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| 15:10 Uhr

Neues altes Handwerk
Webstühle bereichern Kulturscheune in Lehde

 Maria Brunner (l.) und Paula Nenning beim Aufbau der Webstühle im Musum in Lehde.
Maria Brunner (l.) und Paula Nenning beim Aufbau der Webstühle im Musum in Lehde. FOTO: Philipp Brendel
Durch eine Schenkung von Webstühle aus der Schweiz und Österreich können im Freilandmuseum Lehde weitere Workshops angeboten werden. Von Philipp Brendel

Es klappert und rumpelt als Paula Nenning und Maria Brunner dabei sind, einen von drei Webstühlen in der Kulturscheune des Freilandmuseums Lehde aufzubauen. Dabei geht der grobe Aufbau der Webstühle innerhalb von zwei Stunden zwar relativ schnell von der Hand, doch danach komme erst die Feinarbeit, versichert Maria Brunner: „Die richtige Vorbereitung ist das A und O.“ Bis die ausgeklügelte Mechanik der Webstühle funktionsbereit ist, können schließlich bis zu drei Stunden vergehen.

Doch wie hat es die Österreicherin Paula Nenning und die Schweizerin Maria Brunner mit ihren Webstühlen in das Spreewalddörfchen Lehde verschlagen? Beide Freundinnen genießen gemeinsam im März 2018 den Urlaub im Spreewald. Sie kennen sich mittlerweile beinahe 30 Jahre und hatten sich ursprünglich in der Webereiausbildung kennengelernt. Die Weberei begleitet das Leben beider Frauen bis heute, obwohl sie mittlerweile innerhalb des Pflegedienstbereichs beruflich anderweitig tätig sind. Aber ihre Liebe zur Handweberei bringen die beiden Freundinnen 2018 auch in den Spreewald mit. Zufälle bereichern oftmals das Leben. Durch die Vermieterin ihrer Ferienwohnung wird der Kontakt zu Roswitha Winter, die für Kulturarbeit und Projektmanagement im Freilandmuseum Lehde tätig ist, durch einen glücklichen Zufall hergestellt.

Aber wie kamen nun die beiden Frauen dazu, sich von ihren mittlerweile rund 60 Jahre alten Webstühlen zu trennen? Die im österreichischen Rheintal lebende Paula Nenning erklärt, dass ihr die Webstühle zwar noch sehr lieb wären, doch diese nicht mehr so ausgiebig von ihr genutzt wurden. Es sei schade, wenn die Webstühle ihrer Bestimmung entsprechend nicht auch eingesetzt würden. Maria Brunner, wohnhaft im schweizerischen Olten, stimmt ihr zu: „Ein Webstuhl ist ein Arbeitsgerät und nicht nur dazu da, um schön auszusehen.“ Dies ist schließlich auch der Beweggrund beider gewesen, dass sie sich im September 2018 bei einem nochmaligen Urlaubsbesuch im Spreewald dazur entschieden haben, dem Spreewaldmuseum in Lehde die Webstühle zur Nutzung zu übergeben.

Für Roswitha Winter ist es eine herausragende Bereicherung für das Freilandmuseum: „Das Interesse, sich handwerklich zu betätigen, ist unter den Gästen des Museums sehr groß. Deshalb ist es schön, dass wir wieder etwas Neues anbieten können.“ Gerade die Handweberei fehlt noch im derweil schon reichen handwerklichen Workshopangebot des Museums. So soll zukünftig neben dem Korbflechten, dem Lehmbau und weiteren Attraktionen nun auch die Handweberei die Museumsgäste begeistern, verspricht Roswitha Winter: „Es ist auch unser Ziel, altes handwerkliches Wissen in unseren Projekten weiterzugeben.“

Dafür stehen auch Paula Nenning und Maria Brunner mit ihrem fundierten Fachwissen zur Handweberei dem Museum in Rat und Tat bei Seite. Denn endgültig werden sich die beiden von ihren Webstühlen nicht verabschieden müssen, so Paula Nenning: „Wir kommen dann eben in den Spreewald zum Weben.“

Den bis zu 890 Kilometer langen Fahrtweg von Österreich beziehungsweise der Schweiz nehmen die beiden Frauen dabei gerne in Kauf. Sie stehen mit ihrem handwerklichen Fachwissen nicht nur für den Aufbau der Webstühle, sondern auch für die zukünftige Unterweisung ins Weberhandwerk den Mitarbeitern und Gästen des Museums gerne zur Verfügung.