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Nabu trifft sich zur Jahreshauptversammlung
Schwere Zeiten für die „Schmuckbienen des Nordens“

20 Jahre Wassermessung in der Calauer Schweiz war Thema der Jahreshauptversammlung des Nabu-Regionalverbandes Calau. Hans-Joachim Emmrich (blaue Mütze) erinnerte an Exkursionen ins Heidemoor (Luckaitztal).
20 Jahre Wassermessung in der Calauer Schweiz war Thema der Jahreshauptversammlung des Nabu-Regionalverbandes Calau. Hans-Joachim Emmrich (blaue Mütze) erinnerte an Exkursionen ins Heidemoor (Luckaitztal). FOTO: Uwe Hegewald
Koßwig. Nabu trifft sich zur Jahreshauptversammlung. Vortrag über Bestandsrückgang der heimischen Hummel zeichnet düsteres Bild für Zukunft des Insekts.

Weltweit schlagen Naturschützer, Biologen und Insektenkenner Alarm: Neben der Honigbiene ist es auch um die bekannteste Wildbiene, die Hummel, nicht besonders gut bestellt. Nahezu rund um den Globus gingen Bestände und Artenvielfalt zurück. Diese traurige Botschaft mussten die Teilnehmer der Jahreshauptversammlung des Nabu-Regionalverbandes Calau am vergangenen Samstag zur Kenntnis nehmen. Beim mehrstündigen Treffen im Gasthaus „Zur Linde“ in Koßwig referierte Helmut Donath, ehemaliger Leiter des Naturparks Niederlausitzer Landrücken über die „Zeppeline der Bienen“.

„Von 68 Arten sind in Europa 24 Prozent vom Aussterben bedroht“, so der Insektenkenner. Dass Hummeln unverzichtbar für das Sichern der ökologischen und ökonomischen Balance in der Natur sind, sagt Helmut Donath. Die fleißigen Hauptbestäuber fliegen bereits bei Temperaturen kurz über dem Gefrierpunkt, Honigbienen erst ab rund 15 Grad Celsius. „Über 100 Obst- und Gemüsesorten sind unmittelbar von der Bestäubungsleistung dieser kleinen körperfülligen Hautflügler abhängig. Zum Beispiel Auberginen, Gurken, Kiwi, Mandeln, Melonen, Paprika, Pfirsiche und Tomaten“. Doch wo liegen die Gründe des Rückgangs der Hummeln, die aufgrund ihrer Vorkommen in der Tundra und in Hochgebirgen auch „Schmuckbienen des Nordens“ genannt werden?

Wieder einmal ist es der Mensch, der mit seiner Gedankenlosigkeit, Unwissenheit und Skrupellosigkeit Lebensräume zerstört oder dazu beiträgt. „Klimawandel, intensive Landwirtschaft mit Agrarwüsten oder veränderte Landnutzungen“, zählte Donath auf und befeuerte die aufgeheizte Stimmung im Koßwiger Gasthaussaal. Bereits im vorangegangenen Meinungsaustausch beklagten Nabu-Mitglieder den Frevel an Flora und Fauna. So kann sich Manfred Lehmann nicht erklären, wie kürzlich „entlang hiesiger Straßen in einer Nacht- und Nebelaktion Robinien in Größenordnungen gefällt wurden.“ Immerhin zählt der üppig blühende Baum zu den Bienenweiden und sprichwörtlich zu den „Honigmachern“. Dass zudem die Glyphosat-Spritze wieder täglich unterwegs sei und Felder über mehrere Hektar in Folie gepackt würden, will der Koßwiger nicht hinnehmen. „Wir müssen unsere Standpunkte stärker in die Öffentlichkeit tragen, als still in unserem Kämmerlein zu schimpfen.“ Wie dick die zu bohrenden Bohlen mitunter sind, machten die Vetschauer Winfried Böhmer und Stefan Schön am Beispiel der Vorgänge in der Schweinemastanlage Tornitz deutlich. Die Entscheidung zur geplanten Erweiterung der Anlage haben die Vetschauer Stadtverordneten vorerst vertagt. Manfred Hnida appellierte: „Bei allem Druck, der ausgeübt werden muss, sollten wir die Arbeit im Kleinen nicht vergessen.“

Mit dem Dulden oder Ausbringen von mehr Blühpflanzen in Gärten und auf Wiesen, dem Errichten von Nisthilfen, Tränken oder Insektenhotels aber auch dem besonnenen Mähen des Rasens (ein- bis zweimal jährlich) würde schon viel erreicht. Vögel und Insekten würden es dem Menschen danken – allen voran die Honigbienen und Hummeln.