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Schlemmen und Schlürfen auf vier Etagen des Brauhauses in Vetschau

Das vierstöckige Restaurant gilt als ein Markenzeichen der Vetschauer Innenstadt. Historische Aufnahmen von dem Gebäude gibt es nicht. Inhaber Thomas Demuth ist dankbar für jeden Hinweis über Geschichtliches.
Das vierstöckige Restaurant gilt als ein Markenzeichen der Vetschauer Innenstadt. Historische Aufnahmen von dem Gebäude gibt es nicht. Inhaber Thomas Demuth ist dankbar für jeden Hinweis über Geschichtliches. FOTO: Uwe Hegewald/uhd1
Vetschau. Gastlichkeit wird im Spreewald großgeschrieben. Sie hat in der Lagunenlandschaft, in der Calauer Schweiz und entlang der Berste eine lange Tradition. In loser Folge stellt die RUNDSCHAU historische Gasthäuser vor. Uwe Hegewald

Beim Schlendern durch die Vetschauer Altstadt ist so manche Sehenswürdigkeit zu entdecken. Der historische Kern der Spreewaldstadt besitzt neben der Wendisch-Deutschen Doppelkirche mit dem Restaurant "Zum alten Brauhaus" ein weiteres überregionales Alleinstellungsmerkmal. Wo sonst können Gäste in einem Gaststätten-Hochhaus auf vier Etagen die Seele baumeln und sich kulinarisch verwöhnen lassen?

Glücksfall für die 1853 erbaute Vetschauer Stadtbrauerei: Mit Thomas Demuth hielt 2011 nicht "nur" ein erfahrener Koch Einzug in das Backsteingebäude, sondern auch ein Geschichtskenner. "Es liegt mir am Herzen, Historisches zu bewahren. Auch im Interesse der Stadt Vetschau", begründet der Brauhauschef.

Mit dem Entdecken von uralten Fotos und Dokumenten, während der mehrmonatigen Restaurierung, begann die Sammelleidenschaft für Fakten, Fotos, Dokumente. Aus ihnen ist zu entnehmen, dass in der Brauerei über 100 Jahre Bier gebraut und von 1958 bis 1961 Malzbier abgefüllt wurde. "Viele Vetschauer, aber auch Besucher, die einst in der Stadt aufgewachsen oder gearbeitet haben, können sich noch sehr genau an diese Zeiten erinnern", erzählt Thomas Demuth.

Wenn es die Zeit erlaubt, gestattet er vertrauenswürdigen Gästen einen Blick in den altehrwürdigen Gewölbekeller, dessen Gang bis in die Häuserzeile des Marktplatzes führte. Aus Schutz vor ungebetenen Gästen wurde der Gang später zugemauert. Geblieben sind markante "Spuren" auf dem Fußboden. Tausendfach müssen Fässer durch die Kellerräume gerollt worden sein, die einen großen Appetit der Vetschauer Bürgerschaft auf Gerstensaft vermuten lassen.

Das urige Ambiente im Erdgeschoss/Empore und aufbewahrte Utensilien der einstigen Brauerei-Inhaber Frenzel und Reelitz versprühen alten Charme, der sich auch in der Hellmannstube wiederfindet. Der 1996 eingerichtete Raum erinnert an den in Vetschau geborenen Richard Hellmann (1876 bis 1971), der 1903 nach Amerika auswanderte und es dort mit der Herstellung von Mayonnaise zu Wohlstand brachte. Auch, weil sich die Produkte aus seiner Fabrik in 60 Ländern der Erde verkaufen ließen - so ist es zumindest der aktuellen Speisenkarte vom Restaurant "Zum alten Brauhaus" zu entnehmen.

An der Hellmannstraße gelegen, sehen sich Britta und Thomas Demuth auch ein wenig zur Traditionspflege verpflichtet. Das Brauhaus-Ehepaar scheint angekommen in Vetschau, auch wenn sich das Gastronomie-Leben in der Spreewaldstadt mitunter als schwierig erweist - trotz eines Restaurant-Hochhauses, in dem Speisen bei Bedarf mittels Fahrstuhl in die einzelnen Etagen befördert werden können. Trotz der Erleichterungen gestaltet es sich für den Inhaber schwer, neues Personal zu finden. "Wir sind auf der Suche nach Restaurantfachleuten", wirbt Thomas Demuth, der eine nahezu beispiellose Kochkarriere vorweisen kann.

Einer klassischen Kochausbildung in Cottbus folgten unter anderem Arrangements auf dem Flughafen Schönefeld oder beim Tropical Islands, wo er unter anderem malaysischen Köchen über die Schulter blickte. Zu DDR-Zeiten nahm Thomas Demuth an einem nationalen Koch-Leistungsvergleich unter Regie von Fernsehkoch Kurt Drummer teil.

Heute kann der Brauhauschef die auswärts gesammelten Erfahrungen ins Tagesgeschäft einfließen lassen. Dort kehrt demnächst die heiße Phase der saisonalen Eiszeit zurück. Auf Wunsch wird Speiseeis direkt in die Fahrgastzellen haltender Autos gereicht. Und auch das hat irgendwie mit Historie zu tun: Gegenüber dem Eiswagen-Standort befanden sich früher der Fuhrpark und der Eiskeller der Vetschauer Brauerei.