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| 18:57 Uhr

Politiker diskutieren im Gymnasium
Schüler fordern Abgeordnete

Sollen alle Bundesbürger zur Organspende verpflichtet werden? Darüber diskutierte die SPD-Landtagsabgeordnete Kerstin Kircheis mit Schülern der Jahrgangsstufen zehn und elf unter anderem. Fünf Runde-Tisch-Gespräche hatten die Politiker insgesamt zu absolvieren.
Sollen alle Bundesbürger zur Organspende verpflichtet werden? Darüber diskutierte die SPD-Landtagsabgeordnete Kerstin Kircheis mit Schülern der Jahrgangsstufen zehn und elf unter anderem. Fünf Runde-Tisch-Gespräche hatten die Politiker insgesamt zu absolvieren. FOTO: Daniel Preikschat / LR
Lübbenau. Amoklauf, Organspende und Aufnahmestopp Diskussionsthemen im Fahlisch-Gymnasium. Von Daniel Preikschat

Die Aula des Lübbenauer Paul-Fahlisch-Gymnasiums wirkte am Montag wie ein Debattierklub. Fünf runde Tische im Raum, an jedem stecken acht Schüler und ein Landtagsabgeordneter die Köpfe zusammen, um über ein brisantes Themen zu diskutieren. Nach acht Minuten Gesprächszeit läutet ein Glöckchen. Die Politiker stehen auf und gehen zum nächsten Tisch. Nächste Frage, nächste Diskussion. Zum Beispiel darüber: Sollen in den Schulen im Land Brandenburg verpflichtend Amoklauf-Abwehrübungen eingeführt werden? Sollen alle Bundesbürger zur Organspende verpflichtet werden? Soll der Stopp für die Aufnahme von Flüchtlingen in Cottbus beibehalten werden?

„Sehr gute Fragen“, lobte Benjamin Raschke (Grüne) die Schüler in der Vorstellungsrunde zu Beginn der Veranstaltung. „Beeindruckend“, fand die Fragen Roswitha Schier (CDU), Andreas Kalbitz (AfD) sogar „toll“. Vielmehr als diese kurzen Statements in der Vorstellungsrunde durften die Besucher aus Potsdam jedoch nicht zum Besten geben. Der enge Zeitplan, über dessen Einhaltung zwei Schüler mit Glockengeläut und deutlichen Ansagen wachten, sah das nicht vor. Schließlich sollte nach den Kurzdiskussionen kompakt über die ausgetauschten Pro- und Kontra-Argumente informiert und abschließend noch abgestimmt werden.

Deutliche Stimmenmehrheiten gab es für eine künftig vom Land finanzierte Verbesserung der Infrastruktur in Brandenburg, für einen landesweit kostenfreien öffentlichen Nahverkehr und für verpflichtende Amoklauf-Abwehrübungen in den Schulen.

Enger wurde es in den Abstimmungen bei den verbleibenden zwei Fragen: Nur zehn Schüler stimmten gegen einen weiter aufrechterhaltenen Aufnahmestopp von Flüchtlingen in Cottbus, 24 waren dafür. Dieser Ausgang verwunderte nicht nach dem Vortrag der Pro- und Kontra-Argumente, wie sie sich in der Diskussion ergaben und vom „Tischsprecher“ zusammengefasst wurden. Zwar könnte der Aufnahmestopp den Status „weltoffene Uni-Stadt“ beschädigen, hieß es. Andererseits müsse Cottbus sozusagen rückwirkend die Voraussetzungen schaffen, so viele Neuankömmlinge integriert zu bekommen. Der verschuldeten Stadt fehle es an Kita-Plätzen und Sozialarbeiter-Stellen.

Ebenfalls für Nein stimmte eine Mehrheit bei der Frage nach einer verpflichtenden Organspende für alle Bundesbürger. Sicher: Der Bedarf nach Spenderorgangen sei enorm groß, trug eine Schülerin vor, betroffene Familien würden entlastet werden und es könnte auch kein Organhandel mehr betrieben werden. Andererseits, und das wiege am schwersten, könnte niemand mehr frei entscheiden. Es sei denn, den Bürgern wird ein Widerspruchsrecht eingeräumt.

Außer den beiden Lehrern für Politische Bildung, Bärbel Dahlitz und Sabine Brune, verfolgte auch Jennifer Wendt vom Verein für politische Bildung Kumulus den Diskussionsverlauf. Kumulus hat das Konzept für den sogenannten „dialogP“ zwischen Schülern und Landtagsabgeordneten entwickelt, so Jennifer Wendt. In Kooperation mit verschiedenen Landesregierungen haben sich bundesweit bereits etliche Schulen beteiligt. Auf Augenhöhe, so die Idee, sollen junge Menschen mit Politikern aus ihrem Wahlkreis über selbst gesetzte Themen diskutieren können – sachorientiert in eng gesetztem Zeitrahmen. Um Organsiation, Terminierung und Ausstattung mit Unterrichtsmaterial müssen sich die Schulen nicht kümmern. Sie müssen nur teilnehmen wollen – wie in Lübbenau.

Schülerin Manja Lieske stellt die Landtagsabgeordneten Kathrin Dannenberg (Linke), Kerstin Kircheis (SPD), Roswitha Schier (CDU), Andreas Kalbitz (AfD) und Benjamin Raschke (Grüne, v,l.) vor.
Schülerin Manja Lieske stellt die Landtagsabgeordneten Kathrin Dannenberg (Linke), Kerstin Kircheis (SPD), Roswitha Schier (CDU), Andreas Kalbitz (AfD) und Benjamin Raschke (Grüne, v,l.) vor. FOTO: Daniel Preikschat / LR