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| 18:35 Uhr

Grabungsfunde
Römermünzen in Klessow entdeckt

Einige der Funde, die in Groß Klessow gefunden wurden, bekamen Besucher des Stadtforums im Lübbenauer Rathaus zu sehen.
Einige der Funde, die in Groß Klessow gefunden wurden, bekamen Besucher des Stadtforums im Lübbenauer Rathaus zu sehen. FOTO: LR / Daniel Preikschat
Groß Klessow. Vier Monate haben Archäologen eine zwei Fußballfelder große Fläche erkundet. Eine Auswahl der mehr als 2000 uralten Funde bekamen kürzlich die Lübbenauer zu sehen. Von Daniel Preikschat

Dort, wo einmal die Spreewaldstadt Lübbenau entstehen sollte, waren vor langer Zeit römische Münzen Zahlungsmittel gewesen. Zu dieser Erkenntnis kamen Archäologen bei Grabungen im Ortsteil Groß Klessow. Insgesamt fanden Mitarbeiter der Cottbuser Fachfirma ABBU (Archäologische Baubegleitende Untersuchungen) vergangenes Jahr im Erdreich einer 20 000 Quadratmeter großen Fläche sogar 2022 Funde beziehungsweise Befunde. Darunter zahllose Klingen, Schaber, Pfeil- und Messerspitzen sowie Gefäßreste, aber auch einen halben Mühlenstein, Teile eines Brunnens und Schmuck, der die Jahrhunderte fast schadlos überstanden hat.

Eine kleine Auswahl der Fundstücke bekamen Besucher des Lübbenauer Stadtforums kürzlich im Rathaus zu Gesicht. Traditionellerweise wird bei dem Forum über geplante Vorhaben und Veranstaltungen im neuen Jahr berichtet, meist stellt sich außerdem ein Verein vor. Vergangene Woche nun durfte auch Anke Herrmann vorsprechen. Die Archäologin war dankbar für die Gelegenheit, vor Publikum um Verständnis und Akzeptanz zu werben für die gesetzlich nun einmal verpflichtenden Bodenuntersuchungen. Bearbeitet wurde eine Fläche, die künftig als Erdbecken genutzt wird, um nach Starkregen Niederschlagswasser aus dem neuen Regenrückhaltebecken in der Linden­allee aufzunehmen. 4,2 Millionen Euro kostet es, das Bauvorhaben umzusetzen. Immerhin 300 000 Euro wurden fällig für die archäologischen Untersuchungen, so Bürgermeister Helmut Wenzel (parteilos). Zahlen musste der Bauherr, also die Stadt Lübbenau. Mit dem Landesamt für Denkmalschutz einigte man sich zuvor über den Untersuchungszeitraum und die Größe des Untersuchungsgebietes.

Die Archäologen, so Anke Herrmann, haben die Zeit von Ende Juli bis Ende November 2017 gut genutzt. Mit einem kleinen Bagger wurden systematisch Oberflächenstreifen in die Landschaft gezogen. Je nach Erdverfärbung ging es dann tiefer ins Erdreich, um mit Schaufel und Kelle die Funde freizulegen, die dann in Cottbus gereinigt, fotografiert und näher untersucht wurden. Die Münzen, sagt die Wissenschaftlerin, haben sehr wahrscheinlich nicht die Römer selbst dorthin mitgeführt, wo gut 1000 Jahre später ganz in der Nähe die Spreewald­stadt Lübbenau gegründet wurde. Anke Herrmann geht vielmehr davon aus, dass es Handeltreibende waren, die mit den Römern Geschäfte gemacht haben.

Die meisten anderen Groß Klessower Funde sind weitaus älter als die beiden Münzen. Glasperlen, Nadeln und Haken stammen aus der älteren Eisenzeit von 800 bis 450 vor Christus. Mehrere tausend Jahre alt sogar sind viele der kleineren Fundstücke, Schaber, Klingen, Bohrer. Laut den Schätzungen der Cottbuser Archäologen waren sie 7000 bis 2300 vor Christus in Gebrauch. Den Brunnen, von dem noch Reste vorhanden waren, dürften Slawen im 7. Jahrhundert erbaut haben.

Die Funde waren nur für die Dauer des Stadtforums zu sehen gewesen. Sie werden nun beim brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege in Wünsdorf aufbewahrt, so Anke Herrmann. Dass sie einmal in Lübbenau dauerhaft in einer Ausstellung gezeigt werden, daran sei derzeit nicht gedacht.