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| 17:34 Uhr

Bienenzucht
Imker-Schulbank unterm Apfelbaum

Auf der Streuobstwiese im Freilandmuseum Lehde haben am Samstag neun Bienenliebhaber die Schulbank gedrückt. Unterrichtet wurde im Fach Imkerei, wobei sich Andreas Petschick (weiße Latzhose) als beschlagener Bienen-Experte erwies. Seit zwei Jahren betreibt der Luckauer, der auch schon als Schlosser gearbeitet und Theologie studiert hat, Bienenhaltung mit 120 Völkern berufsmäßig.
Auf der Streuobstwiese im Freilandmuseum Lehde haben am Samstag neun Bienenliebhaber die Schulbank gedrückt. Unterrichtet wurde im Fach Imkerei, wobei sich Andreas Petschick (weiße Latzhose) als beschlagener Bienen-Experte erwies. Seit zwei Jahren betreibt der Luckauer, der auch schon als Schlosser gearbeitet und Theologie studiert hat, Bienenhaltung mit 120 Völkern berufsmäßig. FOTO: Uwe Hegewald
Lehde/Schollen. Erstmaliger Bienen-Workshop mit Andreas Petschick räumte im Freilandmuseum Lehde unter anderem mit Vorurteilen auf. Von Uwe Hegewald

„Bienen sind intelligente und robuste Tiere. Sie haben die Dinosaurier überlebt und sollten auch die Menschheit überleben“, sagt Andreas Petschick.

2007 ist er nach eigenen Angaben „über Bienen gestolpert“, und bei den „effektiv arbeitenden Insekten“ hängen geblieben. Da der 47-Jährige keine klassische, dreijährige Ausbildung zum Imker absolviert hat, bezeichnet er sich selbst „nur“ als Bienenhalter. „Seit zwei Jahren betreibe ich die Haltung mit 120 Völkern berufsmäßig“, so Petschick, der seine Bienen im Umkreis von 20 Kilometern um Luckau stationiert hat. Neun Kursteilnehmer folgten am Samstag im Freilandmuseum Lehde seinen Ausführungen, die sich vom selbst angeeigneten Wissen ihres „Lehrmeisters“ beeindruckt zeigten.

Andreas Petschick räumte auf mit Vorurteilen um das nützliche Insekt, das derzeit schwere Zeiten durchlebt. „Momentan sitzen die Bienen vor ihrem Flugloch und wissen nichts mit sich anzufangen“, beschreibt er die Situation – hervorgerufen durch die anhaltende Trockenheit. Zwar mögen die Hautflügler Wärme, aber ebenso eine blühende Flora. „Der Spreewald ist ein Paradies für Bienen. Hier finden sie noch Blüten, schattige Flure und ausreichend Wasser“, führt der Lehrmeister an.

Das habe auch mit dem Tourismus-Status zu tun. Im Gegensatz zur Berste bei Luckau sei man in Lübbenau oder Lübben um ein entsprechendes Wasserniveau bemüht. Wie sich die Gegebenheiten positiv auf die Aktivitäten der Insekten auswirken, hat Andreas Petschick an einem Bienenvolk beobachtet, das er tags zuvor inmitten der Lehder Streuobstwiese platzierte. Der in Schollen (Stadt Luckau) beheimatete Bienen-Experte schwörte seine neun Zuhörer auf nicht ausbleibende Rückschläge ein, sollten sich diese intensiver mit der Bienenzucht auseinandersetzen.

„Klimawandel, Agrochemie, Varroamilben oder die amerikanische Faulbrut setzen den Tieren zu. Und dazu kommen noch die typischen Anfängerfehler“, mahnte er. Sein Appell: „Stellen Sie sich auf den Rhythmus der Tiere ein, vermeiden Sie Parfüme oder Alkohol und schauen Sie nicht ohne zwingenden Grund in die Brutkästen.“

Darüber hinaus empfahl er einen frühzeitigen Eintritt in einen lokalen oder regionalen Imkerverein. „Sie werden dort nützliche Ratschläge bekommen.“ Seine Zusatzempfehlung: „Wenn Sie in die Imkerei einsteigen möchten, dann beginnen Sie bestenfalls mit drei Bienenvölkern.“ 

In seinem dreistündigen Bienen-Workshop könne er nur Anregungen geben, in der Hoffnung, dass sich Kursteilnehmer irgendwann für das nützliche Hobby entscheiden. „Im kommenden Jahr möchte ich damit beginnen, Workshops über einen längeren Zeitraum anzubieten. Interessierte sollen ein Jahr mitlaufen, um ein Gefühl für den Arbeitsumfang zu bekommen“, begründete er. Die bis aus Berlin angereisten Teilnehmer des auf neun Personen beschränkten Workshops waren sich noch nicht schlüssig, ob oder wann sie in die Imkerei einsteigen.

„Interesse ist schon vorhanden, wie auch Zugeständnisse meiner Frau, die mir nahegelegt hat, ein neues Hobby zu suchen“, teilt Christian Hennesthal mit einem Augenzwinkern mit. Sollte das Vorhaben „Kulturbienen“ zeitnah nicht in Angriff genommen werden, dann wolle der Bienenfreund aus einem Dorf bei Meißen auf seinem Grundstück zumindest Nistkästen für Wildbienen anbringen.

Andreas Petschick hörte dies gern und bestärkte seine „Schülerinnen und Schüler“, das Interesse an Bienen nicht zu verlieren. Der Appell war auch diesem Plädoyer von ihm zu entnehmen: „Mit drei Bienenvölkern werden wir nicht die Welt retten, aber es ist ein Anfang.“