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| 18:09 Uhr

Schach
Remis oder Matt

74 Schüler aus Lübbenau und Großräschen haben sich Freitag bei einem Turnier im Paul-Fahlisch-Gymnasium (Lübbenau) im Schach gemessen.
74 Schüler aus Lübbenau und Großräschen haben sich Freitag bei einem Turnier im Paul-Fahlisch-Gymnasium (Lübbenau) im Schach gemessen. FOTO: LR / Stephan Meyer
Lübbenau. Schach fristet in Lübbenau kein Schattendasein. 74 Schüler traten beim Turnier gegeneinander an. Von Stephan Meyer

Spanisch eröffnen und den Bauern E2 auf E4 setzen? Oder doch geschlossen spielen und vielleicht holländisch beginnen? Fragen, über die sich nicht nur Schachprofis den Kopf zerbrechen. Am Freitag rauchten bei den Schachprofis von morgen die Köpfe. Schüler aus Lübbenau und Großräschen haben sich gegenseitig am Freitag  im strategischen Brettspiel bei einem Turnier gemessen.

37 Schachbretter reihten sich auf den Tischen in der Aula des Lübbenauer Paul-Fahlisch-Gymnasiums aneinander. 74 Schüler hatten sich angemeldet. Angesichts der regen Teilnahme lag der Gedanke fern, dass Schach in der Öffentlichkeit ein Schattendasein fristen könnte. Die Kinder waren konzentriert bei der Sache. Einige spielen bereits im Verein oder nehmen Schachangebote in ihrer Schule wahr. 80 Schüler aus Lübbenau unterrichtet die Spreewälder Schachgemeinschaft, so Vorstandsmitglied Sabine Herrmann. Der Verein hat eine Kooperationsvereinbarung mit verschiedenen Schulen. 20 Schüler sind inzwischen Vereinsmitglieder. „Viele haben bei den Eltern, Großeltern oder im Hort ihre erste Begegnung mit Schach“, erzählt die Schachtrainerin und Schiedsrichterin. „Sie kommen aber mit Halbwissen.“

Im Verein und in den Schulangeboten sind aber auch Kinder und Jugendliche willkommen, die keine Vorkenntnisse haben. Mit Lernheften und Spielen, wie dem Pferdeapfelspiel, werden die Funktionsweisen der einzelnen Figuren verinnerlicht. Wie das Spiel geht, musste den Schülern am Freitag jedoch nicht mehr erklärt werden. „Doch sie spielen meist viel zu schnell“, gesteht Sabine Herrmann. 15 Minuten Bedenkzeit hatte jeder Spieler bei jeder Partie, die somit bis zu einer halben Stunde hätten dauern können. Gespielt wurde in vier Gruppen, die die Klassen eins bis zehn abdeckten. Die jüngste Spielerin war sechs Jahre alt und geht noch in den Kindergarten. Sie hatte einmal gewonnen und drei Remis geschafft.

Schachtrainer Heribert Herrmann (20) erklärt einem Turnierteilnehmer nach der Partie, wie er seinen Gegner hätte Matt setzen können.
Schachtrainer Heribert Herrmann (20) erklärt einem Turnierteilnehmer nach der Partie, wie er seinen Gegner hätte Matt setzen können. FOTO: LR / Stephan Meyer

Das Abräumen der gegnerischen Spielfiguren fiel den meisten Schülern während des Turniers sehr leicht. „Doch wenn es an das Gewinnen, an das Matt setzen geht, haben so manche noch ihre Schwierigkeiten“, weiß Sabine Herrmann. Im Verein und in den Schulangeboten werden bestimmte Situationen noch einmal nachgespielt.

Keine Frage, beim Schach strengen die Spieler ihr Köpfchen an. Doch der Sport hat nicht nur einen positiven Einfluss auf die geistige Leistung. Das belegt die Studie „Schach für Kids“, die in mehr als 160 Einrichtungen durchgeführt wurde. Spielerisch eingesetzt stärkt Schach das Sozialverhalten und das Selbstbewusstsein und fördert die Willenskraft und Kommunikation.

„Es wird ja oft diskutiert, ob Schach überhaupt ein Sport ist“, erzählt Sabine Herrmann. Für sie ist das gar keine Frage. „Der Kopf steht bei einer Partie die ganze Zeit unter Hochspannung“, erklärt die Lübbenauerin. Und so eine Partie kann mitunter bis zu fünf Stunden dauern. Alle Muskeln werden dabei beansprucht. Sabine Herrmann zitiert in dem Zusammenhang gern Albert Einstein. „Schach ist die schnellste Sportart von allen. Viele Gedankenprozesse laufen in wenigen Sekunden ab.“ Auch wenn Schach keine olympische Sportart ist, so wurde das „Spiel“ vom Internationalen Olympische Komitee als Sport anerkannt.