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Rote Karte für Krügers Kutschen

Frank Krüger ist passionierter Kutscher. Sein Hof liegt wenige Kilometer vom Gräbendorfer See entfernt, dessen Rundweg er nicht befahren darf.
Frank Krüger ist passionierter Kutscher. Sein Hof liegt wenige Kilometer vom Gräbendorfer See entfernt, dessen Rundweg er nicht befahren darf. FOTO: uhd1
Ranzow/Calau. Frank Krüger fühlt sich ausgebremst. Seit 1971 sitzt der Einwohner von Ranzow (Gemeinde Altdöbern) auf Kutschböcken, hat in neue Pferdefuhrwerke oder Kremser mit Scheibenbremsen und Lichtanlagen investiert und sein Hobby teilweise zum Beruf gemacht. Uwe Hegewald / uhd1

Seine romantischen Ausfahrten bilden ein Standbein für den selbstständigen Landwirt. Für den Gräbendorfer See, mit seiner naturbetonten Ausrichtung ist das jedoch offenbar zu romantisch. "Von der Kreisverwaltung habe ich eine Absage erhalten, den Geh- und Radweg um den Gräbendorfer See zu benutzen. Ausgerechnet an dem See, an dem sanfter Tourismus einen besonderen Stellenwert einnimmt", beklagt er.

Rosemarie Mettcher vom Kreisamt für Straßenverkehr und Ordnung bedauert, "keinen günstigeren Bescheid geben zu können". Vorausgegangen war ein Anhörungsverfahren mit betroffenen Amtsgemeinden (Baulastträger) des Rundweges sowie der unteren Verkehrsbehörde des Landkreises Spree-Neiße und der Polizeidirektionen für die Landkreise OSL und SPN. Von den Behörden wurde eingeschätzt, dass der Rundweg eine zu geringe Breite für mögliche Begegnungen zwischen Radfahrern und Kutschen aufweist.

"Die Reisegeschwindigkeit beträgt maximal sechs km/h. Da sind Radfahrer deutlich schneller unterwegs", hält Frank Krüger dagegen, der 2003 in Guben sein Fahrabzeichen erworben hat. "2014 ging es nach Moritzburg, um dort die Prüfung für den Gespann-Führerschein abzulegen", erzählt er. In seinem Antrag auf Sondergenehmigung beteuerte er, Radfahrern, Wanderern oder Skatern Vorrechte einzuräumen und bei Ausweichmöglichkeiten diese zu nutzen.

Der Kreisbehörde reichen diese Argumente nicht: "Die Zusammensetzung des Fahrradverkehrs - wie Liegeräder oder Fahrräder mit Anhänger - hat sich in den letzten Jahren verändert. Es wird befürchtet, dass gefährliche Überholvorgänge durch größere Fahrradgruppen mit eventuellen Kindern und/oder Fahrradanhängern zu Unfällen führen können", heißt es in dem Schreiben. Hinzu kämen schlecht einsehbare Kurvenbereiche und zu wenig Ausweichmöglichkeiten, begründet Rosemarie Mettcher die Ablehnung.

Frank Krüger hat dafür kein Verständnis. "Es ist doch nicht so, dass ich permanent am Gräbendorfer See unterwegs bin. Ich gehe von sieben bis zehn Fahrten im Jahr aus", hadert er mit der Ablehnung. In der Branche gilt Frank Krüger als professioneller Kutschenführer mit sicheren und ausgebildeten Pferden. Dass Mitmenschen eine Personen-Beförderung mit Pferden zuwider ist und sie in ihrer Abneigung fadenscheinige Argumente ins Feld führen, dieses Bild ergab sich für Frank Krüger erst kürzlich. So soll er zu einer widerrechtlichen Benutzung des Rundweges am 7. Juli Stellung nehmen, den er gar nicht befahren hat. "An dem Tag habe ich in Altdöbern ein Brautpaar chauffiert. Bei der zuständigen Sachbearbeiterin der Stadt Vetschau fragte ich höflich, ob 20 Zeugen genügen, um die Anschuldigung zu entkräften", so der Pferdefreund mit etwas Selbstironie.