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| 02:41 Uhr

Schnelles Internet für alle?

Ein Verteilerpunkt, in dem Glasfaserkabel unter anderem zur Übertragung von Hochgeschwindigkeitsinternet zusammenlaufen. Daran hapert es in vielen Teilen Brandenburgs noch.
Ein Verteilerpunkt, in dem Glasfaserkabel unter anderem zur Übertragung von Hochgeschwindigkeitsinternet zusammenlaufen. Daran hapert es in vielen Teilen Brandenburgs noch. FOTO: dpa
Luckau/Calau. Dass ihre Städte einmal Pionierarbeit beim Erforschen von digitaler Infrastruktur leisten würden, daran hätten die Luckauer und Calauer wohl nicht im Traum gedacht. Doch seit Luckau-Calau eine von sieben Modellregionen für das bundesweite Forschungsprojekt "Moro digital" geworden ist, scheint dieses Gedankenspiel gar nicht so abwegig. Daniel Friedrich

Dass ihre Städte einmal Pionierarbeit beim Erforschen von digitaler Infrastruktur leisten würden, daran hätten die Luckauer und Calauer wohl nicht im Traum gedacht. Doch seit Luckau-Calau eine von sieben Modellregionen für das bundesweite Forschungsprojekt "Moro digital" geworden ist, scheint dieses Gedankenspiel gar nicht so abwegig.

Es geht um die Herausforderung, in ländlichen Regionen eine stabile digitale Infrastruktur zu schaffen - sprich: schnelles, funktionierendes Internet. Allen Beteiligten ist klar, dass leistungsfähige Internetverbindungen als Wohnortfaktor, Wirtschaftsfaktor und für zukünftige Projekte des öffentlichen Lebens unverzichtbar sind. Bisher konzentriert sich der durch die Bundesregierung vorangetriebene Netzausbau auf die hochleistungsfähige, aber teure Glasfaserkabel-Technologie. Das Problem: Die Kabel zu einigen weit entlegenen Gehöften zu verlegen, rechnet sich vielerorts nicht. Benötigt wird eine alternative Technologie, die wirtschaftlich tragbar ist und dennoch keine weißen Flecken auf der digitalen Landkarte hinterlässt.

Hier setzt die Idee der Moro-digital-Forscher an. Sie nutzen bestehende, bei weitem nicht ausgelastete Glasfasernetze, über die Energieversorger für gewöhnlich ihre Stromzufuhr steuern. Über diese Kabel können ohne großen Aufwand auch Internetdaten übertragen werden. Im Luckauer Modellbeispiel mussten an die vorhandenen Glasfaserkabel nur wenige Meter hinzugefügt werden, um sie mit einem Mobilfunkmast in Garrenchen zu verbinden. An dem Funkturm wurde eine zusätzliche Richtantenne installiert, die eingehende Internetsignale in LTE-Stärke (derzeit höchstmögliche Datenraten) versandte. Eine weitere Antenne, die außen an mehreren Versuchsgebäuden angebracht war, empfing die Signale und speiste sie in den Internetrouter des jeweiligen Hauses ein. So konnte eine stabile Datenübertragungs-Geschwindigkeit von 50 bis 80 Megabit pro Sekunde (im Download) erreicht werden, ohne jedes Haus einzeln mit Glasfaserkabeln anzubinden.

Als Testobjekte dienten unter anderem Haushalte und Unternehmen in Schlabendorf, Fürstlich Drehna und Groß Jehser. Auch der vom Sendemast rund acht Kilometer entfernte Landwirtschaftsbetrieb Zinnitz-Groß Jehser hat am Test teilgenommen. Geschäftsführer Robert Häußler ist derzeit mit einer Festnetzleitung an das Internet angebunden. Geschwindigkeit: neun Megabit pro Sekunde. "Auch in der Landwirtschaft wird verstärkt auf Digitalisierung und Onlineüberwachung der Maschinen gesetzt, sodass diese Übertragungsrate in Zukunft nicht mehr ausreichen wird", sagt der Landwirt und ist froh, dass an einer Lösung gearbeitet wird.

Die Daten aus den acht Modellregionen stehen deutschlandweit als Vergleichsmaterial zur Verfügung. Sie sollen Firmen überzeugen, in die erforschte Verbreitungstechnik zu investieren. "Das Bundesministerium für Verkehr und digitale In frastruktur hat Fördermittel zugesichert, wenn sich Firmen finden, die die Ausstattung der Funkmaste und Häuser mit entsprechender Technik übernehmen", sagt Hubertus von Manstein, der das Forschungsprojekt in Luckau-Calau koordiniert. Er möchte Mobilfunkanbieter und Energieversorger gemeinsam ins Boot holen, um Synergien zu nutzen und das Vorhaben umsetzen zu können. Luckaus Bürgermeister Gerald Lehmann (parteilos) sprach sich für einen weiteren Testbetrieb aus und warb für Aufgeschlossenheit gegenüber digitalen Herausforderungen.

Zum Thema:
Die Landkreise Dahme-Spreewald und Oberspreewald-Lausitz wollen mittelfristig 95 Prozentder Haushalte an einen Internetanschluss von 50 Megabit pro Sekunde anschließen. In LDS läuft derzeit die Ausschreibung der Erschließungsleistungen, in OSL beginnt sie im Sommer. Welche Technologie für die Internetversorgung zum Einsatz kommt, ist nicht vorgeschrieben.