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Rotes Kreuz hadert mit der Auslastung

Bärbel Tschirschwitz, Leiterin der Tagespflege "Am Mädchenbrunnen", demonstriert dem Sozialausschussvorsitzenden Dieter Garlich, wie der Tastsinn bei Senioren wieder angeregt werden kann.
Bärbel Tschirschwitz, Leiterin der Tagespflege "Am Mädchenbrunnen", demonstriert dem Sozialausschussvorsitzenden Dieter Garlich, wie der Tastsinn bei Senioren wieder angeregt werden kann. FOTO: Jan Augustin
Calau/Lübbenau. Der Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Calau kämpft mit den demografischen Bedingungen im ländlich geprägten Raum. Obwohl es in der Region immer mehr ältere Menschen gibt, habe das DRK mit seinen verschiedenen Angeboten Probleme bei der Auslastung, sagt Geschäftsführer Andreas Möbius. Jan Augustin /

Ein kleines Jubiläum feiert in diesem Jahr die Tagespflege "Am Mädchenbrunnen" in der Cottbuser Straße in Calau. Seit fünf Jahren können dort ältere, meist pflegebedürftige Menschen den Tag verbringen. Sie können dort gemeinsam essen, singen und Zeitung lesen, in Begleitung einen Ausflug auf den Markt machen oder Spiele spielen, die das Gedächtnis trainieren. Es gibt einen Speiseraum mit offener Küche, den großen Ruheraum mit Liegesesseln, das Therapie-Zimmer, Toiletten und eine große Terrasse. Beim Sozialausschuss am Dienstag, der an diesem Abend in ihrer Einrichtung stattfindet, zählt Leiterin Bärbel Tschirschwitz all diese Vorzüge auf. "Jeder Mensch will auch im Alter würdevoll leben", sagt die Krankenschwester.

Das Angebot wird bisher gut genutzt. Im vergangenen Jahr habe die Auslastung bei 80 Prozent gelegen. 16 Gäste können pro Tag betreut werden. Doch kämpft die Tagespflege mit insgesamt vier Mitarbeitern an vielen Tagen um mehr Gäste. "Es ist nicht so, das alles problemlos abläuft", sagt der Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Andreas Möbius.

Es gebe zwar auch Tage mit Überbelegung. Problematischer seien aber die Tage mit zu wenigen Gästen. Als Grund macht Möbius die Bedingungen im ländlich geprägten Raum aus. Zwar gibt es immer mehr ältere Menschen. Doch seien nicht alle Betroffenen bereit, für die Leistung auch zu bezahlen. Hinzukommt, dass das DRK nur 20 Euro für die Abholung des Gastes berechnen dürfe, egal, ob er aus Calau kommt oder Altdöbern. Ein Tag in der Einrichtung kostet für einen Gast mit der Pflegestufe 1 je nach Leistung zwischen fünf und zehn Euro. Den Rest übernimmt die Kranken kasse.

Das Problem der nicht immer optimalen Auslastung betreffe auch die anderen Geschäftsbereiche des DRK - vom ambulanten Pflegedienst, über Behindertenfahrdienst bis hin zur Tagespflege in der Calauer Innenstadt.

Einzig die Schuldnerberatung könne nicht über fehlende Arbeit klagen. Immer mehr Menschen würden eine Insolvenzberatung in Anspruch nehmen. "Das ist zurzeit unwahrscheinlich auf dem Vormarsch", sagt Möbius. Sehr zufrieden sei das DRK indes mit seinem Blutspendedienst. Möbius: "Das hat sich in den letzten Jahren sehr gut entwickelt."

Zum Thema:
Neben der Tagespflege befindet sich auch die Geschäftsstelle des DRK, die Rettungswache, der Behindertenfahrdienst und die Kleiderkammer in Calau. In Lübbenau betreibt das DRK die neue Rettungswache, den Pflegedienst, die Schuldnerberatung, eine Kleiderkammer sowie die Möbelkammer mit angeschlossener Suppenküche. Knapp 120 hauptamtliche Mitarbeiter sind beim DRK Calau beschäftigt.