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| 15:21 Uhr

Reisebericht vom 27. Januar - Es gibt immer hilfsbereite Menschen

Götterskulpturen spielen in vielen indischen Familien eine große Rolle.
Götterskulpturen spielen in vielen indischen Familien eine große Rolle. FOTO: Simone Brüggemann-Riemer (LR-LUE-RED-152)
Indien. Es ist der 16. Tag unserer Reise: Wir fuhren wieder früh los, konnten die Nacht ehe nicht schlafen, weil genau in dieser Nacht die Straße vorm Hotel neu geteert wurde. Wir überquerten viele ausgetrocknete Flüsse. Simone und Steffen Riemer

An einer Brücke entdeckten wir Krokodile im flachen Wasser. In Gangakondacholapuram besichtigten wir einen Tempel. Der fast 60 Meter hohe, mit herrlich gearbeiteten Götterskulpturen übersäte Vimana-Turm ist weithin sichtbar. Jedes Dorf hat seine kleinen Tempel und an einem turnten viele Affen herum. Als ich fotografieren wollte, waren sie alle auf und davon. Ein Mann stand an der Einfahrt seines Hauses gleich nebenan. Er winkte mir zu, ich sollte auf den Hof kommen, da könne ich die Affen fotografieren. Wir kamen ins Gespräch, seine Frau und seine Mutter kamen dazu und luden uns zum Kaffee ein. Er zeigte uns sein Elternhaus, wo er aufgewachsen ist und stolz sein eigenes neues Haus. Er arbeitete lange Zeit in Dubai und ansonsten sind sie in der Familie Farmer. Unser Ort zum Übernachten war mal wieder sehr dreckig und laut. Es gab drei Lodges in Vriddhachalam, wir durften nicht wählerisch sein und nicht genau hinsehen. Wir haben für solche Fälle immer unseren eigenen Schlafsack mit.

17.Tag: Wie gerädert fuhren wir im Morgengrauen los und kamen durch eine sehr arme Gegend. Es bedrückte uns, das zu sehen. Hütten, in denen man nicht mal stehen kann. Kinder spielten im Dreck und in den Abwässern. Indien ist voller Gegensätze: Es ist farbenfroh und gleichzeitig so dreckig, voller Kultur und bietet doch keine Chancen für die unterste Kaste, die Unberührbaren. Die Sonne ging auf und die Landschaft änderte sich. Wir sahen Bauern in den Reisfeldern, Rohzucker wurde geerntet und auf LKW verladen. Dann hielt mal wieder ein Moped neben uns mit vier Jungs. Alle trugen das gleiche T-Shirt mit dem Namen ihrer Kricketmannschaft drauf. Sie wollten Selfies mit uns. Sie wohnten im Dorf vor uns und luden uns zum Kaffee ein. Doch dazu kam es nicht.

In ihrer ehemaligen Schule wurde gerade der Tag gefeiert, an dem die indische Verfassung in Kraft trat (26. Jan.1950). Die Jungs hatten uns schon angemeldet und so waren wir die Ehrengäste auf dem Schulhof. Kinder führten ein Programm auf, wir wurden vorgestellt und dann wollte der Direktor, dass einer von uns ans Mikrofon kommt und was sagt. Steffen wollte nicht, so bin ich vor und habe erzählt, was wir machen und woher wir kommen. In Tamil sagte ich auch einige Worte, da gab es dann großen Applaus. Wir bekamen Tücher um den Hals gelegt und wurden dann zum Essen im Schulraum eingeladen. Das Programm ging noch eine Weile, dann hatten die Kinder frei. Sie liefen noch lange winkend hinter uns die Straße entlang. Am Nachmittag kamen wir an einem großen Viehmarkt vorbei, wo vor allem Kühe mit bunt bemalten Hörnern zum Verkauf standen. Am späten Nachmittag erreichten wir Tiruvannamalai, wo der gewaltige Arunchaleshvara Tempel inmitten der Stadt viele Pilger anzieht. Nebenbei sind unzählige kleine Tempel, Schreiben und Ashrams entstanden.

Tag 18. Tag: Das erste Mal, dass wir zwei Nächte im gleichen Ort verbrachten. Wir ließen uns früh Zeit und schauten uns erst die Tempelanlage an. Dann gingen wir hoch auf den dahinter liegenden heiligen Berg zur Virupaksha-Höhle. Dort lebte und starb der berühmte Heilige Sri Ramana Maharshi. Zwanzig Jahre verbrachte er in völliger Isolation, meditierend in dieser Höhle. Am Nachmittag setzten wir uns aufs Rad und umfuhren den Berg. Dabei kamen wir durch kleine Gassen mit bunten Häusern und hatten immer wieder nette Begegnungen. Etwas außerhalb lernten wir einen Sadu kennen. Er wohnt eigentlich 40 Kilometer weiter, aber er lebt seit drei Jahren dort asketisch und kümmert sich um einen Tempel. Zurück im Ort, gingen wir wieder zur Tempelanlage und sahen, wie eine Zeremonie durchgeführt wurde. Morgen früh geht es wieder zeitig los, Richtung Bangalore. Wir hoffen, dass wir es mit den Rädern bis Samstag schaffen. Wir können die Strecke nur so legen, wo wir auch eine Übernachtung finden. Es gibt immer eine Lösung und hilfsbereite Menschen.