Von Philipp Brendel

2000 Tonnen Gurken pro Saison, 10 000 Gläser an einem Tag: Die Produktionszahlen von Spreewald-Rabe sind fast reif fürs Guinnessbuch der Rekorde. Die Kennzahlen, die Elke Garz präsentiert, sind allemal rekordverdächtig.

Sie führt zur RUNDSCHAU-Sommertour am Montag gemeinsam  mit Olga Aksaeva eine etwa 90 Personen starke Gruppe durch die Werkshallen: „Derzeit ist es für die Gurke draußen zu kalt“, erklärt sie.

Die Gäste bekommen deshalb bei der diesjährigen Tour die Produktion von Grilldips wie auch das Einwecken von Sauerkraut präsentiert. Doch auch die Gurke kommt nicht zu kurz: Vom Anbau bis zu ihrem Sprung ins Glas erläutert Elke Garz bis ins kleinste Detail das Schicksal der großen und kleinen Gürkchen. Wer weiß zum Beispiel, dass die Gurken bei gutem, sonnig-warmen Wetter bis zu zweieinhalb Zentimeter am Tag wachsen können.

Bekannt ist die Spreewaldgurke in eingeweckter Form. Die Gurken präsentieren sich jedoch auch als andere kulinarische Kuriositäten: Gurkeneis, Gurkenlikör, Gurkenleberwurst, Gurkenbrot – die Vielfalt kennt keine Grenzen.

Dabei gehört die Spreewaldgurke zu einer reichen Palette von mehr als 200 Produkten, die in den Boblitzer Werkhallen von Spreewald-Rabe produziert werden. Die sechzig festangestellten Mitarbeiter des über 120 Jahre alten Traditionsbetriebs haben über das ganze Jahr hinweg ordentlich zu tun: Ist im Sommer Gurkenhochsaison, so folgen im Herbst Kürbis, Paprika und Rote Beete. „Im Januar und Februar ist dann erstmal Sauregurkenzeit angesagt“, wie Elke Garz mit ironischem Witz erklärt, bis es dann nach Wartung und Anlegen des firmeneigenen Kräutergartens ab Juni wieder in die spannende Phase des Jahres geht.

Die Besucher der Betriebsführung können den Produktionsprozess bei einem vorherrschenden Lärmpegel von über 100 Dezibel in den Hallen hautnah miterleben. Neben der Produktion gibt Elke Garz aber noch weitere informative Einblicke rund um die Gurke und die anderen saisonalen Gemüse. So habe sich die Rezeptur der eingelegten Gurken nach der Wende dem Westgeschmack angepasst. Dabei sind seitdem den Gürkchen 20 Prozent mehr Zucker hinzugefügt worden. Doch auch Geschmackstrends sind flexibel und ändern sich, so dass sich die Produktion der etwas saureren DDR-Gurken wieder lohnt, die nun auch wieder in die Produktpalette aufgenommen sind.

An dieser Stelle bemerkt Michael Hartmann aus Berlin begeistert: „Es ist toll hier so einen ehemaligen DDR-Betrieb zu sehen, der sich bis heute bewährt hat und immer wieder neue Produkte anbietet. Zudem finde ich es gut, dass alle Zutaten aus der Region kommen.“ Natürlich werden auch immer wieder fleißige Mitarbeiter bei Spreewald-Rabe gesucht, die jedoch nicht „Sauerkrautstampfer“ genannt werden, wie Elke Garz scherzhaft sagt, sondern Facharbeiter für Lebensmitteltechnik.

Die Besucher genießen schließlich am Ende der Tour verschiedene Gaumenfreuden bei der mittlerweile traditionellen Gurkenverkostung. Aufgetischt wird die ganze Palette von der süßen Honiggurke über Senfgurke bis zur herben Salz-Dill-Gurke, die schon eher etwas für den Kenner eingelegter Gurken ist. Karin Becker aus Stralsund hat schon ihre persönliche Bestenliste festgelegt: „Mein Favorit ist die Salz-Dill-Gurke, gefolgt von der Knoblauchgurke.“ Ihrem Bruder wird sie auf jeden Fall ein Geschenk mitbringen.

Natürlich gehört die Gurke auch für die Mitarbeiter von Spreewald-Rabe auf den Teller. So müssen die Gurken immer wieder auch verkostet, Rezepturen und Geschmack getestet werden, erläutert Elke Garz und fügt amüsiert hinzu: „Zum Frühstück, Mittag und Abend gibt es Gurken. Danach gönnen wir uns dann auch mal Schokolade.“