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| 18:07 Uhr

Rock in Wotschofska
„Das ist schon einzigartig“

 Daniel Schmidgunst
Daniel Schmidgunst FOTO: Silvano Procopius
Lübbenau. „Rock in Wotschofska“ ist bis weit über die Grenzen von Lübbenau bekannt. Die Tickets sind jedes Jahr in kürzester Zeit weg. Cheforganisator Daniel Schmidgunst erzählt, wie das Rockkonzert zu einer erfolgreichen Marke geworden ist. Von Daniel Preikschat

Herr Schmidgunst, beim Vorverkauf der Karten für „Rock in Wotschofska“ bricht bei Ihnen in der Tourist-Information regelmäßig der Ticketserver zusammen.

Schmidgunst: Stimmt leider, wir können es aber nicht rechtfertigen, einen leistungsfähigeren Server anzuschaffen, der nur das eine Mal im Jahr so in Anspruch genommen wird. Wir sind dran, es mit der Technik, die wir haben, künftig besser hinzukriegen.

Warum verkaufen Sie die Tickets immer am 6. Dezember. Mit Rücksicht auf die Brutzeit der Tiere findet das Konzert  erst Ende Juli, in diesem Jahr Anfang August statt.

Schmidgunst: Die Idee war, dass die Tickets so auch zu Weihnachten verschenkt werden können. Außerdem kann man sich das Datum Nikolaustag gut merken und verpasst nicht den Vorverkauf.

 Albert Hammond war 2015 zu Gast.
Albert Hammond war 2015 zu Gast. FOTO: Silvano Procopius

Den größeren Teil der Karten verkaufen Sie in der Touristinformation. Lange bevor Sie öffnen, stehen die Menschen Schlange. Warum ist „Rock in Wotschofska“ so beliebt?

Schmidgunst: Die Ausflugsgaststätte selbst ist ja schon Kult und die Lage für so ein Event einzigartig. Ein Besucher hat mir beim Konzert letztes Jahr erzählt, dass er früher die Hits von Hot Chocolate drinnen im Gasthaus Wotschofska gehört hat. Jetzt könne er die Band hier live draußen hören. Die Besucher können in Erinnerungen schwelgen und die Hits der Rockbands aus den Siebziger Jahren mitsingen. Da entsteht eine schöne Partystimmung.

In Wotschofska spielen Rockbands aus den Siebzigern ihre Riesenhits auf einer Kleinbühne im Spreewald. Ging dieses Konzept gleich am Anfang auf?

Schmidgunst:Das erste Mal spielten Heinz Rudolf Kunze und Purple Schulz. Da kamen etwa 500 Leute, bei Julia Nigel ein Jahr später waren es 200. Wir sind die Karten eher schwer losgeworden. Dann spielten Phil Bates und Band die E.L.O.-Hits. Alle 1000 Tickets gingen weg. Als die mit „Confusion“ anfingen, habe ich eine Gänsehaut bekommen.

 Kennie Simon trat  2018 mit Hot Chocolate auf
Kennie Simon trat  2018 mit Hot Chocolate auf FOTO: Silvano Procopius

Danach gingen die Tickets immer alle weg.

Schmidgunst:Ja, „Rock in Wotschofska“ ist inzwischen zu einer Marke geworden, die eben für viele ein Veranstaltungshöhepunkt im Jahr ist. Ich meine, wo fährt man schon mit einem Kahn zu einem Rockkonzert? Das ist schon einzigartig.

 Suzi Quatro rockte 2013.
Suzi Quatro rockte 2013. FOTO: Silvano Procopius

Wie schaffen Sie es, Sweet, Slade oder jetzt am Wochenende Smokie dazu zu bewegen, auf einer entlegen Erleninsel aufzutreten?

Schmidgunst: Ich schaffe das ja nicht allein. Ich arbeite sehr gut mit einer Agentur zusammen, die von „Rock in Wotschofska“ begeistert ist und sehr gute Kontakte im Musikbusiness hat. Auch ohne die professionelle Gastronomie, also jetzt Torsten Teichert, und die Kahnfährleute könnten wir „Rock in Wotschofska“ gar nicht anbieten. Und auch nicht ohne die 1000 Besucher jedes Mal. Durch die Ticketeinnahmen können wir den Bands das Honorar zahlen, An- und Abreise, Hotel und Versorgung.

Haben die britischen Rockstars vom Spreewald schon mal gehört?

Schmidgunst: Nein. Es ist anfangs auch befremdlich für sie, auf einem Plattenweg eine Dreiviertelstunde durch den Wald zu einer Kleinbühne gefahren zu werden. Konzertbesucher, die im Kahn kommen, das kennen sie natürlich auch nicht. Hot Chocolate fuhr letztes Jahr aber selbst auch im Kahn zum Konzert. Albert Hammond blieb nach dem Auftritt noch eine Weile im Backstagebereich.

Kommen Sie selbst manchmal auch ins Gespräch mit den Musikern?

Schmidgunst: Manchmal schon. Mit den Musikern von Showaddywaddy habe ich über die Unterschiede zwischen dem englischen und deutschen Fußball geplaudert – das war amüsant.

Sie spielen selbst bei den Haystackers, einer Rockband. Ist das von Vorteil für „Rock in Wotschofska“?

Schmidgunst: Es schadet jedenfalls nichts. Ich kann einschätzen, welchen Bedarf eine Rockband hat, welche Ansprüche an eine Konzertstätte. Musiker wollen Menschen glücklich machen. Das wollen wir auch mit unserer Band. Für mich ist es aber auch schön zu sehen und eine Befriedigung, wenn andere Musiker Menschen glücklich machen. Das kann ich bei „Rock in Wotschofska“, deswegen mache ich den Job so gern.

Wird es für Sie nicht immer schwieriger, noch Bands aus den Siebzigern mit Hits und klangvollem Namen zu finden?

Schmidgunst: Es wird wirklich immer schwerer. Die bekannten Glamrock-Bands aus der Zeit waren nun schon fast alle da. Allerdings gibt es mit Bands aus dieser Zeit sicher noch Möglichkeiten. Mit Rockbands aus den Achtzigern wird es da schon schwieriger. Die guten, die mir einfallen, wie U2, Bryan Adams oder natürlich Bruce Springsteen füllen heute noch große Stadien. Die kriegen wir eher nicht in den Spreewald.

Haben Sie schon einmal daran gedacht, andere musikalische Stilrichtungen zuzulassen?

Schmidgunst:Der Name „Rock in Wotschofska“ sagt ja schon, dass Schlager oder Volksmusik ausgeschlossen sind. Ich persönlich finde die Indie-Rock- oder Folk-Rock Szene interessant – Künstler wie Glen Hansard, Dawes oder Arcade Fire. Vielleicht ist ja im Deutschrockbereich mal wieder etwas möglich, so wie im ersten Jahr. Die Partystimmung bei „Rock in Wotschofska“ soll aber auf jeden Fall erhalten bleiben.

Und die Haystackers?

Schmidgunst:Wir spielen übernächstes Wochenende in Doberlug-Kirchhain bei „Rock am Schloss“.