| 02:42 Uhr

Schwieriger Start in die Gurkensaison

Gurkenernte auf einem Feld nahe des Vetschauer Ortsteils Lobendorf.
Gurkenernte auf einem Feld nahe des Vetschauer Ortsteils Lobendorf. FOTO: Daniel Preikschat
Vetschau. Lange musste man in diesem Jahr in den hiesigen Agrar- und Gemüseanbaubetrieben auf diesen Anblick warten: Gurkenflieger, die sich langsam, aber stetig durch ein Blättermeer bewegen. 150 Tonnen Ertrag auf seinen Feldern gleich am ersten Erntetag konnte Spreewaldbauer Karl-Heinz Ricken aus Vetschau verbuchen. Daniel Preikschat

Das sei gut, kommt aber spät.

"Das ist der zweitspäteste Erntebeginn, den ich in den letzten zwanzig Jahren erlebt habe", sagte Ricken, der gestern in Lobendorf Gastgeber für die alljährliche Saisonstart-Proessekonferenz des Spreewaldvereins war. Werde sonst Ende Mai das erste Gemüse vom Feld geholt, war das dieses Jahr erst fast einen Monat später möglich. Schuld hat der Frost. Noch am 4. Mai, das hat sich Uwe Schieban von der Agrargenossenschaft Dürrenhofe gemerkt, zeigte das Thermometer nachts sechs Grad Minus. Da würden auch keine Schutzfolien mehr helfen. Die Pflanzen gehen ein und müssen nachgepflanzt werden. Was nicht so einfach ist, wenn das gleichzeitig ganz viele Gurkenanbauern tun müssen, ergänzte Christoph Knösels aus Casel-Kolzig: "Natürlich wird dann das Saatgut knapp." Weiteres Problem: 3000 Saisonkräfte vornehmlich aus Rumänien, Polen und der Ukraine haben sich auf einen Erntestart Ende Mai eingestellt. Nicht alle von ihnen konnten die Anreise verschieben und saßen tagelang tatenlos in den Unterkünften.

All das sei richtig teuer, sagten bei der Pressekonferenz unisono alle Gurkenanbauer und -verarbeiter. Dennoch zeigte man sich zuversichtlich, dass im Spreewald, notfalls eben bis in den Oktober hinein, wieder 34 000 Tonnen Gurken geerntet werden können.

Ob Ernte und Verarbeitung auch wirtschaftlich sein werden, sei allerdings noch eine ganz andere Frage. Zunehmend, so Karl-Heinz Ricken, machten den Spreewäldern Billigproduzenten in Bosnien, Serbien, Indien und der Türkei zu schaffen. Dort bekomme ein Erntehelfer am Tag so viel wie ein Erntehelfer im Spreewald in einer Stunde. Leider würden die beiden größten Gewürzgurkenanbieter Kühne und Hengstenberg die Billiggurken auch abnehmen - meist, ohne auf den Etiketten den Herkunftsnachweis zu führen.

Auch der Handel setze der Spreewälder Gurkenschutzgemeinschaft zu, die zu hundert Prozent nur Gurken aus der Region anbietet. Der Trend gehe klar dahin, nur noch kleine Gurken haben zu wollen, so Markus Thöne, Geschäftsführer bei der Spreewaldkonserve Golßen GmbH. Cornichons aber verursachten im Vergleich zu größeren Gurken ungleich höhere Kosten. All diese Probleme haben bereits dazu geführt, dass im Spreewald Gurkenanbauflächen um 20 bis 30 Prozent reduziert worden sind, so Ricken. Im Lübbenauer Ortsteil Klein Radden etwa wachsen beim Gemüseanbaubetrieb Mich Gurken nur noch auf zehn Hektar, berichtete Reinhard Mich. Früher seien es 60 Hektar gewesen.

Markus Thöne indes setzt unverdrossen weiter auf die hohe Qualität der Spreewälder Gewürzgurken, die sich beim Kunden durchsetzen werde. Geschmacklich ließen sie die Konkurrenzgurken dank der geschützten Rezeptur deutlich hinter sich. Für Thomas Goebel von der Göritzer Agrar GmbH ist klar: Die Spreewaldgurken müssen als ein "Premiumprodukt" gehandelt werden, das es künftig nur noch in begrenzten Mengen geben sollte.

Zum Thema:
Die Gurke ist neben dem Spreewälder Meerrettich eine von nur zwei geschützten geografischen Angaben im Land Brandenburg. Anbauer und Verarbeiter der Schutzgemeinschaft "Spreewälder Gurken" mit dem Spreewaldverein als Träger stellen sich jedes Jahr aufs Neue dem Anspruch: Wo Spreewälder Gurken draufsteht, sind auch zu hundert Prozent Gurken aus der Spreewaldregion drin. Aktuell werden im Spreewald auf 490 Hektar Gurken angebaut. Zehn Betriebe im Spreewald bauen an, neun Betriebe verarbeiten. Der Ertrag lag zuletzt bei 34 000 Tonnen.