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| 13:48 Uhr

Reportertausch 2019
Schwebebahn-Enttäuschung und Seilbahn-Diskussion

 RUNDSCHAU-Reporter Daniel Preikschat in Wuppertal.
RUNDSCHAU-Reporter Daniel Preikschat in Wuppertal. FOTO: Daniel Preikschat/LR
Lübbenau/Wuppertal. RUNDSCHAU-Redakteur Daniel Preikschat hat seinen Arbeitsplatz in Lübbenau mit Kollegen anderer Zeitungen getauscht. Aktuell recherchiert er in Wuppertal und ist für die Westdeutsche Zeitung unterwegs. Von Daniel Preikschat

Reporter-Tauschwoche, die ersten Tage. Welche Enttäuschung! Da kommt man mal nach Wuppertal, und dann fährt die berühmte Schwebebahn nicht. Nur ab und zu rauscht ein leerer Zug im Probebetrieb heran. Ein sensationeller Anblick. Eine Bahn, die von den Gleisen runterhängt, unter ihr fließt die Wupper dahin. Müsste schön sein, mitzufahren, denke ich, geht aber leider erst wieder im August nachdem im November 350 Meter Stromschiene runtergefallen sind. Ein Auto wurde getroffen, zum Glück nicht auch der Fahrer.

Statt Schwebebahn gibt es also nun den „Schwebebahn-Express“. Weniger spektakulär, aber auch zuverlässig. Zwischen den beiden größten Wuppertaler Stadtteilen Elberfeld und Barmen pendeln die Busse in dichter Folge hin und her. Auch gut: Die Fahrer sind nett und haben Geduld. Mir wird beim Einsteigen in Elberfeld erklärt, wo ich raus muss, um in Barmen zum Rathaus zu kommen, dabei noch ein Geldschein gewechselt.

Das Rathaus wirkt repräsentativ und wuchtig. Drinnen erfreut mich der Anblick eines Paternoster-Aufzugs. Ich überwinde mich und trete in die offene Kettenaufzugkabine ein, die gerade auftaucht. Ausstieg im zweiten Obergeschoss. Im Ratsaal wird lebhaft diskutiert. Unter anderem über einen Schulneubau, den möglicherweise das kommunale Wohnungsunternehmen realisieren könnte, oder auch über die Verwendung von einer Million Euro Integrationspauschale. Die „grünste Großstadt Deutschlands“, bekomme ich mit, hat noch keine Baumschutzsatzung. Etwas später bekriegen sich Stadträte von Die Linke und Pro Deutschland/Die Republikaner, als es um die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes geht.

Drohen ähnliche verbale Auseinandersetzungen auch in Lübbenau, sollten nach der Kommunalwahl am Sonntag AfD-Stadtverordnete Sitze bekommen, frage ich mich. Gewählt wird in der 350 000-Einwohnerstadt im Bergischen Land am Sonntag auch. Die Wuppertaler entscheiden über den Bau einer Seilbahn, mit der die in Hanglage gebaute Bergische Universität besser erreicht werden kann. 200 000 wahlberechtigte Wuppertaler entscheiden. Es ist in dieser Woche das beherrschende Thema im Wuppertaler Lokalteil der Westdeutschen Zeitung.

Entfernt erinnert mich die Wuppertaler Seilbahn an die Lübbenauer „Brückenschieber“, mit denen Fahrräder neben Stufenbrücken über Spreewaldfließe geschoben werden können. Es geht jeweils um innovative Verkehrsprojekte, die Hindernisse überwinden und den Tourismus voranbringen könnten. Während aber in Wuppertal die Frage noch völlig offen ist, ob das Projekt auch realisiert wird, wurde in der Spreewaldstadt schon entschieden. Die Brückenschieber sind passe´.