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Raubzug durch die Gewerbegebiete

Ein Kleintransporter gleichen Typs mit riesigen Bagger-Fotos an den Seiten ist bei NMN Bau in Göritz gestohlen worden.
Ein Kleintransporter gleichen Typs mit riesigen Bagger-Fotos an den Seiten ist bei NMN Bau in Göritz gestohlen worden. FOTO: Hannelore Kuschy
Vetschau. Einen regelrechten Raubzug haben Einbrecher in Vetschauer Gewerbegebieten unternommen. Weit mehr als 100 000 Euro Schaden beklagen vor allem Baubetriebe. Sie sehen ein großes Sicherheitsproblem und erheben Vorwürfe gegen die Polizei. Hannelore Kuschy

Geschäftsführer Thomas Kuhla ist verzweifelt: Innerhalb von acht Wochen ist in seine Stahl- und Treppenbaufirma im Industrie- und Technologiezentrum Spreewald (ITS) zum zweiten Mal eingebrochen worden. Und diesmal schmerzt es richtig. Zehntausende Euro Schaden haben das Unternehmen an den Rand der Handlungsunfähigkeit gebracht. "Ich habe schon an eine Betriebsunterbrechung gedacht", sagt er. Montagearbeiten im Ausland stünden an, für die kein Fahrzeug und kein Werkzeug mehr da waren. Leihwagen mussten her und Hals über Kopf neue Arbeitsmaschinen, praktisch eine komplette Werkstatteinrichtung, angeschafft werden.

Die Metallbaufirma Kuhla beschäftigt 14 gewerbliche Mitarbeiter, deren Arbeitsplätze durch derartige Einbrüche auf dem Spiel stehen können. Als Unternehmer fühle er sich alleingelassen. Und das in einem Industriegebiet, auf dem sich weitere Unternehmen ansiedeln und Arbeitsplätze schaffen sollen. "Aber wenn ihm der Ruf vorauseilt, nicht sicher zu sein, wird das immer schwieriger", schlussfolgert der Geschäftsführer. Die Polizei sollte nach seiner Auffassung die Gefahr erkennen und ein Zeichen setzen, indem sie hin und wieder Streife fährt. "Denn das hier sind keine einfachen Einbrüche mehr. Hier gehen Profis zielgerichtet vor, die sich sehr genau auskennen", davon ist Thomas Kuhla überzeugt. Umso weniger verstehe er, dass die Polizei auf seine Hinweise zu möglichen Fingerspuren nicht reagiert habe.

Diese Erfahrung hat auch Holger Neumann, Geschäftsführer von NMN Bau in Göritz, gemacht, wie er sagt. Ein Jeep, zwei Transporter, Aggregate, Rüttelplatte, Winkelschleifer und andere Werkzeuge im Wert von etwa 60 000 Euro sind verschwunden. "Das tut schon weh, erst recht, wenn dann der Beamte kaum ein Wort verliert, lustlos wirkt und sich an meinen Hinweisen, zum Beispiel zu einem Transporter mit großen Baggerfotos an den Seiten, nicht interessiert zeigt", beklagt er. In Sachen Sicherheit wollen beide Unternehmer noch einmal aufwendig investieren.

Holger Neumann geht davon aus, dass die ungebetenen Besucher von nebenan aus dem Autohaus kamen. Denn auch dort haben sie in derselben Nacht Spuren hinterlassen. Autohaus-Geschäftsführer Burghard Lieske hatte in den zurückliegenden Jahren immer wieder Einbrüche zu beklagen. Diesmal habe die Kamera alles aufgezeichnet. Die vermutlich vier Männer mit Kapuzen seien zielgerichtet zu einem Container gegangen, um von dort einen Satz Räder, eine Motorsense und einen Rasentraktor mitzunehmen. "Anschließend", so Burghard Lieske, "haben sie den Zaun zum Nachbargrundstück aufgeschnitten". Auch er ist überzeugt davon, dass mehr Polizei manchen Einbrecher abschrecken würde.

Über die Versicherung musste sich nach Einbrüchen in der Vergangenheit Margitta Droge von der gleichnamigen Baufirma auf dem Radduscher Gewerbegebiet ärgern. Zum dritten Mal ist jetzt ihr Unternehmen betroffen. "Beim ersten Mal konnten wir anschließend nicht mehr weiterarbeiten", erzählt sie, und die Versicherungen wüssten dann genau, wie sie sparen können. Diesmal habe die Alarmanlage noch Schlimmeres verhindert. "Die Fenster der Lagerhalle, in die die Einbrecher eingestiegen waren, haben wir jetzt zugemauert", sagt sie.

Thomas Langlotz, Geschäftsführer der Regionalen Entwicklungsgesellschaft, ist entsetzt, würden diese Einbrüche in jüngster Zeit doch noch eins draufsetzen auf die ohnehin bestehenden Probleme, weitere Unternehmen anzusiedeln. Gemeinsam mit Bürgermeister Bengt Kanzler (parteilos) wolle er über das weitere Vorgehen beraten.

Die Sicherheit sei Sache der Unternehmen selbst - so die Polizei. "Gemeinsam mit der IHK haben wir Schulungen gemacht, bei denen sich jeder Rat holen konnte", sagt die Sprecherin Ines Filohn. Dass es unter den 1500 Polizeibediensteten den einen oder anderen geben mag, der sich wie geschildert verhalte, bestreite sie nicht. "In diesem Falle sollte eine Dienstaufsichtsbeschwerde gemacht werden - da wird nichts unter den Tisch gekehrt", versichert sie.

Den Unmut der Unternehmer könne sie gut verstehen, doch die Polizei müsse "schwerpunktbezogen arbeiten".

Kommentar: Ein Recht auf Sicherheit