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Elektronische Verwaltung
Rathaus strebt Digitalisierung an

Im Lübbenau Rathaus stellt man sich ein auf digitalisierte Arbeitsprozesse. Hierzu sollen künftig eigene Fachkräfte ausgebildet werden.
Im Lübbenau Rathaus stellt man sich ein auf digitalisierte Arbeitsprozesse. Hierzu sollen künftig eigene Fachkräfte ausgebildet werden. FOTO: Daniel Preikschat / LR
Lübbenau. Die Lübbenauer Verwaltung will Fachpersonal mit TH Wildau selbst ausbilden.

Im Zeitalter der Digitalisierung müssen auch Verwaltungsfachfrauen- und männer viel von Informationstechnik verstehen. Im Lübbenauer Rathaus zumindest sieht man das ganz klar so. Zunehmend mehr Anträge, so der stellvertretende Bürgermeister Rainer Schamberg, werden künftig auf elektronischem Weg eingehen und beantwortet. Ob es um Kita-Plätze geht, Wohngeld oder Leistungen des Standesamtes. Schamberg denkt außerdem an die Kommunikation der Stadtverwaltung mit Landesbehörden, mit Planungsbüros und Stadtverordneten, an die Kooperation mit Rechenzentren. Ein weites Feld sei digital zu beackern.

Was das Rathaus-Personal betrifft reichen aus Sicht Schambergs Schulungen und Fortbildungen in Sachen Digitalisierung allein nicht aus. Die Verwaltung müsse eigene Fachleute ausbilden. Konkret sollen junge Menschen mit Abitur in Lübbenau beziehungsweise an der TH Wildau den neuen Ausbildungsgang Verwaltungsinformatik durchlaufen. In sieben Semestern kann ein Bachelor of Science erlangt werden. Vermittelt wird dabei Wissen über öffentliche Finanzwirtschaft, Bürgerliches Recht und Verwaltungswissenschaften, aber auch über Datenbanken, Software Engineering und Web-Technologien. 70 Prozent der Inhalte haben mit Informationstechnik zu tun, 30 Prozent mit Verwaltungslehre.

Im Herbst diesen Jahres soll der erste Verwaltungsinformatik-Student in Lübbenau anfangen, ein Jahr später der nächste. Das Ziel sei ganz klar, so Rainer Schamberg, die fertigen Bachelor of Science als Experten für die Digitalisierung der Verwaltung im Rathaus fest anzustellen. Schließlich, erklärt der stellvertretende Bürgermeister, investiere die Stadt dreieinhalb Jahre lang in diese Ausbildung. Wer sie durchläuft, bekomme sofort Gehalt. „Dann wollen wir natürlich nicht nur Sprungbrett sein, sondern die selbst ausgebildeten Experten auch behalten“, stellt Schamberg klar. Daher sollten die Bewerber vorzugsweise aus der Region kommen.

Tun sie bisher jedoch nicht. Wie Rainer Schamberg etwas enttäuscht feststellen muss, kommen die Interessenbekundungen aus weiter entfernten Regionen. Woran das liegt, kann sich der stellvertretende Bürgermeister selbst nicht so genau erklären. Wo doch die Jobperspektiven mehr als gut sind. Vielleicht sei das Ausbildungsangebot nur noch nicht bekannt genug. Hier denkt Schamberg vor allem an die Gymnasien in der Region. Man werde nun zunächst die Bewerbungsfrist noch bis Ende April verlängern.

Wie im Städte- und Gemeindebund zu erfahren, gibt es landesweit 35 Plätze für diesen neuen Ausbildungsgang, 20 nehmen allein Landesbehörden in Anspruch. Insofern schreite Lübbenau als eher kleine Kommune pioniermäßig voran, während sich andere abwartend verhalten. Abwarten könne man beispielsweise, wie am Ende das Gesetz zur elektronischen Verwaltung im Land Brandenburg aussehen wird, das derzeit noch ein Entwurf ist. Jens Graf vom Städte- und Gemeindebund sieht hier große Herausforderungen auf die Kommunen zukommen, aber auch Chancen: Wird viel auf elektronischem Weg erledigt, kann mehr Zeit bleiben, an wichtigen Projekten zu arbeiten.