ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 06:32 Uhr

RUNDSCHAU-Rutschentest
109 Meter in 25 Sekunden

Nicht nur neue Rutschen. Auch das neue Außenbecken ist von den 18 Pinguinen der Spreewelten Lübbenau am Montag erstmals erkundet worden. Tierpflegerin Sabine Steindamm öffnete das Tor des bisherigen Winterquartiers. Neugierig durchschwammen die Tiere das moderne und fuchssichere Areal.
Nicht nur neue Rutschen. Auch das neue Außenbecken ist von den 18 Pinguinen der Spreewelten Lübbenau am Montag erstmals erkundet worden. Tierpflegerin Sabine Steindamm öffnete das Tor des bisherigen Winterquartiers. Neugierig durchschwammen die Tiere das moderne und fuchssichere Areal. FOTO: LR / Rüdiger Hofmann
Lübbenau. Noch wird am Spreeweltenbad in Lübbenau gebaut. Die Rutschen sind jedoch schon fertig – Zeit für einen Test! Von Liesa Hellmann

Ein letztes Mal prüfe ich meine Arbeitskleidung auf Vollständigkeit: Badeanzug, Badelatschen, Handtuch, Kopfkamera – alles da. Nein, ich bin weder Aquafitnesstrainerin noch Undercover-Schwimmbadtesterin. Letzteres kommt der Wahrheit aber schon recht nah. Als angehende Rundschau-Reporterin habe ich dieses Mal einen Termin, den man nicht alle Tage hat: Rutschentest in den Lübbenauer Spreewelten. Rund eine Million Euro hat das Unternehmen insgesamt in seine beiden Rutschen investiert.

Derzeit ist das Schwimmbad wegen Umbauarbeiten geschlossen, ein Bauzaun sperrt das Gebäude ab, an der Fassade wird gearbeitet. So richtig einladend sieht es also noch nicht aus, bis zur Eröffnung für Besucher am 1. Dezember sind es aber noch gut drei Wochen. Ich bin gespannt, wie es drinnen aussieht und überlege, ob „Im Badeanzug auf der Baustelle“  eine passende Überschrift für diesen Text sein könnte. Dann öffnen sich die Türen zum Bad und ich verwerfe den Titel wieder: Nach Baustelle sieht es wirklich nicht mehr aus. Bänke, Lampen, Dekorationselemente sind alle bereits an ihrem Platz, im Hauptbecken glänzt eine spiegelglatte Wasseroberfläche.

Pinguine, wohin man sieht: Künstler Arvid von Oertzen legt Hand an die letzten Details von seinem Wandgemälde in den Spreewelten.
Pinguine, wohin man sieht: Künstler Arvid von Oertzen legt Hand an die letzten Details von seinem Wandgemälde in den Spreewelten. FOTO: LR / Liesa Hellmann

Auch die Wandgestaltung ist so gut wie fertig. Auf dem Weg zur Rutsche treffe ich den Künstler Arvid von Oertzen, der ganz vertieft mit einem schmalen Pinsel winzige Lichtpunkte in ein gut vier mal drei Meter großes Wandbild setzt. Auf meine Frage, was die Herausforderungen bei einem so großen Bild seien, antwortet er lachend: „Das ist doch kein großes Bild.“ Von Oertzen hat schon einen ganzen Wohnblock bemalt, dagegen wirkt das meterhohe Gemälde in den Spreewelten tatsächlich wie eine Miniatur. „Bei richtig großen Bildern kann man sich wegen der Dimensionen leicht verzetteln. Das hier ist aber ein einfaches Bild“, sagt er. Das kann wohl nur jemand sagen, dessen Kunstwerke ansonsten so groß sind, dass sie in Einzelschritten gemalt, auf Folien gedruckt und dann zusammengesetzt werden.

Genau das passiert gerade im Treppenaufgang zur Rutsche. So habe ich noch etwas Zeit, um mir den Rutschenausgang genauer anzusehen. Aus einer Röhre mit etwa einem Meter Durchmesser werde ich also in wenigen Minuten in ein Wasserbecken schießen, unter den wachsamen Augen weiterer gemalter Pinguine. In dem Becken ist immerhin schon Wasser, der Raum ist aber deutlich kälter als der Hauptraum mit dem großen Schwimmbecken. Wie warm das Wasser denn sei, möchte ich von Steven Schwerdtner, Marketingleiter der Spreewelten, wissen. „Elf Grad Celsius“, sagt er, ohne mit einem Muskel zu zucken. So langsam verstehe ich, warum Pinguine das Maskottchen des Schwimmbades sind. Ich ziehe mein Handtuch fester um mich und sehe anscheinend so verfroren und nervös aus, dass Schwerdtner hinzufügt: „Gleich nehmen wir die Rutsche aber mit Wasser aus dem Hauptbecken in Betrieb. Das ist dann 30 Grad Celsius warm.“

Ein leicht nervöser Blick, denn gleich geht es abwärts ins Unbekannte: Mit einer Kamera auf dem Kopf stürze ich mich die Rutsche hinunter.
Ein leicht nervöser Blick, denn gleich geht es abwärts ins Unbekannte: Mit einer Kamera auf dem Kopf stürze ich mich die Rutsche hinunter. FOTO: LR / Marcus Scheib

Das Wasser spült den letzten Baudreck aus der Rutsche. Sobald sich das Wasser im Becken ausgetauscht hat, kann es auch für mich losgehen. Mit steigender Nervosität erklimme ich die 72 Stufen. Oben angekommen, gut zwölf Meter über dem Boden, setze ich die Kopfkamera auf. Ein letzter Blick zurück, dann verschwinde ich, Füße voran, in die Röhre. Mal in rotes, mal in grünes Licht getaucht, an bunten Lichtpunkten vorbei und durch psychedelische Spiralen hindurch geht es 109 Meter lang in einigen Windungen abwärts. Nach gut 25 Sekunden rausche ich mit einer kleinen Bugwelle in das Auffangbecken.

Als „Weltneuheit“ hatte Schwerdtner die Rutsche angekündigt. Auf drei verschiedene Arten könne man die Rutsche nutzen: Sie ist mit Zeitmessern ausgestattet, sodass man um die Wette rutschen kann. Die bunten Punkte, die ich unterwegs gesehen habe, sind interaktive Elemente, die bei Berührung Punkte bringen. Die Punktzahl ergibt sich dann aus der Rutschzeit und der Anzahl der berührten Lichtpunkte. Und man könne von zu Hause aus ein „individuelles Rutscherlebnis gestalten“, so Schwerdtner, indem man am heimischen Rechner vorab Musik und Lichteffekte einstelle. Das habe ich alles nicht ausprobiert. Was sich aber abschließend über so eine millionenschwere Rutsche sagen lässt: Einfach nur rutschen und genießen geht auch.