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Den Winter austreiben
Rubisko bietet dem Anflug von Winter die Stirn

Zampernd ist der Verein Rubisko am Samstag durch die Lübbenauer Altstadt gezogen. Dabei tragen die Mitglieder traditionelle Kostümen, wie sie zur Spreewald-Fastnacht bereits vor hundert Jahren getragen wurden.
Zampernd ist der Verein Rubisko am Samstag durch die Lübbenauer Altstadt gezogen. Dabei tragen die Mitglieder traditionelle Kostümen, wie sie zur Spreewald-Fastnacht bereits vor hundert Jahren getragen wurden. FOTO: Uwe Hegewald
Lübbenauer. Zum 20. Mal ist der Mueumsverein durch die Lübbenauer Altstadt gezogen.

Erleichterung ist aus den Augen von Andrea Pursche zu lesen. „Alles an Bord“, resümiert die Vereinsvorsitzende auf dem Hof des Hauses für Mensch und Natur. Dort startet die Zamper-Gesellschaft, um in überlieferten Fastnachts-Kostümen durch die Lübbenauer Altstadt zu streifen.

Musste das Vorhaben in der Vorwoche noch krankheitsbedingt abgesagt werden, steht der Jubiläumstour nichts mehr im Wege. „Es ist das 20. Mal, dass wir von Haus zu Haus ziehen“, so Andrea Pursche, die als Zeremonienmeister Takt und Ton angibt.

Auf Heiterkeit einschwören muss sie ihre Mannschaft nicht. Das bekommen auch Teilnehmer zu spüren, die den Zug als Schaulustige begleiten. Spontan fordert Simone Didoff den überraschten Hans-Peter Thomas zu einem Tänzchen auf. Der aus Sachsen Angereiste, lässt sich nicht zweimal bitten. „Ich kenne Zampern nicht. Bei uns in Niesky gibt’s nur Faschingsveranstaltungen“, erklärt er. Von Elita Lugk aus dem benachbarten Ragow habe er den Tipp bekommen, sich „das Schauspiel einmal anzusehen“. An seiner temporären Tanzpartnerin erfährt der Oberlausitzer, wie Zampern im Spreewald funktioniert.

Simone Didoff ist im Verein für die Finanzen zuständig und beim Fastnachtsbrauch für die Eier. „Die werden morgen im Gasthaus Sensenschmiede in Klein Radden in geselliger Runde verputzt“, kündigt sie an.

Rubisko in Lübbenau FOTO: Von Uwe Hegewald

Zu dem Schlemmen in Festtracht seien auch jene Leute eingeladen, die der Zamper-Gesellschaft Türen öffnen und mit kulinarischen oder finanziellen Zuwendungen bedenken. „Es gab auch schon Jahre, da mussten wir die Eier bei den Leuten lassen, damit uns diese auf der Tour nicht erfrieren. Unsere Musiker können die Kälte bestätigen, denen sind fortwährend die Ventile eingefroren“, erinnert sie sich.

Anno 2018 muss das musizierende Quartett keine frostigen Momente fürchten. „Ich sowieso nicht“, bemerkt Roland Scherz, der das Zampern an der Pauke begleitet. Von Anfang an und ohne Unterbrechung sei er dabei, so der Ragower von den tönenden „Fröhlichen Hechten“. Dass ihn die Blechbläser der Band nicht als vollwertigen Musiker einstufen, trägt der Schlagzeuger inzwischen mit Fassung.

Spätestens wenn im Brauhaus Babben frisch gezapftes Bier durch die Kehlen fließt, sei jegliches Stänkern seiner Bandkollegen vergessen. Gendarm Harry Lierka achtet auf maßvollen Alkoholgenuss. Babbens mitgegebenes, hopfenhaltiges Flüssigproviant nimmt er vorsorglich an sich. Nicht ohne Grund: „Ausgefallen ist in den 20 Jahren noch niemand, aufgefallen schon“, räumt der Uniformträger aus Boblitz ein.

Dank seiner Autorität, können sich die Fastnachtsleute ihrer eigentlichen Mission widmen. Andreas Harms, der den altehrwürdigen Erbsstrohbär darstellt kennt den Auftrag. „Den Winter aus der Altstadt vertreiben.“. Die Betonung liegt auf „der“ und nicht „die“ Winter. Die Rede ist von Roswitha Winter, Mitarbeiterin im Spreewald-Museum, die das kostümierte Völkchen mit belebenden Spirituosen empfängt. Ein Gruppenfoto auf den Stufen zum Torhaus gehört zum Ritual, bevor andere Häuser gnadenlos gestürmt werden. Amüsant: Im Haarstudio auf dem Topfmarkt nimmt der Erbsstrohbär Platz und lässt sich von der Doppelten Person das strohige Haar richten. Bei ihr handelt es sich um einzige Figur im Spreewald, der bei der legendären Annemarie-Polka in die Augen geschaut werden kann. „Wir kommen ganz gut miteinander klar“, skizziert Bettina Schulz das Zusammenleben mit ihrer rückwärtsgewandten Zwillingsfigur.

Passen muss die sonst so aufgeweckte Betty, als sie von der RUNDSCHAU nach dem Namen ihrer Doppelgängerin gefragt wird. „Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht. Wir sollten das im Verein Rubisko besprechen und vielleicht eine Namensgebung samt Taufe anschieben“, sagt sie und fügt ergänzend hinzu: „So haben wir wieder einen Grund zum Feiern“.

Dann zieht sie weiter. Der Weg ist noch weit und die Zahl der anzusteuernden Gebäude noch groß, bevor bei „Wurstbruder“ Ingrid Kurz leckerer Kesselgulasch serviert wird und der Zampertag bei Chefin Andrea Pursche gesellig ausklingt.