Von Daniel Friedrich

Als am 3. Januar 1970 die Spreewaldbahn von Cottbus nach Straupitz aufbrach, war es nach über 70 Jahren ihre letzte Fahrt. Nur ein Fahrgast und der Lokführer sollen der Überlieferung nach auf diese Abschiedsreise mit der „Bimmelguste“ gegangen sein, wie sie im Volksmund genannt wurde. Für die neue Ausgabe des „Stog“ hat sich Autor Bernd Marx intensiver mit der Bahnstrecke beschäftigt. Für seine Recherchen ist er die frühere Strecke der Spreewaldbahn abgelaufen. „Auch wenn dort seit 50 Jahren kein Zug mehr fährt, sind einige Gleisanlagen bis heute noch erhalten. Man kann hier und dort sogar noch die Schienenstränge erkennen“, erzählte er kürzlich bei der Vorstellung des Buches in Lübbenau und räumte dabei gleich mit einem Gerücht auf: „Die Loks wurden nach der Stilllegung der Spreewaldbahn aufgrund ihres hohen Alters nahezu alle verschrottet.“ Es gäbe keine Hinweise darauf, dass Lokomotiven in die Schweiz verkauft wurden.

Was jedoch bis heute teilweise sehr gut erhalten ist, sind die Bahnhofsgebäude. Werben, Burg, Neu Zauche, Lübben – vielerorts werden die alten Bahnobjekte, wenn auch zweckentfremdet, bis in die Gegenwart genutzt. Zwölf der weit über 30 Haltepunkte und Ladestellen der Spreewaldbahn werden als monatliche Kalenderblätter im „Stog“ vorgestellt. Zudem gibt es einen Abstecher an den Kolkwitzer Bahnhof. Darüber hinaus führt die Reise im neuen Heimatjahrbuch nach Raddusch: Manfred Kliche berichtet, wie dort einst der Spreewaldtourismus Fuß gefasst hat. Und er porträtiert die Postdienststelle im Dorf. 1903 eröffnet und 1995 aufgelöst, versorgte sie den Ort fast ein Jahrhundert lang mit Post, Zeitungen und Zeitschriften.

Der „Stog“ bietet neben Gedichten in Mundart und sorbischer Sprache auch Geschichten über Ausflugziele wie den Kräutergarten in Dissen. So ist die neue Ausgabe auch ein Freizeitführer, der Lust macht, den einen oder anderen Ort zu besuchen.

Herausgeber Rolf Radochla wünscht sich für die Zukunft mehr Beiträge von jungen Autoren, die wiederum einen ganz eigenen Blick auf die Dinge hätten. „Es ist unser Anliegen, Geschichte lebendig zu halten und weiterzugeben. Wer also Lust hat, einen Text für die nächste Ausgabe zu schreiben, ist immer herzlich eingeladen.“ Das Kalenderthema für die nächste Ausgabe steht unterdessen schon fest: Im Jahr 2021 sollen sich die Kalenderblätter mit den Mühlen im Oberspreewald beschäftigen. Bis Ende Januar können die Beiträge dazu eingereicht werden.

Das Heimatjahrbuch „Stog“ (sorbisch für „Heuschober“) erscheint seit 2005 jährlich. Es möchte einen Beitrag zur Bewahrung der multikulturellen Identität im Spreewald leisten. Der „Stog“ ist für sechs Euro bei der Lübbenauer Touristinformation und in der Burger Buchhandlung „Lesezeichen“ erhältlich.

www.stog-verein.de