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Buchveröffentlichung
Schule stellt sich auf den Prüfstand

Timo Jacobs unterrichtet seit August diesen Jahres in der Jenplanschule in Lübbenau. Das druckfrische Werkbuch hat er mit Susanne Herker, Professorin für Erziehungswissenschaft, herausgegeben.
Timo Jacobs unterrichtet seit August diesen Jahres in der Jenplanschule in Lübbenau. Das druckfrische Werkbuch hat er mit Susanne Herker, Professorin für Erziehungswissenschaft, herausgegeben. FOTO: Daniel Preikschat / LR
Lübbenau. Der Lübbenauer Lehrer Timo Jacobs gibt ein Werkbuch heraus zur Jenaplan-Pädagogik.

Bisher hat Lehrer Timo Jacobs, der im August diesen Jahres zum Team der Jenaplanschule in Lübbenau stieß, vor allem mit seinem Hund Quinto Aufsehen erregt. Der zutrauliche Rauhaardackel begleitet Herrchen jeden Tag in die Schule und kommt dort bei den Kindern gut an. Es geht dabei jedoch nicht um Bespaßung, sagt Jacobs. Der Vierbeiner erfüllt einen pädagogischen Zweck. Mehr darüber sagen will der 40-jährige Süddeutsche jedoch erst, nachdem er die Reaktionen auf Quinto noch länger beobachtet hat und seine Schlüsse daraus ziehen kann.

Worüber Timo Jacobs derzeit lieber spricht, ist das von ihm mit herausgegebene Buch zur Jenaplan-Pädagogik. Ein knapp 560 Seiten dicker Wälzer, in dem viel pädagogisches Wissen versammelt ist und das den vielversprechenden Untertitel „Perspektiven für eine moderne Schule“ trägt. Fast 60 Autoren befassen sich mit dem Jenaplan-Schulkonzept, beleuchten es aus den verschiedensten Blickwinkeln und zumeist aus der praktischen Erfahrung heraus. In den Beiträgen geht es zum Beispiel um Elternarbeit an der Jenaplanschule, um Spiele zur Wertschätzung der Vielfalt oder um Wiki-Einsatz in Lern-Zeit-Räumen. Feiern, Gruppendynamik, Weltorientierung und jahrgangsübergreifender Unterricht sind ebenfalls unter anderem Themen. Selbst der Laie erkennt beim Blättern und Schmökern, wie viel vorbereitende Arbeit in diesem Buch steckt, das in dieser Form neu ist, wie Timo Jacobs betont. Drei Jahre haben er und Mitherausgeberin Susanne Herker gebraucht, um ihre Idee zu realisieren.

Idee war, so Jacobs, den Jenaplan einer kritischen Außenbetrachtung durch Experten zu unterziehen. Neue Impulse sollen so gegeben werden, die Schulentwicklung voranzubringen. Verändert sich die Welt, müssen sich auch Schulkonzepte verändern. Dafür offen zu sein, charakterisiere den Jenaplan. „Schule muss auf gesellschaftliche Veränderungen und wirtschaftliche Herausforderungen reagieren“, sagt Jacobs, der auch Präsident der Gesellschaft für Jenaplan-Pädagogik in Deutschland ist. Dabei ist er sich im Klaren darüber, dass gerade seine eigene Schule erneut Veränderungen bewältigen muss. Haben doch die Stadtverordneten kürzlich den Umzug der Jenaplanschule in das leer stehende Oberstufenzentrum in der Neustadt beschlossen.

Aber beileibe nicht nur für Lehrer an Jenaplanschulen oder für Eltern von Kindern an Jenaplanschulen sei das Werkbuch interessant, sagt der Wahl-Lübbenauer aus Süddeutschland. Auch Pädagogen an anderen Schultypen würden hier eine Fülle von Reflexionsangeboten und Praxisbeispielen finden. Darüber hinaus werden natürlich auch Studierende und Forschende angesprochen. Jacobs sieht das Buch darüber hinaus als Beitrag, auf die pädagogische Kompetenz an der Lübbenauer Jenaplanschule hinzuweisen sowie auch auf die Vielfalt des Bildungsangebots in der Spreewaldstadt. Dabei haben Timo Jacobs und Susanne Herker bei der Suche nach Autoren zweifellos von ihren guten Kontakten in die Hochschulwelt profitiert. Jacobs war von 2013 bis 2017 wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fach Erziehungswissenschaft an der Pädagogischen Hochschule Weingarten im oberschwäbischen Landkreis Ravensburg. Susanne Herker, die Jacobs als Mitherausgeberin gewinnen konnte, leitet das Institut für innovative Pädagogik an der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule in Graz.