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Schüler beklagen zu schweres Mathe-Abitur

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Lübbenau. In einem Brief an das Bildungsministerium kritisieren sie, dass in der Prüfung abgefragter Stoff im Unterricht nicht behandelt wurde. Daniel Friedrich

Stress haben die Abiturienten am Lübbenauer Paul-Fahlisch-Gymnasium derzeit mehr als genug. Sie befinden sich mitten in der Abiphase; eine wichtige Prüfung jagt die nächste. Doch bei der schriftlichen Mathematikprüfung in der vergangenen Woche sorgte eine Aufgabe auch noch für reichlich Unmut: "Im Bereich Analysis wurde eine Logarithmusfunktion abgefragt, die wir so im Unterricht noch nie behandelt hatten", berichtet Abiturient Eric Thielemann (18). Zwar sei die fragliche Funktion Teil einer Wahlaufgabe gewesen. Doch da den Schülern anscheinend das Wissen fehlte, die Aufgabe zu lösen, könne von Wahl keine Rede sein, so Thielemann.

Nicht nur ihm und seinen Mitschülern am Lübbenauer Gymnasium erging es so. Auch Abiturienten des Luckauer Bohnstedt-Gymnasiums, des Cottbuser Leichhardt-Gymnasiums und der Cottbuser Fontane-Schule tauschten sich in den sozialen Netzwerken über die aus ihrer Sicht "nachteilige Aufgabenstellung" aus. Sie verfassten einen Brief an das Bildungsministerium in Potsdam, in dem sie die entsprechende Aufgabe bemängeln und eine Anpassung des Bewertungsmaßstabes fordern.

Die Kritik an den Prüfungsaufgaben war offenbar auch aus anderen Regionen Brandenburgs so stark, dass das Potsdamer Bildungsministerium am Mittwoch eine Erklärung zu der Thematik abgab. "Das Ministerium nimmt die Hinweise der Schüler, dass dieser Stoff im Unterricht einiger Schulen offenbar nicht gelehrt wurde, sehr ernst", heißt es darin. Allerdings enthalte der für alle verbindliche Lehrplan diesen Stoff. Er hätte deshalb auch unterrichtet werden müssen, so Ministeriumssprecherin Martina Marx. Um den Sachverhalt aufzuklären, habe des Ministerium einen Fragebogen an alle Schulen mit gymnasialer Oberstufe geschickt. Darin sollten sich die Schulleiter dazu äußern, ob der fragliche Unterrichtsstoff Gegenstand des Unterrichts war oder nicht. "Das Ministerium wartet das Ergebnis der Befragung ab und entscheidet dann über das weitere Vorgehen", heißt es in der Stellungnahme.

Die Schulleitung des Lübbenauer Fahlisch-Gymnasium wollte sich mit Verweis auf die aktuelle Diskussion nicht äußern. Sabine Heß, Direktorin des Luckauer Bohnstedt-Gymnasiums sagte der RUNDSCHAU: "Wir können für unser Gymnasium sagen, dass der abgefragte, sicherlich sehr spezielle Stoff behandelt wurde."

Auch Eric Thielemann hat im Lehrplan nachgeschaut: "Wir hätten das Thema behandeln müssen, aber der Plan ist so voll und wir haben viel zu wenig Unterrichtsstunden dafür", nimmt Eric Thielemann seine Mathelehrer in Schutz. Zudem kritisiert er, dass sich die Brandenburger Schüler nicht so gut auf die gestellten Aufgaben vorbereiten konnten, wie ihre Berliner Nachbarn. "Es ist richtig, dass das Fach Mathematik in Berlin und Brandenburg nicht im gleichen Stundenumfang gelehrt wird", heißt es dazu aus dem Bildungsministerium. Da Berlin eine Wochenstunde mehr Matheunterricht als Brandenburg hat, seien die Berliner Aufgaben "umfangreicher und schwieriger" gewesen.

Doch diesen Unterschied wird es ohnehin nicht mehr lange geben: Ende März hatte Brandenburgs Bildungsminister Günter Baaske (SPD) angekündigt, die umstrittene, erst im Schuljahr 2012/2013 eingeführte Oberstufenreform rückgängig zu machen - und damit zum bewährten Berliner Kurssystem zurückzukehren.