Wer meint, schon alles über Günter Georgi in Erfahrung gebracht zu haben, muss sich eines Besseren belehren lassen. Dieses Mal ist es eine Bildbroschüre, die der 1928 in Annahütte geborene und bis 1958 in Senftenberg lebende Allrounder herausgegeben hat.
Auf 28 Hochglanzseiten berichtet der heute in Heusweiler (Saarland) lebende Fotograf von Stationen seines bewegten Lebens. So etwa vom miterlebten Banküberfall, seinen drei Eintragungen im Guinnessbuch, seine wertvolle Autogrammsammlung oder Siegerfotos mit denen er Fotowettbewerbe für sich entscheiden konnte. „Auf den Anfangsseiten sind Bilder aus meiner alten Heimat zu sehen. Fotos mit meinen Eltern oder mein Hochzeitsfoto aus dem Jahr 1949“, berichtet der Träger der Verdienstmedaille des Deutschen Verbandes für Fotografie in Gold.

Lausitzer Kinder gegen Tuberkulose geimpft

Fragen wirft ein Bild auf, das Günter Georgi mit zwei Krankenschwestern vor einem Pkw zeigt. „Das Foto stammt aus einer Zeit, als ich als examinierter Gesundheitsfürsorger tätig war. Unsere Aufgabe bestand darin, Kinder in Lausitzer Orten aufzusuchen, um diese gegen Tuberkulose zu impfen“, erzählt er von einem Lebensabschnitt, den bisher nur wenige kannten.
Insbesondere in den Nachkriegsjahren erkrankten Personen mit schwachem Immunsystem an der Lungenkrankheit, die umgangssprachlich auch Schwindsucht genannt wird.
Die zahlreichen Aktionen des rastlosen Saarländers, Dauerabonnenten der Rundschau und sein Mitwirken in der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur haben ihn mit vielen ranghohen Politikern zusammengebracht. Im vergangenen Jahr waren es u.a. Tobias Hans, Ministerpräsident des Saarlandes, sowie Bundespräsident Frank­-Walter Steinmeier. Begegnungen mit ihnen sind ebenso in der Bildbroschüre festgehalten, wie eine Aufnahme von Kindern, die Großfeldschach spielen. „Das Bild stammt vom Schulhof der Lilien-Grundschule Altdöbern, die ich mehrmals besuchte“, berichtet der 91-Jährige.
Apropos Altdöbern: Im Rahmen einer kleinen Feier, anlässlich der Eröffnung seines Fotoateliers vor 40 Jahren, steuerte Rolf Wünsche kürzlich eine Anekdote mit Günter Georgi bei. So hatte dieser seinerzeit zu einem Fotowettbewerb aufgerufen und Preisträger zur Auszeichnungsveranstaltung ins Senftenberger Schlossparkcenter eingeladen. Regelrecht zusammengezuckt sei der Altdöberner Fotograf, als Günter Georgi ins Publikum rief: Wer ist Rolf Wünsche? Vorkommen!“
Schnell wichen anfängliche Zweifel, als Jurymitglied Günter Georgi mitteilte, dass der Altdöberner in der Wettbewerbs-Kategorie „Kontraste“ mit allen drei eingereichten Fotografien vorn lag. Das Angebot des Saarländers, dass Rolf Wünsche den 1. Preis für seine Kollektion erhalten soll, um zwei anderen Wettbewerbsteilnehmern auch einen Preis zu gönnen, willigte der Altdöberner umgehend ein. Eines der Siegerfotos des heutigen Gemeindevertreters und Vorsitzenden des örtlichen Heimatvereins zeigt den Kontrast zwischen zwei Obstbäumen. „Einer stand in voller Blüte, der andere war von einer dicken Eisschicht umhüllt“, so Rolf Wünsche. Um Blüten vor Frost zu schützen, hatte ein Hobbygärtner einen Wassersprenger angestellt und vergessen, diesen wieder abzudrehen.