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| 17:13 Uhr

Zwei Bewerber für ein Ehrenamt
Schiedsmann per Losentscheid

Olaf Pietsch (2. v. r.) ist der neue Schiedsmannn für einen der beiden Lübbenauer Bezirke. Benjamin Wepprich (2. v. l.) hatte sich ebenfalls für das Ehrenamt beworben. Bürgermeister Helmut Wenzel (l.) und Stadtverordnetenvorsteher Uwe Pielenz bedankten sich für die Bewerbungen.
Olaf Pietsch (2. v. r.) ist der neue Schiedsmannn für einen der beiden Lübbenauer Bezirke. Benjamin Wepprich (2. v. l.) hatte sich ebenfalls für das Ehrenamt beworben. Bürgermeister Helmut Wenzel (l.) und Stadtverordnetenvorsteher Uwe Pielenz bedankten sich für die Bewerbungen. FOTO: LR / Daniel Preikschat
Lübbenau. Nach kuriosem Wahlergebnis musste im Lübbenauer Rathaus die Glücksfee entscheiden.

Wozu es bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland nicht gekommen ist, das trug sich am Mittwoch dieser Woche im Großen Sitzungssaal des Lübbenauer Rathauses zu. Das Los musste entscheiden. Allerdings standen sich nicht zwei Mannschaften gegenüber, sondern zwei Bewerber für ein Ehrenamt. Sowohl Olaf Pietsch als auch Benjamin Wepprich wollten Schiedsmann in Lübbenau werden. In einem ersten Wahlgang bekamen beide jeweils zwölf Stimmen. Wahlgang zwei brachte dasselbe Ergebnis. Am Ende musste Stadtverordnetenvorsteher Uwe Pielenz (SPD) die Glücksfee spielen.

Die Stadtverordnten verteilten ihre Stimmen pari pari auf zwei Bewerber, die sich auf sehr unterschiedliche Weise vorstellten. Während Benjamin Wepprich wortreich und schwungvoll eine Kurzfassung seiner Biographie gab, beschränkte sich Olaf Pietsch weitgehend darauf, auf 20 Jahre Dienstzeit im Lübbenauer Rathaus hinzuweisen. Im Ordnungsamt sei er auch mit dem Schiedswesen betraut gewesen und habe dabei erfahren müssen, wie schwer es ist, Ehrenamtler zu finden.

Wepprich indes hätte den Job ebenfalls gern gemacht – und auch Erfahrung mitgebracht. In Dortmund, erzählte er, sei er bereits einmal Schiedsmann gewesen. In einem Bezirk, der sicher eher „sozialer Brennpunkt“ genannt werden könne als die Spreewaldstadt. Der Lübbenauer mit Kochlehre, BWL- und Jurastudium kehrte erst im vergangenen Jahr in seine Heimat zurück und unterrichtet seit gut einem Jahr in der Ehm-Welk-Oberschule. Der Rückkehrer und Seiteneinsteiger charakterisierte sich als „laut, engagiert und authentisch“. Durchaus selbstkritisch räumte er ein, „zu viel zu reden“. Was den Stadtverordneten Joachim Liedtke (SPD) vor dem ersten Wahlgang zu der Bemerkung veranlasste, als Schiedsmann müsse man auch zuhören können.

Stadtverordnetenvorsteher Uwe Pielenz und Bürgermeister Helmut Wenzel (parteilos) freuten sich über gleich zwei Kandidaten. Mit einem Fässchen hiesigen Bieres bedankten sie sich bei Olaf Pietsch und Benjamin Wepprich. Beide seien bereit gewesen, im Ehrenamt Freizeit zu opfern.

Zuletzt hatte die Streitschlichtertätigkeit im Schiedsbezirk I, der die Lübbenauer Neustadt sowie die Ortsteile Groß Klessow, Hindenberg und Kittlitz umfasst, Bernd Elsner übernommen. Noch Anfang des Jahres bekam der Kittlitzer eine Dankesurkunde vom Amtsgerichtsdirektor in Lübben. Zehn Jahre lang hatte der ehemalige Ortsvorsteher in Kittlitz ganz überwiegend Nachbarschaftsstreitigkeiten geschlichtet. Hundegebell, Katzenkot oder auf Nachbargrundstücke hinüber reichende lange Baumäste hatten unter anderem für Zwist gesorgt, erzählte Elsner damals der RUNDSCHAU.

Mit ein bis sieben Streitfällen im Jahr hatte es Bernd Elsner zu tun bekommen. Und fast immer kam er mit den Streitparteien zu einem Schiedsspruch. Womit der nervenaufreibende und teuere Gang vor Gericht, mit einem am Ende womöglich unbefriedigenden Urteil, abgewendet werden konnte. Das wird nun auch das Ziel von Nachfolger Olaf Pietsch sein.