Von Rüdiger Hofmann

Es ist noch früh am Morgen, als sich Lutz und Annegret Opitz aus Magdala in Thüringen auf dem „Spreewald-Natur-Camping“ Am Schlosspark in Lübbenau ein Brötchen vor ihrem Campingwagen schmieren. Plötzlich fährt eine knallrote Schubkarre vor. Ein freundlicher Mann mit Schiebermütze und Sonnenbrille läuft auf. Es ist das Lübbenauer Stadtoberhaupt Helmut Wenzel, im Gefolge weitere lustige Gesellen. Einer davon ist Lokalbrauer Roberto Babben von der ortsansässigen kleinsten Brauerei im Land Brandenburg. Er hat ein frisches Bierfass dabei und schenkt ohne zu zögern zum Frühschoppen aus.

Besuch vom Bürgermeister auf dem Campingplatz

„Wir sind baff, dass wir hier zum frühen Morgen Besuch vom Bürgermeister bekommen“, sagt Annegret Opitz, die anfangs dachte, es handele sich um eine Kirmesveranstaltung. Gemeinsam mit ihrem Mann macht sie eine „Ossi-Tour“, wie sie es nennt, und verbringt nun drei Tage auf dem Lübbenauer Campingplatz. „Es ist traumhaft schön hier, alles sauber, ein großzügiger Platz“, so Lutz Opitz. Doch was verbirgt sich hinter diesem Starauftritt der illustren Gefolgschaft?

Postkarten, regionalen Agrarprodukte und Bier in der Karre

Mit knallroter Schubkarre im Landesmarketing-Design „Brandenburg – es kann so einfach sein“ werden auf der von der Staatskanzlei organisierten „Campingplatz-Tour 2019“ Urlauber auf besondere Weise auf den Campingplätzen begrüßt. Beladen ist die Schubkarre mit Postkarten, regionalen Agrarprodukten und hiesigem Bier sowie Werbeprodukten aus der Region. Mit der Aktion wollen die Erzeugergemeinschaft pro agro, der Verein der Klein- und Gasthausbrauereien und der Förderverbund Tourismuswirtschaft zugleich für Brandenburg und den Spreewald werben.

Urlauber wie die Opitz-Familie werden am Morgen überrascht. „Früh, wenn das Leben erwacht, sind die Leute gut drauf und lassen sich in den meisten Fällen auf einen kleinen Plausch mit uns ein“, sagt Thomas Braune vom Landesmarketing der Staatskanzlei. Den Leuten gefalle die Marketingaktion, weil sie eine unaufdringliche Form der Werbung sei.

„Die Tourismusförderer begleiten die Aktion mit ihren mobilen Info­stelen, die 2018 mit dem Deutschen Tourismuspreis ausgezeichnet wurden“, teilt die Staatskanzlei mit. Vor den jeweiligen Wohnwagen sollen – wie schon im Vorjahr bei der ersten „Campingplatz-Tour“ – die Gäste zu Urlaubstipps und über ihre Erlebnisse und Eindrücke von Brandenburg befragt werden.

Auch Dänen, Schweizer und Schweden werden überrascht

Die klingen an diesem Tag durchweg positiv. „Wir lieben es, wenn Campingplätze nicht so überlaufen sind“, sagt beispielsweise Familie Hübler aus Pinneberg (Schleswig-Holstein). Unmittelbar daneben campen Bonner und Bayern. Einige Kilometer mehr auf dem Buckel haben da die Dänen, Schweizer und Schweden, die sich an diesem Morgen ebenfalls über ein Bierchen, einen Bildband über Brandenburg sowie eine Gurke freuen können.

Einfallsreich ist auch die Aktion mit den Postkarten, auf der ein Marketingspruch über Brandenburg steht: „Sie sehen eine der berühmtesten Sehenswürdigkeiten Deutschlands – ein Brandenburger Tor“. Zu sehen ist aber nicht das Tor aus Berlin, sondern ein beliebiges Tor auf einer beliebigen Weide. „Wer die von uns übergebenen Karten sofort schreibt, kann sicher sein, dass wir sie frankieren und direkt an die Post weiterreichen“, sagt Thomas Braune. Die Sache läuft super an, nahezu jeder der Camper nutzt freudestrahlend das Angebot.

So viele Besucher wie noch nie in Brandenburg

Freuen kann sich überhaupt die gesamte Tourismusbranche in Brandenburg: Im vergangenen Jahr wurden so viele Besucher begrüßt wie noch nie. Fünf Millionen Besucher reisten ins Land und buchten 13,5 Millionen Übernachtungen, teilt das Wirtschaftsministerium mit. Dabei fällt auf: Brandenburg und auch der Spreewald werden immer mehr zum Campingland. Insgesamt registrierten die 170 Campingplätze 1,3 Millionen Übernachtungen, ein Zuwachs von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

„Campingplatz-Tour“ mit sechs Stationen

Sechs verschiedene Regionen werden nun drei Wochen lang von der Staatskanzlei und den Akteuren des Landesmarketing angefahren. Station macht die „Campingplatz-Tour“ unter anderem im Schlosspark Theresienhof Bad Saarow (Landkreis Oder-Spree), im Campingpark Buntspecht in Ferchesar (Havelland), im Wohnmobilcamp „Ölmühle“ Wittenberge (Prignitz) und im Sanssouci Camping (Potsdam). Der Hingucker aber bleibt immer die knallrote Schubkarre.

Luckau/Lübben/Lübbenau

Nach Umfrage: Bremer Studenten Tipps für Stadtmarketing Lübbenau soll Bilder sprechen lassen

Lübbenau