Von Rüdiger Hofmann

Ein schöneres Weihnachtsgeschenk konnte sich Reinhard Kokel aus Raddusch nicht vorstellen: Enkel Kevin Semsch steht Heiligabend vor der Tür – mit dem seit Wochen vermissten Terrier-Mischling Jako. „Opa, hier hast du deinen Hund zurück“, sagt Semsch. Mit Tränen in den Augen schließt Kokel seinen treuen Gefährten wieder in die Arme. „Wir waren alle gerührt und überglücklich“, sagt Reinhard Kokel. „Jako hat mich sofort wieder erkannt, kam angerannt, ist im Raum umhergesprungen und wollte nur noch spielen“, erinnert sich der Rentner an die besonderen Momente.

Die Rückkehr von Jako zu seinem Herrchen war laut Kokel „ein ganz schön harter Kampf“. Seit Ende Oktober war das Tier verschwunden – vermutlich ausgebüxt. Kokel hängt überall Bilder in Raddusch vom vermissten Hund auf, schaltet Polizei, eine Anwältin und  die Tierschutzorganisation Tasso ein. Auch Tochter Mandy Bramer hilft bei der Suche. Sie wird wenig später im Internet auf dem Facebook-Profil des Tierheims Langengrassau auf Jako aufmerksam. „Ich habe ihn an dem weißen Lätzchen im Brustbereich und dem kleinen, weißen Fleck an der Spitze seiner linken Pfote erkannt“, sagt sie (die RUNDSCHAU berichtete).

Vater und Tochter kontaktieren daraufhin das Tierheim. Das bestätigt: Ein Hund wurde vorübergehend als Fundtier aufgenommen, dann aber weiter verkauft, da es – wie Jako – nicht gechippt war. Somit konnte auch kein Rückschluss auf den Halter gezogen werden. Die neuen „Besitzer“ nennt das Tierheim aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht. Reinhard Kokel kann das nur schwer akzeptieren.

Die Vorsitzende des Tierschutzvereins Langengrassau, Susann Viol, sagt daraufhin zu ihm, „er soll mit einem Foto seines Hundes vorbeikommen und eindeutig nachweisen, dass der Hund, den wir vermittelt haben, tatsächlich sein Hund ist“. Sollte das dann klar sein, würde das Tierheim den neuen „Besitzer“ kontaktieren und um Rückgabe bitten.

Ab diesem Zeitpunkt schalten sich Kokels vier Enkel, allen voran Kevin Semsch, ein. Er kann es nicht länger mit ansehen, wie sein Großvater nach dem Verschwinden von Jako leidet. „Opa, ich helfe dir. Ich hole dir deinen Hund zurück“. Noch rechtzeitig vor Weihnachten fährt Semsch zum Tierheim Langengrassau, zeigt Fotos von Jako und erbringt den notwendigen Nachweis, dass der Hund seinem Großvater gehört. Das Tierheim nimmt daraufhin Kontakt zum zwischenzeitlichen „Besitzer“ auf. Dieser zeigt sich kulant, gibt den Hund an das Tierheim und schließlich an Reinhard Kokel als rechtmäßigen Besitzer zurück.

Rechtlich gesehen werden Fundtiere vor dem Gesetz wie Fundsachen behandelt und unterliegen damit den „fundrechtlichen Regelungen“ im Bürgerlichen Gesetzbuch. Es gilt: Nach sechs Monaten erlischt der Rechtsanspruch des Halters an seinem Tier. Nach Ablauf dieser Frist darf das Fundtier weitervermittelt werden. Das Tierheim kann ein Fundtier zwar bereits vor Ablauf der sechsmonatigen Frist vermitteln. In diesem Fall geht das Eigentum jedoch erst nach Ablauf der sechs Monate an den neuen Besitzer über. Meldet sich der ursprüngliche beziehungsweise eigentliche Besitzer in diesem Zeitraum – wie im Fall des vermissten Jako – muss das Tier zurückgegeben werden.

„Wir wissen bis heute zwar nicht, wer der zwischenzeitliche Besitzer war und für welche Summe Jako vom Tierheim verkauft wurde“, sagt Reinhard Kokel. Doch so wichtig ist ihm das auch gar nicht mehr. Denn für Kokel zählt nur: Jako ist zurück, und die Familie damit wieder glücklich. „Ein ausdrücklicher Dank gilt dem Tierheim Langengrassau, das in dem Fall vermittelt hat“, sagt Enkel Kevin Semsch.

Während des dortigen mehrtägigen Aufenthalts wurde Jako außerdem geimpft, entwurmt, betreut und gepflegt. Reinhard Kokel wird die für das Tierheim angefallenen Kosten selbstverständlich bezahlen und will in Zukunft auch besser auf seinen Gefährten aufpassen. „Jako läuft jedem nach. Ich werde ihn sicherheitshalber draußen nur noch an der Leine führen“, so der Rentner.

Der Hund ist inzwischen auch gechippt. „Und ich melde ihn nun offiziell bei der Stadt an und zahle ab sofort Hundesteuer“, sagt der glückliche Kokel.