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| 16:59 Uhr

Schwerer Schlag für Agrarbetrieb

Rainer Wendland (Mitte) zeigt Bauernverband-Mitgliedern den Hofladen in Bronkow. Die Ware wird derzeit aus zugekauftem Fleisch produziert.
Rainer Wendland (Mitte) zeigt Bauernverband-Mitgliedern den Hofladen in Bronkow. Die Ware wird derzeit aus zugekauftem Fleisch produziert. FOTO: dpr
Bronkow. Um eine mögliche Ausbreitung der Schweineseuche auszuschließen, musste der Betrieb, in enger Abstimmung mit dem Veterinäramt, 1100 Schweine keulen lassen. Aber es gibt Grund zur Zuversicht. Daniel Preikschat

Die Landboden Bronkow Agrar GmbH betreibt lokale Kreislaufwirtschaft wie aus dem Bilderbuch. Bei jeder Keule beispielsweise der 2500 Schweine und 180 Rinder, die dort jedes Jahr selbst geschlachtet werden, ist nachvollziehbar, von welchem Tier sie stammt.

Die Ware wird in der näheren Umgebung in fünf eigenen Verkaufsstellen angeboten. Eine eigene Gaststätte mit Küche unterhält der Betrieb, die rund 80 Mitarbeiter kommen aus der Region.

Dieses Loblied auf die landwirtschaftliche Vor-Ort-Verwertungskette sang kürzlich der Vorsitzende des Bauernverbandes Brandenburg Süd bei einer Vorstandssitzung in dem Bronkower Agrarbetrieb. Etwa 30 Landwirte hörten Thomas Goebel zu und nickten zustimmend. Ein Zeichen höchster Wertschätzung, das Unternehmenschef Rainer Wendland und seinen Kollegen Mut machen sollte.

Denn der große Bronkower Bauernhof, in dem auf über 2800 Hektar auch 13 verschiedene Getreidekulturen angebaut werden, hat einen schweren Nackenschlag abbekommen. In einer der Sauengruppen hatte es im Juni eine Totgeburt gegeben. Bei der Untersuchung des Ferkels im Labor ergab sich dann der fatale Befund: Brucellose.

Um eine mögliche Ausbreitung der Schweineseuche auszuschließen, musste der Betrieb, in enger Abstimmung mit dem Veterinäramt, 1100 Schweine keulen lassen. "Unsere eigenen Leute wurden dafür mit eingesetzt. Das geht einem schwer an die Nieren", sagte Wendland. Der halbe Viehbestand war binnen kurzer Frist zu entsorgen. Auch alle hergestellten Waren wurden sofort aus dem Angebot genommen und entfernt. Die andere Hälfte des Bestands jedoch, inklusive der Rinder, hofft Wendland behalten zu dürfen. Die erste Blutuntersuchung für jedes der Tiere verlief erfreulich. Auf den Befund "negativ" hoffen Wendland und seine Mitarbeiter nun auch bei der zweiten Untersuchung. In zehn Tagen etwa rechnet der Landwirt mit dem Ergebnis aus dem Labor. Wann danach damit begonnen werden kann, Tiere wieder nachzuzüchten und zur Schlachtreife zu bringen - das kann Wendland nicht sagen. Er will die Veterinäre nicht unter Zeitdruck setzen. "Sie sollen gewissenhaft ihre Arbeit machen können."

Derweil muss die Landboden Bronkow Agrar GmbH Fleisch für die Produktion einkaufen und kann ihre Kreislaufwirtschaft-Philosophie nicht umsetzen. Aber nur vorübergehend, so Wendland. Dank Tierseuchenkasse, einer Versicherung gegen Produktionsausfall sowie auch dank tüchtiger treuer Mitarbeiter sollte der Bauernhof die Krise überstehen, so Wendland.

Ein absolutes Rätsel indes bleibt, wie die Tierseuche in Bronkow Fuß fassen konnte. "Das weiß derzeit noch niemand", sagt Wendland.

Zum Thema:
Brucellose ist eine Infektionskrankheit, die bei Tieren, theoretisch auch bei Menschen auftreten kann. Bei Schweinen und Rindern ist sie anzeige- und bekämpfungspflichtig. Die Tiere sind laut EU-Recht zu töten. 30 Schweine wurden 2009 in Kemlitz (Teltow-Fläming) wegen Brucellose gekeult. Infektionsquellen für Menschen sind kontaminierte Milch oder Milchprodukte und intensiver Kontakt mit kranken Tieren.