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| 17:51 Uhr

Reise durch Indien
„Heute hier, morgen dort“

Unterwegs in Indien: Simone Brüggemann-Riemer und Steffen Riemer sind zu einer Totengedenkfeier eingeladen worden.
Unterwegs in Indien: Simone Brüggemann-Riemer und Steffen Riemer sind zu einer Totengedenkfeier eingeladen worden. FOTO: Simone Brüggemann-Riemer
Lübbenau. Das Lied von Hannes Wader ist ein Motto für die Indien-Reisen von Simone Brüggemann-Riemer und Steffen Riemer.

Zum vierten Mal haben die beiden Lübbenauer Simone Brüggemann-Riemer und Steffen Riemer Indien auf ihre ganz eigene Weise bereist. Zum dritten Mal sind sie per Fahrrad unterwegs gewesen und haben in 27 Tagen 2240 Kilometer zurückgelegt, wie Simones Tagebuch belegt. Das ist für manchen schon motorisiert eine Leistung.

Diesmal hatten sie sich den Bundesstaat Rajasthan ausgewählt, von der Fläche her der größte indische Bundesstaat und fast so groß wie Deutschland. Der Nordwesten ist durch die Thar-Wüste geprägt. In dise Richtung sind die beiden Lübbenauer, die auf ihren in Indien gebuchten Mountainbikes auffällige Reisende sind, aufgebrochen. „Offenbar sind wir beobachtet worden, denn etwa 100 Kilometer vor der Grenze zu Pakistan wurden wir auf einer Dorfstraße schon vom Polizeichef erwartet“, erzählt Simone Brüggemann-Riemer. Sie müssen mit aufs Revier, ihre Pässe werden kopiert. Sie werden befragt und nach einem kurzen Aufenthalt dort dringlichst aufgefordert, auf gleichem Weg so schnell wie möglich die Region wieder zu verlassen. „Es war Nachmittag und es wurde schon dunkel“, erinnert sie sich. Eine große „Kuhstation“ ist dann die Rettung. Dort, wo zahlreiche Kühe ihr Gnadenbrot bekommen, gibt es auch eine Übernachtungsmöglichkeit für die beiden Reisenden.

Einen anderen Abend dürfen die Radfahrer, die aus Europa gekommen waren, in einer Schule übernachten, die zwar schon für den Unterricht genutzt wird, aber zum Teil noch eine Baustelle ist. Simone Brüggemann-Riemer und Steffen Riemer sind dankbar, denn anders als im Süden, den sie auch schon bereisten, ist es diesmal schwer, täglich ein Quartier zu finden.

„Indien ist nicht nur einfach. Es ist immer beides: schön und häßlich zugleich. Es geht von einem Extrem ins andere“, sagt Steffen Riemer. „Das Land lässt sich nicht zähmen.“ Und nicht immer führt der direkte Weg zu Ziel. „Wir sind an einer Weggabelung in die falsche Richtung gefahren - und haben dadurch ein Ashram gefunden, einen Yogi getroffen“, erzählt Simone Brüggemann-Riemer. Die beiden Lübbenauer dürfen bei Gebet und Gesang dabei sein. Das Lied von Hannes Wader „Heute hier morgen dort“, das sie vorträgt, passt zu ihrer Reisesituation.

Auch ein Journalist einer indischen Zeitung wird auf sie aufmerksam. Er versucht mehrmals, die beiden anzuhalten. Doch sie wissen nicht, wer er ist und was er will, fahren weiter. Dann gelingt es dem Reporter, sie an einem Rastpunkt anzusprechen - so entsteht der Zeitungsbericht, der den indischen Lesern ihre Geschichte erzählt.

Jeden Tag haben sie um die 100 Kilometer per Fahrrad zurückgelegt. „Es waren ein gutes Gefühl beim Aufwachen: Der Tag wird schön“, sagt die Lübbenauerin. Gerade wenn es am Abend zuvor schwer war, ein Quartier zu finden. Obwohl Winterzeit, klettert das Thermometer am Tage bis auf heiße 30 Grad, doch am Morgen gegen 6.30 Uhr, wenn sich die beiden wieder auf ihre Räder setzen und losfahren, sind es oft nur zehn Grad.

Ihre Art des Reisens beigeistert nicht nur Simone Brüggemann-Riemer und Steffen Riemer. So mancher wartet im Spreewald schon darauf, dass die beiden wieder mit vielen Eindrücken zurückkommen und dann in Worten und Bildern davon berichten. Und das machen sie auch gern. Doch diesmal hieß es, von Indien nach Nikaragua. Ein Vortragstermin zu dieser Reise war schon vorab vereinbart gewesen - nur wenige Tag nach der Rückkehr aus Indien. Das ist auch für die beiden erfahrenen Reisenden ein Wechselbad der Gefühle.

Wann es die neusten Erlebnisse aus Rajasthan  in einen Vortrag gefasst zu erfahren gibt, ist noch offen. „Ich muss erst das umfangreiche Film- und Fotomaterial sichten“, sagt Simone Brüggemann-Riemer. Und die Rückkehr in den teilwese noch winterlichen Vorfrühling im Spreewald ist auch zu verkraften.

Über die beiden Lübbenauer hat eine indische Tageszeitung berichtet.
Über die beiden Lübbenauer hat eine indische Tageszeitung berichtet. FOTO: Simone Brüggemann-Riemer