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Schützengilde diskutiert über neues Denkmal

Das Kriegerdenkmal im Jahr 1961.
Das Kriegerdenkmal im Jahr 1961. FOTO: AG Stadtgeschichte
Lübbenau. Die Schützengilde zu Lübbenau überlegt, ein Denkmal für die Gefallenen aller Kriege zu errichten. Im nächsten Jahr jährt sich das Kriegsende zum 100. Mal. Peter Becker

Ein Blick zurück: In Stottoff, Stennewitz, Lehde und Zerkwitz wurden Anfang der 1920er Jahre Denkmäler für die gefallenen Soldaten des Ersten Weltkrieges errichtet. Die Stadt Lübbenau, unter brauner Herrschaft, zog erst am 25. November 1934 nach und weihte das Denkmal aus westfälischem Dolomit, gestaltet nach einem Entwurf des Berliner Professors Hosaeus, ein. Es war fünf Meter hoch und zeigte einen lebensgroßen verwundeten Krieger.

Bereits 1920 gab es auch in Lübbenau erste Bestrebungen, ein Denkmal für die Weltkriegstoten zu errichten. Die gesammelten 27 000 Reichsmark verfielen aber durch die Inflation. Ein ins Leben gerufener Denkmalsausschuss sammelte 1924 insgesamt 14 700 Reichsmark ein, darunter eine Spende des Kriegervereins in Höhe von 2000 Reichsmark. Mit diesem Geld sollte den 159 Gefallenen der Stadt nun endlich ein Denkmal gesetzt werden. Ihre Namen wurden auf Ehrentafeln in der nahen Nikolaikirche angebracht, auf dem Denkmal wäre für diese große Anzahl der Gefallenen kein Platz gewesen.

Das Lübbenauer Denkmal war etwas anders, als die meist einfach gehaltenen Denkmäler in den kleineren Orten. Es verkörperte in seiner Bauweise den inzwischen herrschenden nazistischen Zeitgeist. Die Inschrift lautete "Unseren Gefallenen 1914 - 1918 Wer auf die preußische Fahne schwört, hat nichts mehr, was ihm selbst gehört".

Den Krieg überstand das Denkmal unbeschadet. Im Oktober 1946 entfernte der Steinmetzlehrling Gerhard Wahn dem Denkmalsoldaten das Gewehr und die Patronentaschen und brachte an der Fahne den Schriftzug "Nie wieder Krieg" auf - ein Gedanke, der wohl allen Bewohnern der Stadt aus dem Herzen sprach und allen künftigen Generationen als ewige Mahnung dienen sollte.

1962 wurde die den Marktplatz eingrenzende Häuserzeile zu Gunsten einer Neugestaltung von Markt und Straße abgetragen. Dieser Aktion fiel auch das Kriegerdenkmal zum Opfer. Einst von einem Stadtparlament initiiert, wurde aus auf Weisung einer einzelnen Person geschliffen. Zeitzeugen wollen wissen, dass die Reste zusammen mit dem Schutt der Abrisshäuser auf verschiedene Plätze, so auch auf den heutigen Busparkplatz, verkippt wurde. Inzwischen sind Teile des Denkmals wieder geborgen worden.

Für Jahre blieb der Sockel des Denkmals verwaist, bis im Mai 1978 die Postdistanzsäule von der Karl-Marx-Straße auf den Marktplatz umzog und darauf Platz nahm. Mit der Zeit taten sich aber Zweifel an der Richtigkeit des neuen Standortes der Postsäule auf. Mit 52,6 Prozent sprach sich 2002 eine knappe Mehrheit der Lübbenauer für die Rückführung in die Karl-Marx-Straße aus. Dort steht die sanierte Postsäule seit ihrer Einweihung im Mai 2003 auf dem neuen, alten Standplatz, etwas verloren und weniger beachtet.

Mit Blick auf 100 Jahre Ende des ersten Weltkrieges im nächsten Jahr gibt es Bestrebungen von Lübbenauer Bürgern, hier besonders der Schützengilde, ein Denkmal für die Gefallenen aller Kriege zu errichten. "Es soll anders aussehen und gegen Krieg mahnen, damit nie wieder Menschen aus einer Familie, aus einer Stadt, gerissen werden. Keinesfalls ein Kriegerdenkmal, eher ein Krieg-Mahnmal", sagt Siegfried Stadelmayer, Mitglied der Schützengilde. Die früher viel gepriesenen Helden, waren zumeist keine, so Stadelmayer weiter. "Ohne ihr Opfertum schmälern zu wollen. Sie hatten oft Angst und wollten leben, bei ihren Frauen und Kindern sein und ein glückliches Leben führen. Sie mussten jung sterben, ihr Leben für wahnwitzige Ideen hergeben. Den später Geborenen und heute Lebenden war dieses Schicksal glücklicherweise erspart geblieben, Es sollte sie aber dazu anhalten, Kriege wo immer auf der Welt zu ächten und sich für den Frieden einzusetzen", sagt Siegfried Stadelmayer.