Von Uwe Hegewald

  Eine der auffälligsten Fensterläden der Spreewald-Region wird jetzt wieder täglich geöffnet. Die Rede ist vom Fenster des Kassenhäuschens zum Freilandmuseum Lehde, einem Objekt des Landkreises Oberspreewald-Lausitz.

„Der Start ist vollzogen. Es hat auch schon in den Fingern gekribbelt“, räumt Grit Stahlberg ein. Sie zählte zu den fünf Spreewälderinnen, die am Eröffnungstag im ältesten Freilandmuseum Brandenburgs Dienst schoben. „Unsere ersten Saisongäste standen pünktlich um 10 Uhr vor der Tür“, so Doreen Haiasch, die für den Einlass eingeteilt war. Die erste Familienkarte der Saison reichte sie der Familie Kolbe aus dem sächsischen Radebeul. „Wir verbringen ein verlängertes Wochenende im Spreewald, haben schon die Spreewelten besucht, den Cottbuser Tierpark und jetzt das Freilandmuseum“, erklärte das Familien-Quartett aus der Karl-May-Stadt an der Elbe. Quartier bezogen haben die Kolbes im Spreewelten-Hotel, das sie als „sehr modern und komfortabel“ zu schätzen gelernt haben.

Ein krasser Gegensatz zu den Unterkünften, wie sie im 19. Jahrhundert im Spreewald vorherrschten und im Freilandmuseum dargestellt werden. Seit 1957 existiert das Museum, das zu den Anziehungspunkten im Lagunendorf zählt. Auch aufgrund der zahlreichen Kurse, Workshops, Vorträge und geselligen Veranstaltungen, an denen in diesem Jahr ebenfalls festgehalten wird. Themen wie „Historische Innenwandgestaltung mit Schablonenmalerei“ (11. Mai), „Heil- und Gewürzkräuter“ (22. Juni), „Gurkenrezepte“ (13. Juli) oder das „Seminar für Hobbyimker“ (10. August) locken ebenso in das Objekt, wie das „Brotbacken vor 150 Jahren“ (7. September) oder der „Sauerkrauttag mit Stampfen und Quatschen“ (26. Oktober).

Als einer der Saisonhöhepunkte gilt der „Spreewälder Lichtnacht-Krimi, Teil 2“ für den das Museumsdorf die Kulisse bildet. Im Jahr 2018 geriet ein ganzes Dorf unter Mordverdacht – sehr zur Freude der 300 Zuschauer, die eigens per Kahn von Lübbenau nach Lehde chauffiert wurden. Die „Spreewälder Lichtnacht-Krimis“ haben in der Freilicht-Theateraufführung „Lehde geht schlafen“ ihren Ursprung und werden von einem großen Ensemble getragen. Unter ihnen die veranstaltende Kahnfährgenossenschaft „Großer Hafen“, mehrere Berufs- und Laienschauspieler, Mitarbeitern des Museumsdorfes sowie des Vereins „Rubisko“. Termin für den Lichtnacht-Krimi, Teil 2, ist Samstag, der 24. August.

An diesem Abend gilt es am Kassenhäuschen des Freilandmuseums aufgrund des Besucheransturms Schwerstarbeit zu verrichten. Übrigens: Wenn die Damen in typischer Arbeitstracht aus ihrem Kassenhäuschen-Fenster schauen, blicken sie auf sich kreuzende Fließe, eine hölzerne Brücke und im Idealfall in aufgeschlossene Gesichter von Besuchern, die Einlass begehren.

Das war nicht immer so. Ursprünglich stand das um 1800 errichtete Landarbeiterhaus in Weißag (Gemeinde Luckaitztal), um es vor 50 Jahren von dort nach Lehde umzusetzen. Davor genossen Nutzer des Gebäudes eine ebenso attraktive Aussicht: die Höhenzüge der Calauer Schweiz.