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| 19:06 Uhr

Rock in Wotschofska
Smokie rockt Wotschofska

 Rocklegenden wie Smokie haben in diesem Jahr erneut in Wotschofska gerockt. Zuvor hat Chris Thompson mit seiner Band für Stimmung gesorgt.
Rocklegenden wie Smokie haben in diesem Jahr erneut in Wotschofska gerockt. Zuvor hat Chris Thompson mit seiner Band für Stimmung gesorgt. FOTO: Peter Becker
Lübbenau. Rockstars der 1970er-Jahre locken tausende Fans in den Spreewald. Von Peter Becker

Die ersten Kähne legen bereits an der Traditionsgaststätte Wotschofska an, als der Soundcheck noch in vollem Gange ist. Chris Thompson und seine Band feilen noch an Technik und Lautstärke. Danach bleibt noch etwas Zeit für ein kurzes Interview mit dem Sänger, der mit Manfred Manns Earth Band seinen größten Erfolg 1977 mit „Blinded by the Light“ hatte.

Der Spreewald sei ihm völlig unbekannt und der Erstkontakt auch erstmal ein wenig enttäuschend. „Wir wurden auf dem Weg ordentlich durchgeschüttelt, solch schlechte Straßen hatten wir – glaube ich – noch nie auf dem Weg zum Veranstaltungsort“, urteilt der 71-Jährige über die Anreise der Band. Daniel Schmidgunst, Organisator des Rockfestivals im Spreewald, ahnt das bereits und hat zum Ausgleich bereits ein Trumpf im Ärmel: Er hat einen Kahn organisiert und stakt die Band eigenhändig um die Insel.

Wie immer sind auch die meisten Besucher des Konzerts mit dem Kahn angereist, teilweise in mehrstündiger Anfahrt, wie Burger und Lübbener. Das Wetter bleibt in diesem Jahr gnädig – das angekündigte Gewitter findet ausschließlich auf der Bühne statt. Zum Ende des einstündigen Auftritts der Thompson-Band laufen Musiker und Zuschauer zur Höchstform auf. Zu den Hits „Migthy Quinn“ und „Davy’s on the road again“ reißen die Zuschauer Begeisterungsstürme los. Erst mit „Freedom for all“ wird es wieder ruhiger und nachdenklicher.

Nachdenklichkeit und manchmal auch etwas Wehmut spiegelten sich in den Meinungen der Konzertbesucher wider. Gabriela Kandow aus Lübbenau ist mit ihrer Berliner Freundin Christiane Becker gekommen, ihnen gelingt sogar ein Foto mit Chris Thompson. Christiane Becker: „Ich bin gekommen, um meine Jugenderlebnisse aufzufrischen – was rundum gelungen ist. Ich bin so glücklich.“ Um Jugenderlebnisse geht es auch bei Jürgen Othmer, Vorsitzender der Freunde der LübbenauBrücke: „Diese Musik begleitete mich durch meine Jugend, Erinnerungen werden wach“, sagt er.  „Elli Berlin“ holt sich vielmehr Anregungen für ihre eigenen Konzertauftritte. Die Lübbenauer Künstlerin trat 2011 im Vorprogramm von ELO mit Phil Bates beim Rock in Wotschofska auf. „Ich hole mir hier Inspiration für meine Auftritte als ‚Null Positiv‘“, sagt sie mit Hinblick auf ihre Darbietung beim M’era Luna Festival am kommenden Wochenende in Hildesheim.

Inzwischen hat Guido Lerch die Übergangspause zwischen Ab- und Aufbau moderiert, nicht ohne einen kleinen Seitenhieb auf die Zuschauer loszulassen: „Der Applaus ist gegenüber den Vorjahren etwas dürftig geworden. Vermutlich fehlt die dritte Hand, zum Applaudieren, ich sehe nur hochgereckte Smartphones!“ Die Techniker tauschen inzwischen  aus, was auszutauschen ist, die Künstler bereiten sich auf ihren Arbeitsplatz vor und schon geht es weiter: Smokie stürmt die Bühne, begrüßt werden sie von johlenden Zuschauern.

Die Band hatte ebenfalls in den 1970er-Jahren ihre größten Erfolge mit „Living Next Door to Alice“ und „Lay Back in the Arms of Someone“, damals noch mit ihrem charismatischen Sänger Chris Norman, der 1986 die Band verließ. Ihm folgte Alan Barton, der 1995 bei einem Verkehrsunfall in Deutschland sein Leben verlor. Seit dieser Zeit steht Mike Craft der Band als Sänger vor, von der Anfangsbesetzung ist nur noch Terry Uttley, der Bassist, dabei.

Ihre größten Hits heben sich die Musiker bis zum Schluss auf und entlassen damit ihr Publikum in die Spreewaldnacht. Langsam kehrt Ruhe ein, jeder sucht seinen Kahn, Fahrrad oder auch nur die Taschenlampe, um den Heimweg anzutreten. Lübbenaus Bürgermeister Helmut Wenzel schultert ebenfalls seinen Rucksack. Auch ihm ist eine gewisse Nachdenklichkeit anzumerken, nicht nur wegen der Musik und den mitreißenden Texten, sondern auch wegen des nun zu Ende gegangenen 11. Rockkonzerts. „Das ist die Erfolgsnummer, auf die wir berechtigt stolz sein dürfen. Es ist einfach nur gut, dass es Leute wie Daniel Schmidgunst und die von Sound Promotion gibt, die von Jahr zu Jahr immer noch eins drauflegen und das Rock-Erlebnis perfektionieren. Wir als Besitzer der Wotschofska-Immobilie werden weiter das Unsrige tun, um die Traditionsgaststätte an die gewachsenen Aufgaben anzupassen“, sagte Wenzel.

 Rocklegenden wie Smokie haben in diesem Jahr erneut in Wotschofska gerockt. Zuvor hat Chris Thompson mit seiner Band für Stimmung gesorgt.
Rocklegenden wie Smokie haben in diesem Jahr erneut in Wotschofska gerockt. Zuvor hat Chris Thompson mit seiner Band für Stimmung gesorgt. FOTO: Peter Becker