| 02:32 Uhr

Schnuppertour durch Gurkenland

Forschen Schrittes und mit viel russischem Charme führte Olga Aksaeva eine von zwei Gruppen durch das Betriebsgelände.
Forschen Schrittes und mit viel russischem Charme führte Olga Aksaeva eine von zwei Gruppen durch das Betriebsgelände. FOTO: Daniel Preikschat
Boblitz. 90 RUNDSCHAU-Leser wollten wissen, wie bei Spreewaldrabe in Boblitz die Produktion abläuft. Der Rundgang wurde zu einem Erlebnis, das alle Sinne ansprach. Daniel Preikschat

Das war wohl abzusehen: Die Einladung von RUNDSCHAU und Spreewaldrabe zum Betriebsrundgang in Boblitz nahmen gestern so viele Leser der Heimatzeitung an, dass zwei Gruppen gebildet werden mussten. Die eine übernahm die erfahrene Gästeführerin Elke Garz, die andere ihre junge Kollegin Olga Aksaeva.

Zuvor aber ließ es sich Geschäftsführerin Heidemarie Belaschk nicht nehmen, die rund 90 Gäste selbst zu begrüßen. Es sei doch besser, mal vorbeizukommen und sich den Betrieb anzusehen als immer nur mit dem Auto an ihm vorbeizufahren, sagte sie. Ein Produkt aus der Region werde hier von Fachkräften aus der Region in hoher Qualität verarbeitet. Womit auch heimischen Landwirten geholfen sei. Und natürlich hoffe sie, so die zierliche Chefin, dass beim Kauf eingelegter Gurken Lokalpatriotismus und Qualitätsbewusstsein schon eine Rolle spielen.

In der von Olga Aksaeva angeführten Gruppe bekamen es die Teilnehmer dann gleich mit dem russischen Charme und der erfrischend direkten Art der erst 27-jährigen Auszubildenden zu tun. Eineinhalb Stunden etwa werde der Rundgang dauern, und sie hoffe doch, dass "sie es so lange mit mir aushalten". Es sei "Opa Belaschk" gewesen, erklärte die resolute Person in Traditionstracht, der 1992 den Einlegereibetrieb umtaufen ließ in Spreewaldrabe. Wobei das Wort Rabe aus den ersten Buchstaben von Vor- und Zuname gebildet werde, Rainer Belaschk.

Im Kräutergarten, wo unter anderem Dill, Thymian, Basilikum und Fenchel sprießen, wurden den Spreewaldrabe-Besuchern Geruchsproben unter die Nase gehalten. Die Identifizierung funktionierte gut, sodass Olga, wie sie sich gerne nennen ließ, mit Lob nicht sparen musste. Bei ihrer ersten Führung, erzählte sie, habe sie einem Mann etwas zu schnuppern und zu kosten gegeben, das er beim besten Willen nicht erkennen konnte. Obwohl er Kleingärtner ist. Kein Wunder, das Gewächs stellte sich als Unkraut heraus, so die Gästeführerin: "Aber keine Sorge, der Mann lebt noch."

Kleine Scherze dieser Art lockerten die Wissensvermittlung auf. Denn an Wissen zu vermitteln, hatte Olga Aksaeva einiges: 60 Festangestellte haben bei Spreewaldrabe das ganze Jahr über zu tun, um Gurke, Kürbis, Paprika, Weißkohl und Meerrettich hintereinander weg zu verarbeiten. In der Gurkensaison werden 2000 Tonnen eingelegt und konserviert, die Mitarbeiterzahl in den drei Monaten um 50 Saisonkräfte aufgestockt.

Deutlich am beeindruckendsten war für die Sommertour-Teilnehmer der Gang durch die Produktionshalle, in der ihnen intensiver Kräutergeruch, aber auch Maschinengeräusch entgegenschlug. Nur sehr langsam ging es über ein Gitterlaufsteg - so interessant war der Blick hinunter auf die Fließbandproduktion. Durch Waschbecken und Kochtunnel bewegt sich das Gemüse hin zur Abfüllung in die Gläser. Maschinen schrauben auch die Deckel auf, kleben die Etiketten und lasern das Haltbarkeitsdatum ein. Die Produktion darf nie stillstehen, ständig müssen Gemüse, Gläserpaletten Deckel, Etikette und Kartons zugeführt werden. Dies vor allem machen die Spreewaldrabe-Mitarbeiter. Olga Aksaeva hatte nicht zu viel versprochen: "Die Produktionshalle ist voll mit Gurken und Menschen."

Ob auch schmeckt, was da produziert wird, durften die RUNDSCHAU-Leser am Schluss der Sommertour entscheiden. Von allen Sorten gab es Häppchen zu kosten. Eine nicht repräsentative Umfrage ergab: Die Knoblauchgurke kam am besten weg, knapp dahinter die Gewürzgurke. Nachfragen, wie man diese Geschmacksrichtungen hinbekommt bei Spreewaldrabe, welcher Rezeptur man sich bedient, ließen die Spreewaldrabe-Damen erneut unbeantwortet. Wie sagt doch Olga Aksaeva: "Das muss ein Geheimnis bleiben."