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Anlage in Tornitz
Schweinemast-Entscheidung vertagt

Eingangsbereich zur Schweinmastanlage der Bolart GmbH Tornitz. Die Erweiterungspläne des Betreibers bleiben heiß diskutiert.
Eingangsbereich zur Schweinmastanlage der Bolart GmbH Tornitz. Die Erweiterungspläne des Betreibers bleiben heiß diskutiert. FOTO: Daniel Preikschat / LR
Vetschau/Tornitz. Stadtverordnete verweisen Aufstellungsbeschluss zur Tornitz-Anlage in Extra-Versammlung. Von Rüdiger Hofmann

Die Vetschauer Stadtverordneten haben in ihrer Sitzung am Donnerstagabend vereinbart, den Aufstellungsbeschluss und Änderungsantrag zur geplanten Erweiterung der Schweinemastanlage in Tornitz in einer gesonderten Versammlung zu behandeln. Der Antrag ging von der CDU-Fraktion aus und wurde schließlich von den anderen Fraktionen gebilligt. „Wir sollten eine Extra-Sitzung mit fachkompetenten Leuten einberufen“, sagt Uwe Jeschke (SPD). Jeder müsse bei solch wichtiger Entscheidungsfindung wissen, welche genauen Absichten der Investor verfolge. Apropos Investor: Eric Arts, Geschäftsführer der Bolart GmbH, war am Donnerstagabend nicht anwesend. Nach der Abstimmung der Fraktionen war klar: Aktuell gibt es noch keine Entscheidung für oder gegen den Ausbau der Anlage.

Rund 30 Einwohner nutzten die Chance, um sich in der Einwohnerfragestunde Luft über den Ärger zu den Plänen der Bolart GmbH zu verschaffen. Die Entrüstungen der Anwohner vor allem aus Vetschau, Tornitz und Lobendorf waren in der Summe so zahlreich, dass die ursprünglich vorgesehenen 30 Minuten Redezeit nahezu verdoppelt wurden. Der Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung, Gunther Schmidt (CDU), musste die Anwesenden mehrfach zur Räson bringen.

Ute Arend aus Vetschau bewertete die Pläne des Investors aus medizinischer Sicht. „Die industrielle Massentierhaltung ist verantwortlich für den Anstieg multiresistenter Keime“, so die Ärztin. Durch hohen Antibiotikaeinsatz würden sich die Keime ausbreiten. „Können Sie das mit ihrem Gewissen vereinbaren?“, fragte Arend die Stadtverordneten.

Auch müsse man sich die Frage stellen, ob man Vetschau touristisch weiter entwickeln oder eine Anlage dieser Größenordnung wolle. „Dann müssen Sie aber auch die bunten Spreewald-Bilder von der Wand nehmen“, sagt ein Tornitzer. Andere Anwesende aus Lobendorf sehen den zunehmenden Verkehr als Problem. „Ein Viertel mehr Transporte gibt die Kreisstraße nicht her“, so ein Lobendorfer.

Winfried Böhmer (Bündnis 90/Die Grünen) verwies auf den mit der Fraktion Die Linke eingereichten Änderungsantrag und ebenfalls auf die bei Erweiterung der Anlage steigende Zahl der Transporte für Futter, Schweine und Gülle. „Damit würde die Geruchsbelästigung für Vetschau zunehmen“, so Böhmer. „Nachgewiesen ist auch, dass durch die hohe Ammoniakbelastung Bäume abgestorben und bestehende beschädigt sind.“ Die Funktion als Schutzwald könne dieser nicht mehr erfüllen.

Wann genau die gesonderte Versammlung zu den Ausbauplänen stattfindet und mit welchen Teilnehmern, ist noch unklar.