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Schwimmhalle mit Geschichte und Zukunft

Schwimmmeister der ersten Stunde im Volksschwimmbad – Peter Herbig.
Schwimmmeister der ersten Stunde im Volksschwimmbad – Peter Herbig. FOTO: Daniel Preikschat
Lübbenau. Ein klares Bekenntnis zum Delphinbad haben Betreiber und Bürgermeister bei der Feier zum 40-jährigen Bestehen der Einrichtung abgegeben. Die einstige Volksschwimmhalle ist in Lübbenau auch künftig nicht wegzudenken. Daniel Preikschat

1988 gab es so etwas noch. Einen Vorsitzenden des Bezirksausschusses für Schwimmmeisterfragen. Oder auch einen Rat für Jugendfragen, Körperkultur und Sport. In beiden Gremien war man damals der Meinung, Peter Herbig und seine Mitarbeiter in der Schwimmhalle Lübbenau haben eine Urkunde verdient. Nämlich für "gute Leistungen bei der Entwicklung und Förderung von Körperkultur und Sport". Sowie auch für die "Gewährung von Ordnung und Sicherheit in der Schwimm- und Badeanlage".

Noch einige andere Urkunden, aber vor allem auch historische Fotos mit vielen Besuchern der Schwimmhalle im jugendlichen Alter zeigt eine kleine Ausstellung, die seit Donnerstag zwischen Sport- und Kinderbecken aufgebaut steht. 40 Jahre Delphinbad und Volksschwimmhalle sind ein guter Grund für den Rückblick. Für jüngere Lübbenauer mag das Betrachten der historischen Zeugnisse eine Lehrstunde in Ortsgeschichte sein, bei der man auch etwas über die DDR erfährt. Dass einst Zerkwitzer Bauern mit ihren Rindern direkt neben der Halle noch ihre Furchen über den Acker gezogen haben, dürfte zum Beispiel Schüler heute überraschen.

Nächstes Sportbad weit weg

Die älteren Einwohner der Stadt hingegen wohl nicht. Für sie jedoch hat die Ausstellung dafür großen Wiedererkennungswert. So stand auch Peter Herbig, Schwimmmeister der ersten Stunde im Hallenbad, schmunzelnd vor den Gruppenfotos. Viele der Jungen und Mädchen in den altmodischen Badehosen und -anzügen kennt er noch mit Namen.

Einige von ihnen habe er sicher auch mal zurechtweisen müssen, so der 76-jährige 1,90 Metermann altersmilde. Steven Schwerdtner, heute Mitarbeiter der Spreewelten-Pressestelle, drückte es bei der Ausstellungseröffnung am Donnerstagabend drastischer aus: "Er hat mich richtig zusammengeschissen." Zu Recht, glaubte doch der junge Schwerdtner, einfach seitlich vom Beckenrand ins Wasser springen zu dürfen.

Immerhin blieb es für Steven Schwerdtner bei der lautstarken Ermahnung. Anderen Jungs habe er schon mal ein kurzzeitiges Besuchsverbot aussprechen müssen. Was seinerzeit sicher noch eher seine Wirkung zeigte als heute. Peter Herbig macht sich nichts vor: "Natürlich hatte die Schwimmhalle früher mehr Besucher. Heute gibt es doch für die Jugend viel mehr andere Angebote und Ablenkung."

Vielleicht ist gerade das mit ein Grund dafür, warum sich heute mindestens ein Drittel aller Kinder nicht mehr über Wasser halten können. Zumindest ist das die Beobachtung von Herbig-Nachfolger Frank Wolff beim Schwimmunterricht. Immerhin rund 20 Grundschulen entsenden ihre Zöglinge ins Delphinbad. Sie kommen unter anderem aus Lübben, Missen, Straupitz, Vetschau und Walddrehna. Im Umkreis von 50 Kilometern gebe es kein zweites Sportbad, betonte Bürgermeister Helmut Wenzel (parteilos) am Donnerstag bei der Jubiläumsfeier. Auch für Vereine, Krankenkassen oder auch die Behindertenwerkstatt ist das Bad nicht wegzudenken. Nur weil Lübbenau zu DDR-Zeiten als Wohnstadt für Kraftwerker und Tagebauer bedeutsam war, habe die Stadt die Schwimmhalle überhaupt bekommen können.

Wichtige soziale Aufgabe

50 000 Besucher hat das Delphinbad in den vergangenen Jahren gehabt, so Spreewelten-Geschäftsführer Michael Jakobs. Mehr als doppelt so viel waren es in den Jahren nach der Eröffnung 1976. Auch wenn diese Gästezahl wohl nie wieder erreicht werden kann, bleibe die Schwimmhalle für die soziale Infrastruktur der Stadt und als Standortfaktor enorm wichtig. Beispielsweise lerne nahezu jedes in Lübbenau geborene Kind im Delphinbad schwimmen. Aussiedler, Flüchtlinge oder auch Menschen mit Behinderungen könnten nicht zuletzt auch dank der Schwimmhalle integriert werden.

Jakobs wie auch Bürgermeister Wenzel bekennen sich ausdrücklich zu dem Sportbad. Auch wenn die Stadt Lübbenau jedes Jahr 150 000 Euro Zuschuss gewähren muss. Mitte der 90er Jahre schon einmal aufwendig saniert, müsse nun erneut in das Delphinbad investiert werden. Man rechne mit Kosten von 3,5 Millionen Euro für eine energetische Sanierung und suche noch nach einem Förderprogramm, so Helmut Wenzel. Danach freilich dürften die Betriebskosten beträchtlich sinken.

Hunderte Bäder geschlossen

Schon längst bezahlt mache es sich, so Michael Jakobs, in Lübbenau Spaßbad und Sportbad voneinander zu trennen. Viele der 371 in den vergangenen sieben Jahren deutschlandweit geschlossenen Bäder hatten beides sein wollen. Das jedoch gehe oftmals schief. 670 weitere Bäder sind laut dem DLRG-Jahresbericht 2015 von Schließung bedroht, so Jakobs weiter.

Das in Lübbenau gehöre nicht dazu.

Zum Thema:
Rund tausend Zuschauer, die alle delegiert wurden, kamen am 1. Oktober 1976 zur Eröffnung der ehemaligen Volksschwimmhalle Lübbenau. Spielmannszug und Pioniermädchen begrüßten die Politprominenz. Bürgermeister Paul Hentschker hielt die Ansprache. Baubeginn für die Halle war im November 1973 gewesen. Ein halbes Jahr später, im März 1974, konnte in der Werner-Seelenbinder-Straße bereits das Richtfest gefeiert werden. Zuvor gingen die Lübbenauer im Boblitzer Badesee zum Schwimmen. Auch dort schon war Peter Herbig der Schwimmmeister.