Das zu- und abflusslose Kesselmoor, in dessen Mitte der acht Hektar große See glitzert, hat eine romantische Seite. Warm fällt das Herbstlicht auf die umstehenden Gräser und lässt die Umgebung in tiefen Farben leuchten. Der See leuchtet blau, wie ein Auge eingebettet in den Höhenzug der Krausnicker Berge. Kleine Wellen bringen die Oberfläche in der Mitte zum Glänzen. Revierförster Peter Paulick und seine Kollegen Hartmut Förster, Gunter Emmrich und Dirk Anhalt vom Amt für Forstwirtschaft suchen nach den typischen Moorpflanzen wie Sonnentau, Sumpfporst und Moosbeere, die sich in dem einzigartigen Naturschutzgebiet angesiedelt haben. Sie wissen, dass schon viel getan ist, um den Luchsee zu erhalten. Auswirkungen wird man allerdings erst in Monaten, vielleicht sogar erst in Jahren sehen.

Bewohner der umliegenden Dörfer kennen den Luchsee als Ausflugsgebiet. Familienfotos dokumentieren Pegelstände aus besseren Zeiten. Sie stecken in einem dicken Aktenpaket über das Kesselmoor, das Paulick unter den Arm geklemmt hat. Wer sich dort früher den Sonntagnachmittag beim Angeln vertrieb, wird aber auch gewarnt worden sein. Denn das Moor hat eine tückische Seite. Sein jüngstes Opfer ist ein Hirsch. Nur noch die Nasenlöcher und ein Teil des Geweihs ragen aus dem schwarzen Schlick. Spuren des verzweifelten Versuchs, sich zu befreien, sind deutlich sichtbar. Der zu Lebzeiten imposante Kronen-Zwölfender hat es nicht geschafft.

Wasserpegel des Luchsees sinktIdylle und Gefahr - der Luchsee hat beides. Entstanden mit dem südlichsten Eisvorstoß des Jungpleistozäns gehört er zur Endmoränenpartie der Krausnicker Berge und ist Tausende von Jahren alt. Die Austrocknung, die ihm jetzt geschieht, hat er noch nie erlebt. Das sei "erstmalig in der Geschichte des Luchsees", sagt Peter Paulick, und eine Tendenz der vergangenen 30 bis 35 Jahre.

Hochwasserschutz und Entwässerung zum Ende der DDR-Zeiten macht das Biosphärenreservat Spreewald als einen der Gründe dafür aus, weshalb der Wasserspiegel des Luchsees um rund 1,5 Meter abgesackt ist und weiter sinkt. Das geschieht deutlich schneller als bei den kleineren, aber vergleichbaren Moorseen Meiereisee und Lichtesee. Das Biosphärenreservat gehört zu der Reihe von Institutionen, die 2005 Experten in eine Arbeitsgruppe geschickt haben. Ihr Ziel: Den Luchsee zu retten.

Aufgaben in drei Bereichen sollen helfen. Zum einen mussten die Pflegerückstände in den Kiefernwäldern rund um das Kleinod der Natur abgebaut werden. Peter Paulick erklärt, warum das so wichtig ist. Weil der idyllische Ort zu DDR-Zeiten zu den Premium-Jagdgebieten der Funktionäre gehörte, wurde wenig gefällt. Das Resultat ist, dass sich dichte Kiefernwälder gebildet haben, deren Bäume in einem Alter sind, in dem die Kronen dicht zusammenstehen und so gut wie kein Wasser durchlassen. "Damit konnte keinerlei Grundwasserbildung stattfinden", so Paulick.

Die ist aber entscheidend für den See, denn er hat keine eigenen Zu- und Abflüsse. Also haben die Mitarbeiter des Amtes für Forstwirtschaft seit 2002 gerodet und ausgelichtet. Riesige Stapel von Bäumen und Ästen an den Wegrändern zeugen davon. Eine Spezial-Maschine soll daraus nächstes Frühjahr Hackschnitzel zum Heizen herstellen.

Die Größenordnung des Problems macht Paulick klar, indem er den Besucher gedanklich mitnimmt in die Vogelperspektive. Von oben gesehen ist der Luchsee der kleinste Teil des Kesselmoores, das sich auf rund 57 Hektar erstreckt und ringsum von den Höhenzügen der Krausnicker Berge begrenzt wird. Das oberirdische Einzugsgebiet des Sees schätzt Paulick auf rund 570 Hektar. "Davon sind knapp 500 Hektar Wald, der zu 95 Prozent aus Kiefern besteht". Nicht alle sind in dem Alter, in dem der Regen wenig Chancen hat, durch die dichte Krone auf den Boden zu fallen. Aber viele. Und viele von ihnen stehen nun nicht mehr auf fast 500 Hektar, die zugunsten des Luchsees nun komplett durchforstet sind.

Diese frühzeitige "Ernte" hat Ertragseinbußen in Höhe von 1,5 Millionen Euro zur Folge.

Erhaltung des Moores wird teuerÜberhaupt ist die Rettung des einzigartigen Moores eine teure Angelegenheit. Denn Punkt zwei der Vorhaben beinhaltet den Waldumbau. Auf geeigneten Böden geht es weg von der monotonen Kiefernkultur und hin zu Laubmisch- oder gar reinen Laubwäldern. Diese lassen deutlich mehr Wasser durch und tragen somit zur Rettung des Luchsees bei. Rotbuche und Traubeneiche sind schon jetzt in Größenordnungen gesät. 310 000 Euro sind für den Waldumbau auf 66 Hektar im Forstrevier Brand seit 2002 geflossen.

Richtig teuer wird es mit Punkt drei, der "Entkusselung". Zwei Hektar kosten rund 25 000 Euro, haben jetzige Berechnungen ergeben, und zig Hektar sind zu bearbeiten. Entkusselung bedeutet, die auf dem Moorkörper gewachsenen Kiefern und Birken auszudünnen. Eigentlich könnten sie dort gar nicht wachsen - wenn das Moor das wäre, was es einmal war. Der Boden ist ausgetrocknet und fester geworden.

Das bedeutet für die Bäume, dass sie nicht mehr ab einer gewissen Größe und eines gewissen Gewichts umfallen, weil sich die Wurzeln im Moorboden nicht halten können.

Heute ist das anders. Bülten zeugen davon: Das sind die Grasbüschel, die auf der ehemals moorigen Oberfläche wachsen konnten. Dazwischen stand das Wasser. Die Gräser ragten als kleine Inseln heraus. Heute sind sie vertrocknet und recken sich bis zu einem halben Meter nach oben. Der Wasserstand ist gesunken, der Boden nachgerutscht, durch die Trockenheit fester geworden. Bäume konnten wachsen und dem Moor weitere Feuchtigkeit entziehen.

Sie müssen von Hand mit der Motorsäge gefällt werden. Der Traktor bleibt auf festem Boden und zieht die Stämme mit einem langen Seil heraus. Eine zeitaufwendige Aufgabe mit viel Handarbeit, daher teuer. Die Birken seien komplett herausgenommen worden auf den Flächen, auf denen die Entkusselung schon abgeschlossen ist, so Paulick. Von den Kiefern stünden noch rund 60 Prozent. Ihre Kronen werden lichter, sie lassen mehr Regen durch und werfen gleichzeitig Schatten, der einer Vergrasung entgegen wirkt.

Von rund 45 Hektar Moorlandschaft müssten 35 bis 40 Hektar entkusselt werden, so Paulick. "Da sind wir erst am Anfang." Wo die weitere Finanzierung herkommen soll, ist noch unklar.

Immer wieder TiefschlägeDie Zeiten, in denen an einem Graben am Rande des Sees eine Kahnanlegestelle war und geangelt wurde, sind lange vorbei und werden so bald nicht wiederkommen. Die Luchsee-Liebhaber müssen Tiefschläge hinnehmen, wenn sie feststellen, dass seit März 2006 der Wasserstand um weitere 60 Zentimeter gefallen ist. Doch sie geben nicht auf. Über Projektgruppen soll überlegt werden, an welchen Stellschrauben noch gedreht werden kann, um das Moor mit dem glitzernden See in der Mitte zu erhalten. Eines der nächsten Projekte ist, einen Graben zu schließen, über den Grundwasser abgezogen wird. Dann heißt es weitersehen, weitermachen und Geduld haben.