche Teichwirtschaft den Salzteich mit 1400 Enten besetzte. "Die einzig wirtschaftlich orientierte Maßnahme ist weder kulturgeschichtlich noch ökologisch vertretbar", kommentierte Kurt Natusch seinerzeit den Frevel im Landschafts park.
Die Einweihung des Wohnheimes am Institut für Lehrerbildung jährt sich 2008 ebenso zum 50. Mal wie die Wiedereröffnung einer Arztpraxis in der Geschwister-Scholl-Straße. Die Einweihung der einstigen Ofenfabrik von Eugen Frey auf der Gemarkung Neudöbern liegt doppelt so lang zurück, ferner die Gründung eines "Vereins für Geflügelzucht und Vogelschutz" - heute der Kleintierzuchtverein.
Beim akribischen Forschen nach lokalen Mitteilungen war Kurt Natusch im Senftenberger Anzeiger (13. Oktober 1908) auf eine interessante Nachricht aus Altdöbern gestoßen, die zweifellos auch aktuelle Ansätze in sich birgt. Zitat: "Das Interesse an den Sitzungen der Gemeindevertretung hat gänzlich nachgelassen. Liegt es etwa daran, dass so viel ,geheim' verhandelt wird?"
Wenn es den Ort Groß Jauer noch gäbe, hätte dort im kommenden Jahr eine große Geburtstagsfete steigen können. Der Mitte der 1980er Jahre vom Braunkohletagebau fast komplett verschlungene Ortsteil von Altdöbern hatte vor exakt 500 Jahren seine erste urkundliche Erwähnung. Heute leben die einstigen Einwohner und Nachkommen von Groß Jauer übers ganze Lausitzer Land verstreut. Ebenso die Bewohner des benachbarten und überbaggerten Klein-Jauer, das im ausklingenden Jahr 2007 auf ein rundes Jubiläum hätte zurückblicken können. Hätte, wie gemerkt, denn das "Atlantis der Lausitz" liegt heute versunken im Altdöberner/Greifenhainer See. Am Sankt Magdalenentag, dem 22. Juli 1377 (einem Mittwoch) ist dieses Dorf, wie auch Neudöbern (Gemeinde Luckaitztal) erstmals urkundlich erwähnt worden. Offiziell ist das 630-jährige Jubiläum im Sommer dieses Jahres von keinem der Bewohner in Klein Jauer und Neudöbern wahrgenommen worden. Dann schon eher in Altdöbern und bei den Familienangehörigen von Kurt Natusch - der Altdöberner Ortschronist wäre genau an diesem Kalendertag (22. Juli 2007) 75 Jahre alt geworden.
Das Buch "Altdöbern - eine Chronik in Daten" ist beim stellvertretenden Vorsitzenden des Heimatvereins Rolf Wünsche (035434/490) oder bei Inge Natusch (035434/267) erhältlich.